2. Früelings-Hochzeitgedichte

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Paul Fleming: 2. Früelings-Hochzeitgedichte (1624)

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Der Winter ist fürbei, der Feind der bunten Auen
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und aller Blumen Tod; was Juno kan beschauen
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auf diesem breiten Rund', ist alles Jammers frei,
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der von der Kälte war. Der Winter ist fürbei.
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Der angenehme Lenz ist itzt schon angekommen,
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hat jenem alle Macht und Leidsein abgenommen

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und gar von uns verweist. Der liebe Freund der Lust
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hat von der Erden Not und Übel wol gewust,
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drumb bricht er so herein. Die beste Zeit der Zeiten,
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des Jahres Mark und Saft, die Gunst der Fruchtbarkeiten,
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das Wohnhaus aller Pracht, das nichts als Lustigsein,
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hat sich nun widerumb bei uns gestellet ein
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und machet alles froh. Seht, wie so grüne werden
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die Glieder überall der breitgebrüsten Erden,
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Feld, Wiesen, Berge, Tal! Ietzt regt sich die Natur,
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sie bildet ihre Zier, wo man hin siehet nur.
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Wie prangt sie mit der Saat, wenn mit gesunden Reifen
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die fromme Cynthia bei Nachte sie muß täufen,
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darvon das Gras und Korn früh' aller trunken sind
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und taumeln hin und her, wenn sie ein Westenwind
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mit sanftem Odem schwenkt! Wenn es beginnt zu tagen,
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und furchtsam tritt herfür der Rötin bunter Wagen
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und zeigt ihr braunes Liecht der aufgeweckten Welt,
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da geht die Wollust an, die mir und dir gefällt.
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Das leichte Federvieh verläßt die warmen Nester,
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begibt sich ihrer Burg, der halbbegrünten Äster,
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spaziert durch freie Luft, singt Schaf' und Schäfer an:
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denn auch diß gute Volk nicht lange schlafen kan,
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geht für der Sonnen aus. Die Taue sinken nieder,
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beperlen Laub und Gras. Der Philli laute Lieder,
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die in dem Pusche grast, die wecken Echo auf,
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daß manchen hellen Schrei sie durch das Tal tut drauf.
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Die lautere Fontein, entsprungen aus der Erden,
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mit der Kristallen nicht verglichen mögen werden,
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ergeußt das helle Quell und rauschet durch den Grund,
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darinnen mancher Hirsch benetzt den dürren Mund
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und schlürft ihm nüchtern nein. Der Wälder Raub, die Hinden,
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gehn ungescheucht zur Kost. Der Has' ist noch zu finden
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in jenem Stücke Korn', in das er gestern lief,
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und aße sich so voll, daß er auch da entschlief.
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Indessen steigen auf des muntern Phöbus Pferde,
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die nichts als Feuer sein; da wird das Punct der Erde
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von Neuem ganz belebt. Diß ist die liebe Zeit;
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was gött- und menschlich ist, das wird durch sie erfreut.
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Die geilen Satyren, die springen aus den Wäldern
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und lassen sich ersehn auf allen grünen Feldern,
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wo Schäferinnen sind. Pan kömpt zu seiner Schar.
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Empanda nimpt für sich des Ackerbaues wahr.
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Pomona giebet umb den saftgefüllten Bäumen
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den grünen weißen Flor, läßt ihre Gärten räumen.
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Die weichen Najaden stehn auf von ihrer Ruhe
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und gehen schön geputzt auf ihre Bäder zue,
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die marmorsteinern sind. Diana stellt die Netze,
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daß sie den langen Tag mit Hetzen sich ergetze.
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Der ganze Helikon ist schon umb diese Zeit
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umb seine Bücher her und dichtet allbereit
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das, was man rühmen muß. Die schönen Pierinnen,
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die nun durch
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und lieber sein als vor, die sagten mir auch für
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bei früher Tageszeit diß, was ich schreibe hier,
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wie schlecht es immer ist. Die stillen Morgenstunden
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sind den Poeten recht, was Hohes zu erkunden
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und es zu setzen auf. Was lange bleiben soll,
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das will bei früher Zeit bedacht sein oft und wol
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und weil man nüchtern ist. Frau Flora schläft nicht lange,
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nimmt dieser Zeiten wahr, kömpt mit geschwindem Gange
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auf ihre Wiesen zu, beblumet Feld und Wald
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und machet Berg und Tal mit Farben wolgestalt.
