38. Noch ein anders über eben denselben Tag

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Paul Fleming: 38. Noch ein anders über eben denselben Tag (1624)

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Wer uns diß vor gesagt und auf die höchste Wette,
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die nimmer mag geschehn, mit uns gestritten hätte,
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daß uns die liebe Stadt, ich meine,
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bis auf den schönen Tag solt' halten noch in sich
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da man euch, Edle, pflegt mit Wündschen anzubinden,
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wir hättens drauf gewagt. Wir sind noch hier zu finden,
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gedenken fast nicht weg, begehren nur allein,
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daß um euch, schönes Volk, wir lange mögen sein.
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Zu Jahre war es nichts, als wir euch halb kaum kauten.
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Und gleichwol auf Begehr des edlen Abgesandten,
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den ihr für Oheimb ehrt, so bunden wir euch an,
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der denn sein Lösegeld hat redlich gut getan.
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Der angenehme Tag ward ganz in Lust verschlissen
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bei gutem Trank' und Kost. Itzt, ob wir gleich sehn müssen,
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daß euch das liebe Dorf für unsre Stadt gefällt
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und daß euch
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iedennoch wollen wir nicht unterbleiben lassen,
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euch in dem Absein auch zu binden gleicher Maaßen,
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als wie vorhin beschehn. Und daß ihr ja nicht klagt,
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man hab' euch euren Tag nicht redlich angesagt,
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so seht: wir kommen selbst mit unserm Angebinde
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durch Weile und Verdreuß, durch Regen und durch Winde.
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Gebt her die zarte Hand! Sie muß gefangen sein.
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Nach diesem wollen wir auch führen einen Reihn
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um euch, ihr schönes Kind, und unter solchem Tanze
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euch wündschen, daß der Tag mit seinem Glück' und Glanze
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euch vielmal so erfreu'. Es kan nicht müglich sein,
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daß nicht die Götter selbst den Willen gäben drein.
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Sie sind euch alle gut. Wolan! so laßt denn schauen,
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wie frölich ihr könnt sein und euer' zwei Jungfrauen!
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Vertauschet Gunst mit Lust! Viel Lösens darf es nicht,
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nur daß uns heute nichts an süßer Zier gebricht.
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Laßt den Tag euer sein und denket hierbeineben,
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was man ihm anderweit itzt wird für Ehre geben,
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wie man ihn wird begehn! Werd't ihr sein Recht ihm tun,
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so sollt ihr allemal ihn sehen gleich wie nun.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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