4. Nach des 6. Psalmens Weise

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Paul Fleming: 4. Nach des 6. Psalmens Weise (1624)

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In allen meinen Taten
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laß ich den Höchsten raten,
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der Alles kan und hat;
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er muß zu allen Dingen,
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solls anders wol gelingen,
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selbst geben Rat und Tat.

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Nichts ist es spat und frühe
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um alle meine Mühe,
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mein Sorgen ist umsonst:
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er mags mit meinen Sachen
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nach seinem Willen machen,
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ich stells in seine Gunst.

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Es kan mir nichts geschehen,
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als was er hat versehen
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und was mir selig ist.
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Ich nehm' es, wie ers giebet;
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was ihm von mir geliebet,
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das hab' auch ich erkiest.

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Ich traue seiner Gnaden,
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die mich für allem Schaden,
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für allem Übel schützt.
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Leb' ich nach seinen Sätzen,
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so wird mich nichts verletzen,
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nichts fehlen, was mir nützt.

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Er wolle meiner Sünden
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in Gnaden mich entbinden,
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durchstreichen meine Schuld!
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Er wird auf mein Verbrechen
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nicht stracks das Urteil sprechen
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und haben noch Gedult.

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Ich zieh' in ferne Lande,
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zu nützen einem Stande,
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an den er mich bestellt.
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Sein Segen wird mir lassen
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was gut und recht ist fassen
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zu dienen seiner Welt.

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Bin ich in wilder Wüsten,
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so bin ich doch bei Christen
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und Christus ist bei mir.
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Der Helfer in Gefahren,
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der kan mich doch bewahren,
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wie dorte, so auch hier.

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Er wird zu diesen Reisen
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gewündschten Fortgang weisen,
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wol helfen hin und her,
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Gesundheit, Heil und Leben,
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Zeit, Wind und Wetter geben
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und Alles nach Begehr.

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Sein Engel, der getreue,
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macht meine Feinde scheue,
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trit zwischen mich und sie.
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Durch seinen Zug, den frommen,
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sind wir so weit nun kommen
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und wissen fast nicht wie.

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Leg' ich mich späte nieder,
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erwach' ich frühe wieder,
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lieg' oder zieh' ich fort,
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in Schwachheit und in Banden,
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und was mir stößt zu Handen,
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so tröstet mich sein Wort.

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Hat er es denn beschlossen,
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so will ich unverdrossen
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an mein Verhängnüß gehn;
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kein Unfall unter allen
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wird mir zu harte fallen,
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ich will ihn überstehn.

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Ihm hab' ich mich ergeben
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zu sterben und zu leben,
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so bald er mir gebeut.
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Es sei heut' oder morgen,
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dafür laß ich ihn sorgen,
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er weiß die rechte Zeit.

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Gefällt es seiner Güte,
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und sagt mir mein Gemüte
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nicht was Vergeblichs zu,
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so werd' ich Gott noch preisen
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mit manchen schönen Weisen
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daheim in meiner Ruh'.

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Indeß wird er den Meinen
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mit Segen auch erscheinen,
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ihr Schutz, wie meiner, sein;
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wird beiderseits gewähren
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was unser Wundsch und Zähren
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ihn bitten überein.

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So sei nun, Seele, deine
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und traue dem alleine,
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der dich geschaffen hat!
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Es gehe wie es gehe,
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dein Vater in der Höhe
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weiß allen Sachen Rat.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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