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Sie braucht nach ihrer Lust die warmen Sonnenstrahlen,
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darmit sie wunderlich die Tulpen kan vermahlen,
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der Gärten frühe Zier. Sie streicht so artlich an
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den schönen Rittersporn, als wol kein Mahler kan.
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Auf liebe Nägelein, auf gönstige Narcissen,
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auf schönen Hiacynth ist sie schon ietzt beflissen.
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Der Veilgen süße Gunst, der Anemonen Pracht
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macht, daß die kluge Frau oft' in sich selbsten lacht
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und denkt: ist das nicht Lust? Des Himmels Angesichte
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ist blau und wolkenfrei, die Luft ist hell' und lichte.
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Kein Nebel zeucht sich auf, kein Regen und kein Wind
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bei dieser Stetigkeit itzt zu befahren sind.
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O wunderschöne Zeit! Ja freilich ist sie schöne;
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Cupido weiß es wol, zeucht schon an seine Fröne,
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schreibt ihm zu eigen zu die ganze Frühlingszeit,
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läuft, wie er pfleget stets, in seinen alten Streit,
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in den Streit, da er ihm kan untertänig machen,
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was ihm will widrig sein, in den Streit, da er Lachen
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anstatt des Schießens braucht. Der Kugeln darf er nicht.
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Man hat ihm Pfeile zwar und Bogen angedicht't,
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jedoch nur angedicht't. Er selbst ist ein Gedichte
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und blinde Fantasei. Die gläubliche Geschichte
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von diesem Wundergott' ist der Poeten Spiel,
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die minstes gläuben selbst, von dem sie melden viel.
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Doch sei ihm, wie ihm sei! Er mag ein Gott verbleiben,
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ich will das gute Kind nicht aus dem Himmel treiben.
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Lieb' ist ein großes Ding. Diß wil mir nur nicht ein,
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daß er ein kleiner Knab' und blind darzu soll sein:
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ist er ein schwaches Kind, wie, daß er denn kan zwingen
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den stärksten Ritter, Mars, ihn zu der Mutter bringen
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und zusehn, wie Vulcan ein groß Paar Hörner kriegt,
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der doch sein Vater war? Diß heißt ja obgesiegt.
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Und ist der Knabe blind? Er muß mir ja vor zielen,
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im Fall' er wolle denn nur mit den Pfeilen spielen
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und einen Fehlschuß tun. Er spannet in der Welt
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und scheust, daß Jupiter auch selbst vom Himmel fällt.
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Es sei! Ich kan ihn doch nicht groß und schend machen.
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Ein Gott muß er wol sein, weil auch in denen Sachen,
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die unbeseelet sind, er übet seine Kraft.
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Die Steine lieben sich und halten Schwägerschaft,
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der Forst besaamet sich, ein Zweig buhlt mit dem andern.
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Ist Liebe nur ein Feur? Wie, daß in Flüssen wandern
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die Fische Paar und Paar und treiben, was der Mut
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und Lust zu mehren sich im Wasser raten tut?
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Ist Liebe denn ein Frost? Wie kömpt es, daß das Lieben
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auch mitten in dem Schnee von Allem wird getrieben,
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was sich nur lieben kan? Ich finde mich nicht drein,
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es muß ein selzem Ding umb Lieb' und Lieben sein.
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Ist es der Geist der Welt, von dem man viel will sagen,
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und kennt doch niemand ihn? Man nennt es süße Plagen,
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die Sinnenmeisterin, die wollustvolle Not,
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der Freiheit Untergang, den angenehmen Tod,
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und was der Namen mehr die ewigen Poeten
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sehr weislich dichten an den sauersüßen Nöten.
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Was Lieb' ist, weiß ich nicht, und schreibe doch darvon.
