54. Auf Herzogen Friedrichs zu Schleswig-Holstein etc. Fürstl. Durchlaucht Hochbetrauten Rates und nach Moskau und Persien Wolfürnehmen Abgesandten seinen Namenstag, unter währender Rückreise auf der Wolgen unter Detuscha den vierten Wintermonatstag des 1638. Jahres begangen

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Paul Fleming: 54. Auf Herzogen Friedrichs zu Schleswig-Holstein etc. Fürstl. Durchlaucht Hochbetrauten Rates und nach Moskau und Persien Wolfürnehmen Abgesandten seinen Namenstag, unter währender Rückreise auf der Wolgen unter Detuscha den vierten Wintermonatstag des 1638. Jahres begangen (1624)

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Wenn werte Helden auch, wie sonst gemeine Leute,
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durch ihren Todesfall ganz kämen auf die Seite
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und würden nichts, wie sie, so sagt' ich wahr und frei,
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daß es um ihren Stand ein großes Elend sei, –
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voraus wenn Einer mir das Urteil hülfe sprechen,
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der lange Gläser mehr als Lanzen pflegt zu brechen,
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nichts minder auch geherzt, der manlich seinen Feind
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bei Tafel schläget tot und auch darzu nicht weint.
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Ietzt dessen ungedacht, daß die, so rühmlich leben
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und hier tun wol und recht, auch dorte sollen schweben
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hoch über jenes Volk, das seinen Glauben schminkt
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und ganz vor Heuchelei in Gottes Nase stinkt:
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der lange Name machts, der ihren schönen Mühen
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bis in die Ewigkeit pflegt immer nachzuziehen.
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Sobald ein großer Geist wird in die Luft gehaucht,
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und seines Schreibers Kiel ihm in die Dinte daucht,
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so bald gebiert sein Tod ein Leben, das nicht stirbet,
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stets jung und frisch besteht und nimmermehr verdirbet:
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wer so die Welt verläßt, der nimt sie völlig ein.
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Wer liebet doch den Tod, um blos nur tot zu sein?
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Sie härten ihren Leib von Jugend auf mit Suchen,
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die Frost und Hitze gleich und Sauer Süße machen;
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Fleiß ist ihr Tockenwerk, ein ritterliches Schwert,
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ein kriegerischer Helm, ein wolgemachtes Pferd.
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Sich Üben an der Not, Belustigen an Schmerzen,
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stets Spielen mit Gefahr, mit strengem Ernste Scherzen
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ist ihr gebräuchlichs Tun; ihr Wachen, Schlaf und Traum
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sind Schlachten, Staub und Schweiß. Da jene sich denn kaum
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für Wollust an die Luft und auf die Gasse wagen,
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an keinem Reichtum arm, vergnügen sich an Sagen
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und lassen diese tun, sehn blaß aus, weit von Not
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und fürchten sich oft eh', als die sich schlagen tot,
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wenn Feind an Feinde dringt. Den Tod verachten Können
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ist keines ieden Tun. Wer Ehre will gewinnen,
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der muß Blut setzen auf. Blut ist das rote Gold,
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das ihr, ihr Götter, bar gezalet haben wolt
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für ein berühmtes Lob. Wer krank ist, stirbt zu Bette;
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der länger leben kan, der lebt und stirbt um Wette,
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sucht Raum und weites Feld. Was scheut man doch den Tod?
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Er trinkt doch unsern Trank und ißt stets unser Brot,
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geht mit uns ein und aus. Soll er dann gehn zu Grunde,
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so will er, eh' er muß. Er fordert seine Stunde,
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schaut sein Verhängnüß an getrost und unverwandt
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und läuft dem Tode selbst beherzt in seine Hand.
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Ein Geist vom Himmel her will stets am Himmel schweben,
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klimmt allzeit Wolken an, will niemals unten kleben,
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wo die gebückte Schaar der kleinen Seelen kreucht
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und niemals über sich von dieser Erden steigt.
