6. Auf Herrn Peter Kuchens Ableben an die betrübte, auch kranke Witwe

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Paul Fleming: 6. Auf Herrn Peter Kuchens Ableben an die betrübte, auch kranke Witwe (1624)

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Betrübte Frau, verzeihet mir,
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wo ich zu viel mir nehme für,
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indem ich eurem matten Sinne,
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der kaum für eigner Krankheit webt,
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mehr von des Liebsten Tode bebt,
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itzt zuzureden diß beginne!

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Vielleichte wird die wilde Pein
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um etwas Lernen milder sein,
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wo nur geringster Zuspruch haftet,
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wo nur der kleinste Trostes Gran
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bei euch trifft guten Acker an
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und in dem wunden Herzen saftet.

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Vor allen Dingen mein' ich wol,
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muß ich, so viel ich kan und soll,
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auf gute Vorsicht mich befleißen,
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daß nicht der unverharschte Schad'
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in einen schlimmern Stand gerat'
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und etwan möge weiter reißen.

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Ihr, Schwache, klaget euren Man,
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um das euch niemand strafen kan.
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Was lieb ist, wird mit Ach verloren.
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Wer etwas, wes er sich erfreut,
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kan missen ohne Traurigkeit,
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der soll noch werden erst geboren.

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Und wer auch euch verhübe diß,
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der müste sein kein Mensch gewiß.
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Kein böser Tiger ist so wilde,
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kein Leoparde so ergrimmt,
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daß, wenn er um den Gatten kömmt,
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er sich nicht trage zahm und milde.

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Was einmal sich zusammenfügt,
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das wird durch Anders nichts vergnügt
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als wenn es seinen Freund kan sehen.
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Und wenn sein Liebes sich entbricht,
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so weiß es auch zu bleiben nicht,
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so ists mit seiner Lust geschehen.

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Die bulerische Wicke prangt,
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wenn sie hat einen Halm erlangt,
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den sie darf brünstiglich umschlingen.
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Ingleichen seht den Rüstenbaum,
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wie daß der liebend' Eppich kaum
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von seinem Freunde sich läßt dringen!

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Was sich einander herzlich giebt,
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das liebt das, was es gleiche liebt,
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und kan sich sonst an nichts erlaben.
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Das Turteltäublein fleugt und girrt,
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wenn sie nicht bald sieht ihren Wirt
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und in gewählter Zeit kan haben.

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So unbarmherzig bin ich nicht,
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daß, was euch heißet eure Pflicht,
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ich schlechter Dinge tadeln wolte.
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So bin ich auch nicht so betört,
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daß ich, was die Natur uns lehrt
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und fast gebeut, verdammen solte.

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So wenig Gift uns nicht verletzt,
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das Feuer brennt, das Wasser netzt,
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so wenig kan die Zähren halten
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das aus der Ehe hinterbleibt,
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wo anders Liebe Liebe treibt
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und ihre Gluten nicht erkalten.

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Das Weinen ist zu wehren nicht.
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Doch daß auch Maße nicht gebricht,
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die sonsten selten sich will finden!
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Und ist das Pflaster eben diß,
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darmit ein Herze seinen Riß
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selbselbsten kan und soll verbinden.

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Wie sie zu allen Dingen gut,
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so steift und hält sie Sin und Mut,
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daß sie nicht brechen aus den Schranken.
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Wenn ihr auch sie nehmt nicht in Acht,
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so habt ihrs zu dem Stande bracht,
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daß ihr so sehr nicht werdet wanken.

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Ihr habt verloren einen Freund,
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den ihr für euren besten meint?
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Diß wissen wir ohn' euer Klagen.
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Doch daß noch viel ein bessrer sei,
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der euch noch mehr als der ist treu,
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das heißt euch unser Glaube sagen.

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»ach! seufzet ihr, wär' ich auch hin!«
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Diß ist der wahren Liebe Sin,
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die ohn' ihr Liebes nicht will leben.
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Wie sollet ihr ihm aber tun?
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Ihr müßt in Gottes Willen ruhn.
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Er nimmt ja recht, was er hat geben.

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Ihr nahmt ihn darum ja allein,
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daß ihr nicht woltet einsam sein.
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Nun kuntet ihr zuvor bedenken,
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daß eben seine Sterbenszeit
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euch in den Turn der Einsamkeit
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auch künftig wider könte senken.

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Und eben diß war euer Pfand,
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als ihr vermähltet Hand mit Hand,
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daß euch nichts solt' als Sterben scheiden.
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»es ist doch aber gar zu bald!«
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Euch dünkts; so ward er kaum nicht alt,
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das für sich ist ein liebes Leiden.

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Hat er kein Kind nicht sollen sehn,
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so ist ihm ja so wol geschehn,
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daß ihn einst keines dürfte tauren.
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Es war ihm nicht um seinen Tod.
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Diß wars, daß ihr in solcher Not
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euch würdet allzusehr vertrauren.

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Ihr kommt zu früh' in Witwenstand?
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Was mehr? Gott hat ein großes Land,
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er kan euch ferner noch beschenken.
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Hats ja so zeitlich sollen sein,
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so seis euch lieb, ihr seid allein,
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und dieses sollet ihr bedenken.

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Gesetzt, ihr hättet lange Zeit
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gelebet eins und ohne Leid,
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bei großem Gut' und vielen Erben,
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wer hätt' euch wollen Bürge sein,
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daß ihr, des Weinens euch zu freun,
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auf einen Blick hin würdet sterben?

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Wenn das Verhängnüß bricht herein
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so muß es doch geschieden sein,
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es komme gleich auch wie es wolle.
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Du seist verfreiet oder loß,
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von Gütern reich, von Ehren groß,
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geh'! heißt es, wenn dich liest die Rolle.

121
Es ist ein Wahn und eitler Schein
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zu sehr um Seelge traurig sein.
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Wer tot ist, wird nicht mehr gefähret.
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Wenn ihr ihn liebtet, wie ihr sagt,
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so ließt ihr etwas ungeklagt:
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er ist, wo ihr auch hin begehret.

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Zu dem, so seid ihr unzerstückt.
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Ihr habt ihn nur voran geschickt,
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die Stätte droben zu bereiten.
130
Er lebet, euer bester Teil,
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versetzt in jenes lange Heil,
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bis er euch holt an seine Seiten.

133
Der treuen Ehe festes Band
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wird auch im Tode nicht zertrant,
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es hält noch, wenn wir sein verstorben.
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Drum lasset dieses unbereut,
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daß ihr euch iemals habt befreit!
138
Ihr habt euch einen Trost erworben.

139
Wie mancher hat auf wüster See
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durch Raub, durch Mord, in Hitz', in Schnee
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sein unverhofftes Teil bekommen,
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von dem sein armes Weib und Kind
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und die ihm sonst befreundet sind
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nicht das geringste Wort vernommen!

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Ihr wart bis an den Tod um ihn.
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Er zog euch in den Armen hin.
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Ihr saht den schwachen Geist aufgeben.
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Was nehmt ihr vor den letzten Kuß
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und den zwar harten Abscheidsgruß:
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»zu tausent guter Nacht, mein Leben!?«

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Beherzigt seine Glückligkeit,
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hingegen unser stetes Leid
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und stellet euch in Gottes Willen!
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Wer weiß, was er an euch noch tut,
155
erkennt ers ratsamlich und gut,
156
diß, was ihr wündschet, zu erfüllen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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