6. Auf die Weise des 101. Psalms

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Paul Fleming: 6. Auf die Weise des 101. Psalms (1624)

1
Ich habe mich mit mir nun ganz besprochen.
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Der leichten Welt ihr Gutsein oder Pochen
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soll mich forthin nicht weder krank noch froh
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mehr machen so.

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Was ist es mehr mit allen ihren Günsten,
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die, Nebeln gleich und leichten leeren Dünsten,
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so bald sie nur und eh' sie fast entstehn,
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so bald vergehn?

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So kan mir auch ihr Zorn auf mehr nicht schaden,
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als daß er mir zerreißt des Lebens Faden.
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Not, Armut, Pein und was sie Tötlichs dreut
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scheint nur ein Leid.

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Sie mag mich denn gleich sieden oder braten,
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sie muß mich doch der Seelen lassen raten,
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die ihren Grimm, wie sauer sie ihn macht,
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doch nur verlacht.

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Gott, der ist der, der nicht nur hie mit Nöten,
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der dort auch kan mit Höllenängsten töten,
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da Leib und Geist durch einen Tod verdirbt,
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der nimmer stirbt.

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Laß keine Furcht, als deine, mich erschrecken,
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o der du uns vom Tode wirst erwecken!
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Laß, Höchster, mich bewegen keine Lust,
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als die du tust!

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Enthalte mich in diesen trüben Zeiten,
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da Gut und Bös in vollen Lärmen streiten,
27
da falscher Schein mit wahrer Schönheit kriegt
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und fast wie siegt!

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O wahre Zier, itzt lenke meine Sinnen,
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daß sie nur dich alleine lieb gewinnen!
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Itzt wend auf nichts als dich nur meinen Mut,
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o höchstes Gut!

33
Ich will forthin mit streitenden Gebeten
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die böse Welt zu meinen Füßen treten,
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will blos auf den mein Herze stellen hin,
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von dem ich bin.

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Er meint es gut und will mich nur versuchen,
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ob ich ihn wol will segnen oder fluchen;
39
er ist gerecht, wird mehr nicht, als ich kan,
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mir muten an.

41
Was er legt auf, das hilft er selbsten tragen
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und macht es so mit allen unsern Plagen,
43
daß endlich anders man nicht sagen kan
44
als: wol getan!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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