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Was hilfts? Unwissenheit ist meiner Einfalt Lohn.
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Diß ist der schöne Zweck, darauf wir alle denken,
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dahin wir Tag und Nacht die leichten Sinnen lenken,
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wenn wir erwachsen sind. Es muß geliebet sein,
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soll dieses Alles nicht in Kürzen gehen ein.
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Der hohe Himmel liebt die tiefe Schoß der Erden,
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mit ihr und mit der See muß Luft vermählet werden,
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die beide schwängert itzt. Diß macht der Liebe Band,
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daß allzeit Tag und Nacht so bleiben im Bestand
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und wechseln friedlich umb. Die Zeiten tauschen abe
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mit höchster Einigkeit. Die Sonne steigt herabe,
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macht, daß sich Alles liebt. Der Widder und der Stier,
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darinnen sie ietzt läuft, die sind verbuhlte Tier',
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als wol ein Ieder weiß. Die Zwillinge, die wollen,
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daß wir umb diese Zeit uns auch umbfangen sollen
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und gehen Paar und Paar. Der silberblasse Mond
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heißt uns dem folgen nach, was sie noch nicht gewohnt,
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weil sie stets Jungfer bleibt. Der lieben Sterne Blinken,
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das lehrt uns, wie auch wir der Liebsten sollen winken.
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In Summa, was in sich Luft, See und Erde hält,
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das heißt uns lieben itzt und mitte sein gesellt.
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Seht, wie der Eppich kan die grünen Arme schlingen
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ringsumb den Rüstbaum her und ihn zu Liebe zwingen!
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Seht, was die Wicke tut, das buhlerische Kraut,
148
wie sie ihr brünstiglich dem Stengel anvertraut
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und hängt sich fest an ihn! Die stummen Wasserschaaren,
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die reißen durch den Strand und tun sich freundlich paaren,
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wie denn das Luftvolk auch, da manche Frau und Man
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sich schnäbeln züchtiglich umb süße Hochzeit an.
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Diß ist die süße Lust, die aus dem Himmel brachte
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den heißen Jupiter, die ihn zum Stiere machte.
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Der hochverliebte Gott ließ seinen Donner stehn,
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im Fall' er muste fort nach andrer Weide gehn.
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Man kennet keinen Gott, der nicht geliebet hätte.
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Diß ist der Nymphen Kunst, sie lieben in die Wette.
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Der geile Schäfergott hält seine Syrinx fest'.
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Eh' wird Neptun ein Pferd, eh' er die Ceres läßt.
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Die kugelrunde Welt muß unbestrahlet liegen,
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wenn Phöbus listig meint die Dafne zu betriegen,
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wiewol vergebens nur. Die Winde reißen los,
164
weil Äolus sich legt in seiner Liebsten Schoß.
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Auch wir sind Göttern gleich durch unsrer Liebe Gaben.
166
Da meint ein Ieder schon ein Himmelreich zu haben,
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der fest und stete liebt, wenn die ihm, die er liebt,
168
ein treues Unterpfand der Gegenliebe giebt.
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Das liebliche Geschlecht, das wir die Jungfern nennen,
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was kan es nicht bei uns? Was kan man sonst wol kennen,
171
das einem Manne mehr die strengen Sinnen bricht
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und macht sie ihme zahm? An diß Volk denkt man nicht
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ohn' innerliche Lust. Ihr Name machet rege,
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was in und an uns ist. Wär' einer noch so träge,
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durch Lieben wird er frisch und krieget einen Mut.
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Cupido ist fürwahr der Faulheit gar nicht gut.
177
Da kan ein Buhler nicht die Schönheit gnung beschreiben,
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die an der Liebsten ist, muß manchen Tag vertreiben
179
mit ihrer Gaben Lob'. Er fängt von oben an
180
und rühmbt der Glieder Pracht, wie sehr er immer kan.
181
Des irdischen Gestirns, der liechten Augen Blicke
182
sein ihre große Kunst, damit sie ihm entzücke
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der matten Sinnen Rest. Der glatten Stirnen Zier
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ist Amors sein Magnet, der ihn stets rückt zu ihr.
