3. Auf Jungfrau Marien Schürers Begräbnüß

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Paul Fleming: 3. Auf Jungfrau Marien Schürers Begräbnüß (1624)

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Die heiße Zährenbach
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rinnt nur umbsonst die roten Backen ab.
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Kein herzerzwungnes Ach
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füllt für uns aus das schon gemachte Grab.
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Man hat noch nie vernommen,
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daß auf die Klagewort'
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ein Geist sei rückwärts kommen,
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der einmal schon war fort.
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Die tugendvolle Lust
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der schönen vor, itzt totenfarbnen Stadt
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hat auch an das gemußt,
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was kurzer Zeit so Viel' ermordet hat.
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Was uns an ihr beliebet,
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liegt vor uns kalt und tot.
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Sei, junge Welt, betrübet!
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Dich rührt die meiste Not.
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Die neun Aonien,
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der Nymphen Zunft, die ganze Götterschar
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samt allen Chariten
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stehn tief betrübt umb die verhüllte Bahr'.
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Apollo kan nichts sagen,
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ist Leid und Ächzens voll,
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hat mir es aufgetragen,
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daß ich sie klagen soll.
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Die Tugenden gehn aus
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und samblen ein Cypreß und Majoran;
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sie winden manchen Strauß
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und ziehen sie mit bunten Kränzen an.
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Sie malen alle Plätze
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und rufen aus vor ihr,
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daß man in Blumen setze
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sie, aller Blumen Zier.
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Der deutsche Helikon
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hat schwarzen Flor und Binden vorgetan.
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Cytheris und ihr Sohn,
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das liebe Kind, ziehn Trauerkleider an
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und folgen derer Leichen,
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auf die sie dachten schon,
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wie sie ihr wolten reichen
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den Malschatz, ihren Lohn.
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Der bleiche Würger steht,
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als reu' es ihn, was er an ihr getan,
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weil ihm zu Sinnen geht,
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was er verübt und nun nicht ändern kan.

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Doch solt' ihn was gereuen?
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Er würget Tag für Tag,
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für dem sich Alle scheuen,
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den Niemand scheuchen mag.
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Wie sollen wir ihm tun?
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Wir heißen dich, Leib, unter deiner Gruft
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in sanfter Stille ruhn,
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bis dich einmal die Seele wieder ruft,
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die Seele, die schon höret,
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was sie vor nicht gewußt,
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bis sie auch dich verehret
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mit jener langen Lust.
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Im Übrigen will ich,
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wie ich denn soll, durch meiner Verse Preis
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geschäftig sein umb dich,
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will wenden an nicht angelehrten Fleiß,
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daß die, so dieses lesen,
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auch melden meinen Sin,
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daß ich dir hold gewesen,
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du keusche Schürerin.
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Ihr Andern, sündet an
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die teure Myrrh' und fremdes Benzoe,
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daß von dem Oliban
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und Aloe ein süßer Dampf entsteh'!
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Inmittelst will ich tönen
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die weise Melodei,
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daß auch das Grab der Schönen
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nicht ohne Freude sei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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