Trit Melpomene, trit auf

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Paul Fleming: Trit Melpomene, trit auf Titel entspricht 1. Vers(1624)

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Trit Melpomene, trit auf,
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laß die Trauersaiten tönen,
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als an die mich zu gewönen
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zwingt der trüben Zeiten Lauf!
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Ich will in den stillen Klang
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stimmen diesen Leidgesang.

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Zier des Stammes, Preis der Jugend,
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teurer Ausbund aller Tugend,
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du Gerühmter vor der Welt,
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o du wertester
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aller Menschen liebe Lust!

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Bist denn du auch gangen hin,
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dannenher kein Rückweg gehet,
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da das Endmal Allen stehet,
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(allen,so denkt unser Sinn),
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bist denn du auch alsobald
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vor dem Alter worden kalt?

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Du, von dem man neulich nur
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rühmet' an der Helden Reie
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solche Tapferkeit und Treue,
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der du deiner Liebe Spur
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vor das traute Vaterland
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machtest durch die Faust bekant?

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Ja, du namest dir auch für,
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vor die Deinen gar zu sterben
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und den werten Dank zu erben,
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der Erlösern ziemt und dir.
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Dein Wundsch war in selber Not:
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frei sein wollen oder tot.

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Und wir brachtens auch darzu,
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daß wir uns nun Sieger melden,
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durch so streitbeherzte Helden,
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die sich hielten gleich wie du,
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die ihr Blut um gleichen Kauf,
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gleichwie du auch, setzten auf.

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Mars ersahe dein Gesicht',
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als du in den Waffen rungest,
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zornig durch die Feinde drungest;
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deiner wolt' er warten nicht.
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Mancher Man, der sonst war wert,
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ward erletzet durch dein Schwert.

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Was du hast für uns gewagt,
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zeigen deine tiefen Wunden,
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so du vor der Faust empfunden.
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Rüchtig ist es und besagt,
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was dein kühner Arm getan
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auf dem

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Ietzund, da du hast gesiegt
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und mit Ehren kömmest wieder,
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legest du dich, Werter, nieder
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und wirst durch den Tod bekriegt.
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Da nun Alles Friede war,
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kamst du erstlich in Gefahr.

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Er, der Tod, floh selbst vor dir,
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als du ihm nicht woltest weichen,
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da er plötzlich sah' erbleichen
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manchen Man durch dein Rappier,
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wie von deiner kühnen Faust
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mancher Feind ward angestraußt.

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Nun erschleicht er hämisch dich
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und verletzet dir dein Leben,
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das zuvor sich wolte geben
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keinem Schosse, keinem Stich.
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Ohne vorbesagte Zeit
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kömmst du um und außer Streit.

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Hättestu doch deine Kraft
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Andern auch bezeigen sollen!
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Zwar dein Mut ist schon erschollen
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vieler Länder Bürgerschaft.
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Wer dich kennet und nicht kennt,
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nennt dich groß, wenn er dich nennt.

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Nun, du bist zwar umgebracht;
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doch so kan man löblich sagen,
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daß dich kein Feind können jagen,
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übermögen keine Macht.
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Was für Macht dich übermocht,
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die ist die, so Alles pocht.

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Dein Gedächtnüß, werter Held,
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soll dort neben Phöbus stehen,
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auf und nieder mit ihm gehen
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und der Welt sein vorgestellt.
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Du wirst nicht vergessen sein,
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weil wir haben seinen Schein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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