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Das Haar, das schöne Haar, sind ihre starke Binden,
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damit sie ihm das Herz' und Geister kan umbwinden.
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Die Wangen sind Beryll, die Lippen ein Rubin,
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die ihn zu ihrer Gunst auch wider Willen ziehn.
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Das Kinn ist Perlen voll, der Hals von Alabaster,
190
die Kehle Chrysolith, der Brust erhabnes Pflaster
191
der reinste Marmorstein, die Arme Helfenbein,
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die Finger pures Gold, und was sonst mehr mag sein.
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Er ist aus sich verzückt, er weiß nicht, was er saget,
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bald ist er gutes Muts, bald hebt er an und klaget,
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er heißt sie in der Angst wol gar die Zauberin,
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die ihm durch scharfen Gift verlähme Kräft' und Sinn'.
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Und es ist ohne nicht: die stärksten Kriegeshelden
198
kan zwingen eine Frau. Die wahren Schriften melden,
199
daß Alexandern nie entherzet eine Schlacht,
200
noch hat ihn doch ein Weib zu einer Frau gemacht:
201
Persepolis, die hat durch Thais brennen können.
202
Der Liebe zogen nach auch die Amazoninnen,
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wie frei sie waren sonst. Achilles war nicht stark,
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wenn seine Briseis ihm nahm aller Kräfte Mark.
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Der Paris wurde blind durch Zierat einer Frauen,
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er muste mehr auf Schön' als auf die Tugend schauen.
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Ja auch die Götter selbst, wie mehrmals ist gesagt,
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hat öfter Weiberlust aus ihrer Burg gejagt,
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daß sie ihr giengen nach. Wer wolte denn nicht lieben?
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Wo wir nur sehen hin, da werden wir getrieben
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an dieses süße Werk. Wer will denn nun ein Stein,
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ein Stiefkind der Natur, ein Sichselbsthasser sein?
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Vergebens ist uns nicht die Leber einverleibet:
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sie, sie ist unser Gott, der uns zum Lieben treibet.
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Wer gar nicht lieben kan, der wisse, daß anstat
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der Leber er faul Holz und einen Bofist hat.
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Und ihr habt recht getan, ihr wolgepaarten Beide,
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daß ihr das süße Joch der angenehmen Freude
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wolt zeitlich gehen ein! Die gönstige Natur,
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des Höchsten treue Magd, weist euch auf diese Spur,
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und leitet euch hierzu. Der großen Ahnen Fälle
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ersetzet sie durch euch, daß ihr an jener Stelle
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solt andre pfropfen ein, die nachmals durch die Zeit
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auch reisen, wie vor sie, durch frische Dapferkeit.
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Ach solte, solte doch der werte
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was ietzt noch sein Gemahl! O könt' es doch geschehen,
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daß nun der selige Herr
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und dieses liebe Paar zu beiden Armen nähm'
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und drückt' an seine Brust! Die große Freude machet,
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daß itzt die fromme Frau, die Mutter, weinend lachet.
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Sie trauet Kind und Freund, gibt ihrer Liebe Pfand
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und schlägt mit eigner Faust durch die gepaarte Hand
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und spricht: Es sei also! Die schönen Schwestern lachen,
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die Brüder wündschen Glück an diesen hohen Sachen
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euch, ihr Verliebten, euch. Wo ihr nur schauet hin,
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da seht ihr auf euch zu beschenkte Wündsche ziehn.
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Ists aber ietzo Zeit durch Heirat sich zu binden,
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ietzt, da der tolle Mars uns dreuet vorn' und hinden,
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ietzt, da das teutsche Volk ihm selbst die Degen wetzt
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und sein rebellisch Schwert ihm an die Gurgel setzt?
241
Ihr wolt auch in den Krieg. Ach, wär' in jenem Kriegen
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so leichte, wie in dem, das ungewisse Siegen,
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wär' unsre Feindschaft nur nicht größer als bei euch,
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so könt' ein Winken nur die Sache machen gleich.
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Doch fahret immer fort, laßt Ander' ietzt sich schlagen!