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Für Weiber ist die Furcht, ein Feiger scheut das Wehe:
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die tapfer' Seele schwingt sich selbsten in die Höhe
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zu Gott, vor dem sie steht, wenn Herd und sein Altar
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durch Unrecht und Gewalt geraten in Gefahr.

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Nur unser Delius, kein Andrer kan es geben,
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daß Einer seinen Tod kan rühmlich überleben
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und grünen, wenn er fault. Wen unser Cirrha tränkt,
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der wird vergessen nicht, hat Lethe ihm geschenkt
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für eins, zwei, drei Mal ein. Die trefflichen Poeten,
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die Rächer der Natur, die können,. Tod, dich tödten,
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sind, Gift, dein Gegengift; sie können nicht vergehn
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und machen Andere, so fallen, wieder stehn.
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Nicht solche, welche stets mit Reimen betteln laufen
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und große Lügnerei um kleines Geld verkaufen;
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daher wir redlichs Volk so kommen in Verdacht
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und oftmals mehr als arg auch werden ausgemacht,
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wenn sie den schandbarn Lohn in Völlerei verschwenden
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und also unser Reich und ganzen Orden schänden.
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Nein! schont der edlen Kunst und sparet euer Gold,
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ihr, die ihr Kluge sein, wie Reiche heißen wolt!
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Die sinds nicht, die man sucht. Was können doch die Sinnen,
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die satt an Hunger sein, an Durste voll, beginnen?
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Was soll ein Kopf doch tun, der stets von Biere treuft
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und seinen dürren Sinn im Weinfaß hat ersäuft
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und ganz und gar verschwemmt? Was Tote soll erwecken,
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muß selbst auch lebend sein, nach Seel' und Himmel schmecken.
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Hier nützt kein Päon nicht, kein weiser Podalir;
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auch Trismegistus selbst ist ohne Kräfte hier.
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Der Tod, der geht gleich durch mit seinem Regimente;
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der Doctor, der wird selbst sein eigner Patiente.
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Für Alles kan ein Arzt; das Eine fehlt ihm nur,
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daß er für seinen Tod weiß selbsten keine Cur.
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Apollo lehret uns aus den gesunden Saiten
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die rechte Panacee für Sterben zu bereiten.
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Diß, mein' ich, ist der Stein, den ihr so ofte preist,
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ihr Sophen, und der Welt doch gar zu selten weist.

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Wo wär' Ulyssens Witz, Äneas kluge Stärke,
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wo du selbst, Jupiter, und deine große Werke,
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die Rom rühmt und Athen? Ich wolte sagen fast,
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daß du den Himmel blos nur uns zu danken hast
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und deinen Obersitz. Durch uns scheint Titan heller,
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steht fester Erd' und See und läuft der Himmel schneller.
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Wir halten die Natur, den strengen Zeitstrom, auf
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und wenden mit der Hand der Elementen Lauf.
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Sonst Allem liegt an uns. Hat Iemand uns zu Freunden,
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so lebt, so stirbt er wol, so siegt er seinen Feinden
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noch zweimal dapfrer an. Wir machen Große klein
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und schwache Fäuste stark, nachdem es uns kommt ein
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und man es mit uns macht; wir stoßen zu der Höllen
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und heben Himmel an; wir bauen und wir fällen
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uns nichts nicht um und an. Wo ist Semiramis,
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ihr Bauwerk, Fleiß und Kunst? Wo dein Coloß, Rhodis?
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Rom, Nilus, eure Pracht? Wo sind sie nun itzunder,
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die Trutze der Natur, die weltgepreiste Wunder?
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Stünd' ihr Gedächtnüß nicht auf unsern Blättern dort,
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so wär' es längst schon auch mit ihren Werken fort.
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Nichts steht, was fallen kan. Was Erde Mutter heißet
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und Zeit zum Vater hat, das fleucht, verschleißt und reißet.
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Gold reizt den Dieb und Feind, Stahl rostet und wird alt,
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Stein frißt das Wetter aus, Holz brennt und faulet bald.
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Was so kommt, geht so fort. Tus einer nur und traue
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des Marmels Ewigkeit! Er gehe hin und haue
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sein Tun und was soll stehn in festes Eisen ein
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und schaue, wo es denn nach kurzer Frist wird sein!
