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Kom, schöner Tag, und du, o süßer Schein,
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wie lange wilst du denn noch außen sein?
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Kom, brich doch an! Die Laute liegt schon fertig,
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die Saiten stehn. Bist du nur gegenwärtig,
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so soll ein Lied dir werden ausgeführt,
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das dich erhebt und deinen Herren ziert.
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Ach, daß du itzt, daß du noch heute kämest
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und mir diß Leid, diß müde Warten nähmest!
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Kom, schöner Tag, und du, o süßer Schein,
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wie lange wilst du denn noch außen sein?
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Herr, wer er auch wird sein, der etwas auf wird schreiben,
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das bis zum Ende hin der grauen Zeit kan bleiben,
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das seinen Tod verlacht, der wird auch zeigen an,
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was diß sei für ein Werk, das itzo wird getan,
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und wie, und wer es tut. Er wird voraus vermelden
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den unverzagten Mut, das Glücke zweier Helden,
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die alle Furcht und Neid geschlagen unter sich,
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vor keiner Müh' erblaßt, bis daß sie ritterlich
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den teuren Dank verdient. Er wird den Lauf der Sachen
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durch sein berühmbtes Buch gleich als wie schöner machen,
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und was der alte Brauch noch heute löblich rühmbt,
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auch nicht zu schelten ist. Der Brunnquell aller Tage,
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der Gott, den Delos ehrt, tritt auf der Sternenwage
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mit seiner Pracht herfür, sagt von der hohen Bahn
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den Namen, den ihr führt, der runden Erden an.
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Drumb kommen wir auch ietzt. Dem Himmel will gedanket,
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euch Glück gewündschet sein. Euch hat noch nie gewanket
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die Göttin, die ein Rad und leichte Flügel führt,
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weil Vorsicht und Verstand in eurem Tun regiert.
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macht seine Cimbren froh, erbauet neue Städte,
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vermehrt sein reiches Land, läßt einer andern Welt
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durch euch sein Herze sehn, hat alles heimgestellt
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in euer weises Tun. So hoher Häupter Häuser
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verbinden sich durch euch; der Reußen große Kaiser,
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der heißt euch seinen Freund. Der edle Saphian
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wird bald erfahren auch, was eure Treue kan,
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die seinen Nutzen sucht und unser Land vermehret.
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Ihr seid der Länder Heil, macht, daß der Morgen kehret
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in unsern Abend ein, daß sich die Mitternacht
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mit beiden wie vermählt und eine Freundschaft macht,
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die mit der Welt gleich lebt. Ihr öffnet uns die Länder,
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die noch verschlossen sind, zieht der Verbündnüß Bänder
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umb ferne Gränzen her, setzt sichern Glauben ein
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und lehrt ein frembdes Volk, wie es uns treu muß sein.
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Der Preis ist euer Lohn. So nehme nun die Gaben,
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die wir vor euer Heil den Sternen vorbracht haben,
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der Höchste gnädig an! Er sei euch förder gut
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und segne, was ihr treibt, als wie er täglich tut!
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So binden wir euch an, die ihr euch habt verbunden
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mit Woltun längst vorhin. Seht diese süßen Stunden
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noch tausentmal wie ietzt! Ein Wundsch ist unser Band,
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das nicht wird aufgelöst, als durch der Günste Hand.
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Du aber, altes Jahr, verjüngre deine Glieder,
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zeuch deinen Zierrat an, nim neue Kräfte wieder,
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sei deiner Jugend gleich! November werde Mai,
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mach, daß für weißen Schnee es weiße Lilgen schnei',
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heiß da sein Lust für Frost! Ihr armen Etesinnen
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haucht unsern Winter an, und ihr, ihr Najadinnen,
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sprengt laulicht Wasser aus, daß aller Blumen Zier
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aus der verlebten Welt vom Neuen komm' herfür!