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Ihr kriegt mit guter Ruh', dürft euren Leib nicht wagen
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in das verlogne Glück, in einen glatten Streit.
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Der Streit, in dem ihr seid, ist lauter Einigkeit
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mit Freundlichkeit vermählt. Man spricht auch sonst, im Maien
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da sei es gar nicht gut zu stellen an ein Freien.
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Nichts minder tut ihrs doch? Doch kümmert euch nicht drum!
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Ich habe nachgesucht, ich finde nicht, warum.
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Wir sein die Römer nicht, daß wir diß solten halten.
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Wir richten uns nach uns. Was schaffen uns die Alten?
255
Es ist nicht balde wahr, was der und jener spricht:
256
gewisser Tage Wahl will Gott zum Freien nicht.
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Ihr habt der besten Zeit der Zeiten wahr genommen,
258
der Lenz heißt euren Lenz der Jugend ietzt willkommen.
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Diß alles, was ietzt liebt, das wündscht euch Heil zu dem,
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was euch und ihme nun von Herzen angenehm.
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Das Wind- und Wasservolk, die ausgeschlagnen Wälder,
262
der schöne Maienschein, die neubegrünten Felder
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sind fröhlicher als vor. Die Flora gibt euch Lust,
264
Cytheris drucket schön eins an des andern Brust.
265
Die frischen Najaden, die Muldeinwohnerinnen,
266
die rufen: Glück, o Paar! Glück, Glück! so sehr sie künnen.
267
Das ganze
268
und jauchzet mitte drein: Glück zu, ihr Liebten zwei!
269
Glück zu, ihr Liebten zwei! schreit auch mein Phöbus mitte
270
und stellt sich bei euch ein. Er hat auf meine Bitte
271
diß Brautlied euch gemacht. Ietzt stimmts der werte Man
272
mit seiner Schwestern Schar für eurer Tafel an:

273
Halbgöttinne, Fräulein Braut,
274
der Kassandra müste weichen,
275
Helena nicht könte gleichen,
276
Rom noch Schöners nie geschaut,
277
zehnte bei der Musen Schar,
278
vierte Charis dieser Jahr',

279
Andre Venus! Sihstu nicht,
280
wie Cupido stetig winket,
281
wie das Liecht der Fackeln blinket,
282
wie der linde Zephyr bricht
283
Tulpen, Nelken, Rosmarin,
284
wirft sie auf den Tanzplatz hin?

285
Auf, o werte schöne Braut!
286
Auf, an Tanz ist Zeit zu gehen!
287
Siehstu schon den Liebsten stehen,
288
den dir Amor hat vertraut,
289
den dir hat in keuscher Brunst
290
zugetan des Himmels Gunst?

291
Wertes Paar, so tanzet nun,
292
liebt und küsset, küßt und liebet,
293
was ein Lieb dem andern giebet!
294
Gott, der wird das Seine tun,
295
daß euch Phöbus balde schau'
296
immer fruchtbar, langsam grau!

297
Und nun, nun ist es Nacht, der Renner ist entwichen,
298
der Alles liechte macht. Frau Luna kömpt geschlichen
299
und steckt ihr Silber auf, der schöne Nachtstern kömpt,
300
die angelegte Glut der blanken Sterne glimmt.
301
Hört auf,
302
ermüdet euch nicht gar! Die Lust könt ihr ergänzen
303
auf einen andern Tag. Ietzt seht, was Hymen dort
304
in jener Kammer zeigt! Geht, Liebte, geht nur fort
305
und gebet gute Nacht! Die Venus steht von ferne,
306
lacht eurer Wegerung. Cupido sähe gerne,
307
daß ihr nur machtet fort. Er trägt die Fackeln für
308
und wartet sehnlich auf vor jenes Zimmers Tür',
309
in dem ihr schlafen solt. Geht, geht, ihr herze Herzen,
310
vereinigt mehr den Sinn, beflammt die Liebeskerzen,
311
geht, geht zu eurer
312
und merket, wie es euch in dieser Ruh' ergeht!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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