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Sonst Alles folgt der Zeit. Nur unsre schönen Bücher
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sind für dem Untergang' am allerbesten sicher
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und trutzen ieden Tod. Verbrenn, ersäuf, zerreiß,
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vertilg sie, wie du wilt! Wenn eines nur sich weiß
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zu bergen, so ist nichts, wenn ander' alle fielen
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durch Wasser, Schwert und Glut. Laß ab den Mut zu külen!
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Der Feind ist klein und schwach. Wir schreiben auf Papier:
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was uns die Schwäche nimmt, ersetzt die Menge hier.
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Es ist ein Ilium, ein Troja nur gewesen,
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das itzt viel tausentfach wird überall gelesen.
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Ein Welschland hat allein nur ein Rom auferbaut,
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das nun die ganze Welt in unsern Schriften schaut
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in ferner Gegenwart. Erfreut euch eurer Ehren,
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ihr edlen Clarien, und helft sie weiter mehren!
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Wer Schreibenwürdigs tut, der hält die Schriften wert.
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Zwei Dinge sind gleich groß: die Feder und das Schwert,
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der Harnisch und das Buch. Eins muß das ander' schützen,
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und dieses, das muß dem für seinem Schaden nützen.
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Wer Herrschaft und Verstand schlecht von einander reißt,
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der nimt der Uhr ihr Pfund, dem Leibe seinen Geist.
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Du, o Versehung, zierst die höchsten Monarchien
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mit höchsten Künsten auch, durch die sie ewig blühen!
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Wer fragte vor zu Rom, was unser Deutschland sei,
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und was gilt itzt Athen, die raue Barbarei?
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Solt' Alexander ruhn und schlafen mit Vergnügen,
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so musten Buch und Dolch zu seinen Häupten liegen.
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Ich lobe Cäsars Faust, die, was sie Trefflichs tat,
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auf ihr gut link und recht selbst wol beschrieben hat.
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Der weise Schöpfer hat die zweie so verbunden,
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alsbald er die Natur und diese Welt erfunden.
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Was man da, dort und hier in Lüft- und Klüften schaut,
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das ist nicht minder klug als stark genung erbaut.
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Kunst ist der Menschen Schutz und selbst der Götter Stärke.
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Schau unsre Pallas an, geharnschter Mars, und merke,
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wie wol ein Kopf voll Witz und Leib mit Rüstung steht,
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wie schön ein Kaiser doch in unsern Lorbeern geht!
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Kunst ist die Tugend selbst, die Iederman zwar nennet,
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fast Niemand hat und kan. Ein Unberittner rennet,
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stürzt, stirbt, fällt, wie er fällt; Der Vorteil' weiß und kan,
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der sitzet fester ein und hält den Zügel an.
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Ein wolversetzter Stein scheint in dem Golde größer.
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Das kostbarliche Glas, der Demant spielet besser
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aus einer weißen Hand. Ie schöner ist das Haus,
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ie heller sieht der Wirt, der klar selbst ist, heraus.
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Glanz dunkelt keinen Schein. So laßt denn die Zirkassen,
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die Flecken der Natur, Kunst, Lob und Schriften hassen,
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laß Türk- und Tartern stark an ihrer Schwäche sein,
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die unter ihrer Last und Bürde selbst sinkt ein!
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Wir haben bessern Witz: sind den berühmten Griechen
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und großen Latiern mit Glücke nachgeschlichen
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in ihre Heimlichkeit, den Handgriff abgemerkt,
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der ihr Gedächtnüß stets bis hieher hat gestärkt
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und künftig stärken wird. Sie liegen nun gefangen,
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mit langer Nacht verstrickt, sind weg zu Vielen gangen,
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wo unser Ariovist, Tuiscon, Arimin
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und tausent Andere vorlängst gezogen hin
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und tausent Andre noch, die ja so edel waren,
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die mit dem Namen nun auch sind dahin gefahren
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und minder sind als nichts. Die Helden unsrer Zeit,
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die können nicht vergehn. Man liest nun weit und breit
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Pelasger, Romuler und Deutsche deutsch beisammen
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in gleicher Trefflichkeit, die nichts nicht als die Flammen
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der letzten Weltbrunst zwingt. Wer dennoch bleiben will,
176
wenn Alles wird zu Nichts, der wündscht ihm gar zu viel.

