4. Lob eines Soldaten zu Fuße

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Paul Fleming: 4. Lob eines Soldaten zu Fuße (1624)

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Ich bin ein Man ins Feld: mein kühner Mut ist groß,
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ist größer als ich selbst. Ich fürchte keinen Stoß,
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ich scheue keinen Schuß. Die Liebe so zu leben
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hat mir in meinen Sinn von Jugend an gegeben,
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daß ich mich was versuch'. Es wird nicht Iederman
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zum Kriege auserkorn. Wer Pulver riechen kan,
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auf Balg und Stoß besteht, nicht die Kartaunen scheuet,
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der ist ein Man wie ich. Ist Einer, der sich freuet,
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wenn itzt der laute Lärm mit vollen Spielen geht
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und uns der kühne Feind im blanken Felde steht,
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so bin auch warlich ichs. Wir treuen Kameraden
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stehn als für einen Man. Die schießen, jene laden,
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wir wechseln emsig um. Wir schrein einander zu,
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daß keiner etwan nicht, was ihm verfänglich, tu'.
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Wir fechten brüderlich. Der Feind wird abgehalten,
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daß er, wie stark er kömmt, die Ordnung nicht kan spalten.
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Wir weichen keinen Schritt. Gleich wie ein Ieder steht,
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da fällt, da stirbt er auch. Was ist uns mehr zurücke
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um alles unser Tun, am Glück und Ungelücke,
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als wenn man stirbet wol? Wol aber sterben heißt,
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wenn man mit Lust, ohn' Schmerz und bald sein Blut vergeust,
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gleich wie es hier geschicht. Die ritterlichen Wunden
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empfängt man ins Gesicht'. An mir wird keine funden,
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die auf dem Rücken sei. Das Stürmen und die Schlacht,
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die gestern noch geschah, sind unser' Zier und Pracht;
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die Tugend sieht so aus. Wenn dann nach vielen Streichen,
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nach langer Fechtenszeit die müden Feinde weichen,
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da sind wir Herren erst, da wächset uns der Mut,
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der zwar nie kleine war. Da kriegt man Geld und Gut
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mehr als man haben will. Wir machen frische Beute.
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Das Vaterland wird froh. Wir retten Land und Leute
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und machen sie auch arm, nach dem das Glücke fällt.
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Die Herren sind uns gleich: wir stehen feil um Geld.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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