51. An Herrn Hansen Arpenbeken, vertrauten Bruders, auf dessen seiner Liebsten ihren Namenstag in Gilan begangen

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Paul Fleming: 51. An Herrn Hansen Arpenbeken, vertrauten Bruders, auf dessen seiner Liebsten ihren Namenstag in Gilan begangen (1624)

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Hilft Gott dir dieses Jahr, mein Bruder, überleben,
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so wirstu zweifelsfrei in größrer Freude schweben,
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wenn du auf diesen Tag dein Schönstes von der Welt
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mit dir selbst binden wirst um dein und ihren Belt.
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Denn wirstu alles Leid der langen dreien Jahre,
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die Persien uns verzehrt und Manchem graue Haare
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bei frischer Jugend macht, auf einmal werden los,
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wenn du gebunden liegst in deiner Liebsten Schoß
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und in der deinen sie. Wie frölich wird sichs denken
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an das, warum wir uns anitzt noch furchtsam kränken!
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Wie sicher wirstu denn erzälen von Gefahr;
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es wird dir Zucker sein, was vormals Galle war.
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Ich zweifle sehr daran, daß ich dann werde leben
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und dir auch meinen Wundsch mit andern Freunden geben,
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weil dieser schwere Zug mich täglich mürber macht
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und meinen stärksten Teil schon längst hat umgebracht.
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Tut uns die Reise nach und sagts uns dann, ihr Brüder,
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wie stark ihr zoget aus, wie schwach ihr kommet wieder!
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Wer reich und stark und alt zu werden ihm erkiest,
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der lasse Reisen sein und bleibe, wo er ist!
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Zu dem erschrecken mich die oft besorgten Posten,
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was sich mein Vaterland anitzt noch lasse kosten,
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um nur verderbt zu sein; es freue sich der Pein
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und wolle noch nicht tot in seinem Tode sein
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So große Lust ich vor mich hatte weg zu machen,
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um des Gradiven Zorn von fernen zu verlachen:
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Zeit, Eltern, Vaterland, Studiren, Ehr' und Gut,
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das schlug ich Alles aus für diese Handvoll Blut,
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die mir doch hier verdirbt; ich dachte: Laß es fahren,
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gib alles hin für dich! Kanst du dich nur ersparen,
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so hastu satt an dir. Beschau indeß die Welt
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und denke, daß man viel von Vielgereisten hält!
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inzwischen wird es gut –, so groß und größer Grauen
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befällt mich itzund nun, da ich soll näher schauen
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mein durch fünf ganze Jahr' entschlagnes Meißner-Land,
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das von der Kriegesglut zu Pulver wird verbrant.
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Ach, hast du noch nicht satt vom Schaden deiner Feinde?
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Was, Landsman, schlägst du dich denn nun mit deinem Freunde?
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Verzeih mirs, hastu Recht! Ich aber kan mehr nicht
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als um dich sein betrübt von wegen meiner Pflicht.
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Die Angst hat mir vorlängst mein Erbteil aufgerieben,
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die Mutter umgebracht; nun muß ich mich betrüben,
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in was vor Stande wol der alte Vater sei,
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den dieser mein Verlust mehr als sonst Alles reu'.
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Ich war sein Einziger, an den er alles wandte,
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bis daß Apollo mich für seinen Freund erkante
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und nach zwei Kränzen mir den dritten flochte schon;
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nun aber ist mit mir ihm aller Trost darvon.
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So muß ich über das auch dieses mich befahren,
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daß die bei jener Zeit die besten Freunde waren
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mich, weil ich nun so lang' und weit von ihnen bin,
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längst der Vergessenheit geopfert haben hin.
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Indem ich denn auch hier in so viel Toden lebe
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und zwischen Furcht und Lust in Trost' und Zweifel schwebe,
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daher ich werde denn zum Grabe reif gemacht,
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doch gleichwol noch auf mich und Freunde bin bedacht:
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daß, wenn ich meine Schuld dem Schöpfer hab' entrichtet,
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und diß, was faulen kan, der Leib, längst ist vernichtet,
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ich dennoch könne frisch und unverweset sein
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durch etwas, das mich schreibt den Ewigkeiten ein, –
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so lasse Bruder denn zu mein und deinen Ehren
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um deinen Hochzeittisch diß kurze Liedlein hören
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und wisse, daß mein Geist, der um die Schatten irrt,
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auch in dem Dunkeln sich hierüber freuen wird!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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