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Herr, euer Leben stirbt, nicht aber auch die Gaben,
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die euch in diesen Stand so hoch erhoben haben,
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daß eurer Sorgen sich die werte Christenheit
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in ihrer höchsten Angst und letzten Zügen freut.
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Ich wolte Meldung tun, zu was für großen Dingen
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ihr nur geboren seid, durch List und Neid zu dringen,
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der Zeit zu siegen an durch Urteil und Verstand,
184
hielt euer' Gegenwart mir hier nicht Mund und Hand.
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Wer hat von Jugend an so viel und weit gereiset,
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so Könige gelehrt, so Fürsten unterweiset,
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so einen Weg gebähnt, auf dem Nord, Süd und Ost
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in unsern Westen nun wie eilen auf der Post?
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Ich kan es leugnen nicht, ich bin auch ja so Einer,
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der Griech' und Rom versteht und nun sein Deutsches reiner
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und höher redt und schreibt, seit unser Kallimach,
192
der Schlesische Virgil, uns hat gemachet wach.
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Wie unwert ich wol hier in manchen Augen scheine,
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so bin ich gleichwol oft auf Pindus hohem Haine
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gesessen oben an, wenn Smyrna mir stund auf
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und Sulmo ihren Kranz auf Hochdeutsch bote drauf.
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So bin ich noch beglaubt, so können was zu schreiben,
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das für die späte Welt zur Nachricht soll verbleiben,
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will emsig sein bemüht zu rühmen einen Held,
200
der so ein großes Werk durch euren Fleiß bestelt.
201
Ein Andrer mag den Krieg der Deutschen lang' erzählen,
202
ich mag mein Vaterland nicht auf das Neue quälen
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mit wiederholter Angst. Mein Buch wird lieber sein,
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so weit viel schöner ist der güldne Friedenschein
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als Mord und roter Streit. Nicht der nur, der sein Leben
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für seine Freunde stürzt, ist rühmlich zu erheben.
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Wer tot ist, nützt nicht mehr. Auch der, der ist ein Man,
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der Vaterland und sich zugleich erhalten kan,
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der Taten tut durch Rat. Indes, daß jener kämpfet
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mit ritterlicher Faust, so wachet er und dämpfet
211
den Feind mit weiter Kraft, macht erst den Landsman frei,
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weiß nachmals, wie sein Stand inkünftig sichrer sei.
213
Im Fall' mir denn mein Tun sonst nichts erweckt als Grollen,
214
wolan! mir ists genug, gefallen haben wollen.
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Was kan der Man dafür, der sich zum Opfer stellt
216
und doch den Göttern nicht, wie from er ist, gefällt.
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Ich sage, was ich mein', ich rede, was ich denke,
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und leiste, was ich kan, behalte, was ich schenke,
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ein mündlichs Herze stets. Wer hier sucht Kunst und Zier
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und Schein und Außenwerk, für diesem seht euch für!
221
Mein Sin steht an der Stirn, ich habe nichts gelernet,
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das wol von Weitem steht und nur alleine fernet.
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Mein Weg ist schlecht und recht und gleich geradezu.
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Wem Einfalt nicht gefällt, dem mißfällt, was ich tu'
225
und nicht tu'. Man kennt stracks (und hätten sies verschworen)
226
die Elster durchs Geschrei, den Esel an den Ohren.
227
Die Jungfern schminken sich, die arm an Schönheit sein.
228
Ie besser ist der Kranz, ie ärger ist der Wein.
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Ich weiß, wie hoch ich euch zum Schuldner bin versessen;
230
geborgt ist nicht geschenkt, verschoben nicht vergessen.
