35. Auf des ehrnvesten und manhaften Herrn Heinrich Schwarzen, fürstl. holstein. Großgesandten bestalten Hofemeistern seinen Namenstag

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Paul Fleming: 35. Auf des ehrnvesten und manhaften Herrn Heinrich Schwarzen, fürstl. holstein. Großgesandten bestalten Hofemeistern seinen Namenstag (1624)

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Der Sonnen güldnes Rad begunte vor zu steigen
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und seinen Lebensglanz der muntern Welt zu zeigen,
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zu der Zeit, wenn das Dorf zu Felde pflegt zu gehn
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und die erwachte Stadt allmählich aufzustehn.
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Das rege Federvolk, das sang mit süßen Stimmen
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den jungen Tag laut an, der Fisch, der ging zu schwimmen
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aus seinen Ufern vor, der Frosch, der Wäscher, rief,
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es war schon alles auf; nur ich lag noch und schlief.
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Der angenehme Ton der trillenden Fonteinen
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und der gesunde Klang, der in den kühlen Hainen
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sich von den Westen regt, und ander süßes Tun,
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das hielte meinen Sinn und hieß mich länger ruhn.
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Cupido wards gewar und sprach in seinen Sinnen:
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Soll mir der Schläfer denn so frei ausgehen können?
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Das muß fürwar nicht sein. Besann sich hin und her,
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erfunde diß und das, bis endlich ohngefähr
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aus seiner schwarzen Burg ihm Morpheus kam entgegen.
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Komm, sprach er, Traumgott, komm! ich will des Rates pflegen,
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den du mir geben kanst. Den, sprach er, als er mich
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sah liegen, halte mir, so lange bis ich dich
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ihn heiße lassen gehn! Er nahm den Kranz vom Mohne
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und setzte mir ihn auf, legt eine blühnde Bohne
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auf meinen stillen Mund und stieß mich dreimal an
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mit dem, das alles sonst zum Schlafe zwingen kan,
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ich meine seinen Stab. Cupido stund indessen
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und brachte mir diß vor, was ich nun meist vergessen,
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den hochbetrübten Traum. Die Zeit war kommen an,
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und war doch keinem nicht zuvor sie kund getan,
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daß wir, o
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Es ging so schnelle zu. Wir solt- und musten scheiden.
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Und was das härtste war, so hatte Keiner nicht
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von uns so viel der Zeit, daß er das Augenlicht
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der Liebsten könte vor, wie sichs gebührt, gesegnen.
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Es war ein trüber Tag, begunte stark zu regnen;
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doch hielt' uns nichts nicht auf. Wir solt- und musten fort.
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Wir zogen aus und ab, und keiner sprach ein Wort
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für Angst dem andern zu. Zudem nun Pferd' und Wagen
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mit starkem Ungestüm' hart auf einander jagen,
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so wach' ich Müder auf und werde bald gewar,
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daß es nur sei ein Traum, der mich in die Gefahr,
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in solches Leid gesetzt; hub drauf als neugeboren
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zu leben wieder an. Und weil wir uns erkoren
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vorlängsten hatten schon, den Freund zu binden an,
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der sonst die Jungfern auch noch wol vertragen kan,
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und sie ihn wiederum, so wolte sichs gebühren,
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daß wir ihm diesen Traum zu Sinnen solten führen.
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Nun wirst du sein bedacht, daß nicht die gute Zeit,
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die wir noch leben hier, in bloßer Einsamkeit
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so werde hingebracht! Und daß wir nicht erleben,
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daß wir der Jungferzunft nicht gute Weile geben
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und dankbar sollen sein, so tu' auf heute diß
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und bitt' uns diese her, so kommen sonst gewiß.
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Wir wollen uns anitzt, dieweil wir können, letzen
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und, weils uns ist vergünt, mit ihrer Gunst ergetzen.
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Wer weiß, obs manchen noch mag werden einst so gut,
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daß er für Seiner kan erheben seinen Hut,
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im Fall' er eilen muß? Tut, was Cupido heißet!
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Nimm dieser Zeit recht war, eh' sie sich dir entreißet,
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und sieh den lieben Tag so manches gutes Mal,
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bis daß man einsten fängt im Feuer einen Al!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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