2. Auf Herrn Johann Casimr, Herzoge zu Sachsen, Namenstag

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Paul Fleming: 2. Auf Herrn Johann Casimr, Herzoge zu Sachsen, Namenstag (1624)

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Es ist noch unverspielt! Trau, Sachse, nur auf Den,
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der dich vom Ursprung' an zu seinem Volk' ersehn!
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Wer weiß von Sachsen nicht? wie ihre dapfer' Ahnen
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den Ländern stunden vor, wie mancher Feinde Fahnen
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sie brachten unter sich, wie der für Volk und Land
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so kühne sich gewagt, nach dem sie sind genant
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und heißen Herzoge: ja auch, von dem sie Christen
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aus Heiden worden sind. Wie, wenn denn ietzt auch müsten
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dem Sachsen geben nach, die lang' auf ihn gezielt?
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Trau, Sachse, nur auf Gott; es ist noch unverspielt!
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Hat uns des Himmels Macht für zweimal fünfzig Jahren,
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als gegen alle Welt nur ein Man wir doch waren,
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so wunderlich geschützt, solts ietzt denn nicht geschehn,
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nun so viel Land' und Leut' auf unsern Glauben sehn?
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Wir stehen noch bei dem, was Kaiser
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was König
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nicht kunten stoßen umb, wir stimmen einig ein
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und sagen, daß wir noch gut evangelisch sein
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und wollens bleiben auch. Des Sachsen Schwert und Raute
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nahm sich des Wortes an, das Gott ihm anvertraute
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durch
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daß sie sich erst bemüht umb Gottes Eigentumb.
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Ihr dieses Stammes Zweig, der noch als in der Jugend
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bei hohem Alter grünt, voll Saft der frischen Tugend
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und reinen Redligkeit, Herr
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an Würden und Vernunft der Himmel machet reich!
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Wie euer
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das ist hoch über uns, wo Phöbus täglich reiset,
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und höher noch bekant. Der Sternen Pöfel singt,
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wie ihr von Kindheit an bis noch nach Lobe ringt,
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wie ihr so wol regiert. Diß sind die rechten Erben,
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die mit dem Leibe nicht den Namen lassen sterben.
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des Fürsten auch die Gruft hernach zu rühmen weiß.
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Ihr eures Stammes Zier, ihr Tropfen des Geblütes,
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das erst recht fürstlich wird durch Hochheit des Gemütes,
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regt euren Sachsen-Mut, und ratet tröstlich zue,
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wie man der teutschen Welt doch wieder schaffe Ruhe!
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Der Schläfe frischen Reif, den Schnee der greisen Wangen,
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der sich umb euer Haupt, o Vater, hat gehangen
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durch vieler Jahre Frost, durch schaler Sorgen Wind,
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uns eurer teutschen Treu ein wahres Zeichen sind.
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Das Wetter stehet iezt gleich über unserm Lande;
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der Blitz, der schimmert schon. Ach, wehret diesem Brande,
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eh' er nimmt überhand! Ach, wehret, werter Held,
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eh' uns die wilde Gluht in unsre Grenzen fält,
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das leider schon geschehn! Kern aller weisen Prinzen,
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macht euch noch mehr belobt bei aller Welt Provinzen
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durch des Verstandes Flug! Geliebter der Natur,
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führt unser teutsches Reich zur rechten Friedens-Spur!
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O wolte, wolte Gott, daß man einst könte sagen:
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Gott Lob, wir haben iezt nicht über Krieg zu klagen!
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Doch Hoffen ist umbsonst, so lange Krieg und Streit
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verlegt den schönen Paß zu Fried' und Einigkeit.
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Helft ihr, daß Lehr', und Fried', ihr Ältesten zu Sachsen,
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von Sachsen vorgepflanzt, bei Sachsen möge wachsen!
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Diß ist mein Anbinds Wundsch, den euch mein Phöbus schenkt
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anstatt Kleinodien. Ach frommer Herr, bedenkt,
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was uns zum Wolstand hilft! Alsdann wird sichs wol finden,
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wie ihr mit schönerm Wundsch und Gaben seid zu binden.
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S. fürstl. Gnaden
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untertänigster

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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