231
Itzt fängt der Winter an um Felder, Wald und See
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gleich nun das sechste Mal zu werfen Reif und Schnee,
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seit ihr gewürdigt mich, daß ich mich euer freuen
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und künftig rühmen kan. Soll anders mich nicht reuen
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der teuren Zeit Verlust, so laßt mir ferner frei
236
zu sagen, wie ihr tut, daß ich der eure sei!
237
Es ist zwar schlecht genung mit Briefen zalen wollen,
238
für hartes Gold Papier und solche Sachen zollen,
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die schwer an Leichte sein, doch wer die Ehre liebt,
240
der gibt ihr, was sie darf, und darf auch, was sie giebt.
241
Beschenkt sein wolt ihr nicht, könt' ich gleich so was geben.
242
So Leute, wie ihr seid, die kommen in diß Leben
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zu geben viel und oft. Daß wir stets nehmen nur
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und niemals geben was, das kömmt uns von Natur.

245
Itzt wolln wir alles das, was uns bedünkt zu kränken,
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versenken in den Wein und drinnen ganz ertränken.
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Mit der Bedingung sei's! Was Strafe, der es bricht?
248
Der soll nicht redlich sein, wer anders denkt als spricht.
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Löst diesen Tag mit Lust, doch eben nicht auf heute!
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Laßt erst den Wolgenstrom und Herbst stehn an der Seite!
251
Wo anders Ehr' und Glück auch kommen soll und kan,
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so laßt Vertraulichkeit recht oben sitzen an!
253
Der wilde Thracier, der zanket sich bei Weine,
254
der Lust an Unlust hat. Sich rächen steht gemeine,
255
verzeihen königlich. Ein wolgeartet Blut
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führt schnelle Regungen in seinem edlen Mut,
257
wird bald erhitzt und kalt. Zwar Zorn steht niemand besser
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als großen Leuten an, doch macht sie Sanftmut größer.
259
So blitzt und donnert Zeus nicht durch das ganze Jahr,
260
reizt ihn gleich täglich auf der Menschen schnöde Schar.
261
Er weiß ein freies Volk, will freie Zungen haben,
262
das Ernst zwar frömmer macht, doch treuer stete Gaben.
263
Wer wol zu herrschen weiß, drückt oft ein Auge zu
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und spricht zum Ohre viel: Tu nicht, als hörtest du!
265
Schließt Mund und Herzen auf, laßt Ehre von euch hören,
266
ihr Brüder, sollen euch auch anders Ander' ehren!
267
Ihr seid's, was ihr euch macht. Wer mir auf Schande stellt,
268
der wisse, daß er selbst in eigne Stricke fällt.
269
Ich sei denn, wer ich sei, und könne, was ich wolle,
270
so weiß mein Phöbus doch, wie er sich halten solle
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zur Unzeit und zur Zeit. Wer ihn betrübt und irrt,
272
der ist nicht wert, daß er von ihm gescholten wird.
273
Ich will mit Gütigtun die Bösen überwinden,
274
des Neides strengen Arm mit sanftem Glimpfe binden;
275
wer weiß, ob denn nicht der, der mich itzt schilt und plagt,
276
hernachmals wiederum das Beste von mir sagt?
277
Die Tage nähern sich, da euch die ernsten Sachen,
278
die ihr für Fürsten tut und wenig lassen lachen,
279
das Liebste von der Welt und eurer Ehe Frucht
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vermischen wird mit Lust, die langer Jahre Flucht
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nicht mit sich reißen soll. Ihr möget langsam grauen,
282
mögt nicht die Blüte nur der nutzbarn Räte schauen,
283
auch kosten ihre Frucht! Die Ernte bricht herein;
284
wer Korn hat ausgesät, der samle Mandeln ein!
285
Wenn Gott den strengen Ernst auf Deutschland, zu verheeren,
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in Reu' und neue Gunst hinwieder wird verkehren,
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und ihr uns wol bringt heim, daß unser Land und Stadt
288
an unser Wiederkunft Trost, Heil und Freude hat,
289
und dann ein Iederman die weltberufnen Reisen
290
für edel und berühmt an uns gesamt wird preisen,
291
so soll euch erst an mir recht werden kund getan,
292
ob ein Poet denn nichts als blos nur lügen kan.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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