11. Auf Herrn Ilgens Leichbestattung

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Paul Fleming: 11. Auf Herrn Ilgens Leichbestattung (1624)

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Wer sagts, geehrter Man, itzt neuer Himmelsbürger,
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daß euch sei Leid geschehn, indem der wilde Würger,
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dem euch Gott zahm hieß sein, sich auch an euch gemacht
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und durch sein scharfes Recht, wie Alles, umgebracht?
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Wer sagts, euch sei nicht wol, als etwan eure Lieben,
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die über euren Fall sich billich hoch betrüben
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und ernstlich traurig sein? Wir Andern, die wir euch
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am Blute nicht verwandt, doch nach der Liebe gleich,
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die uns gesampt verknüpft, erkennen euer Glücke
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und höchste Seligkeit. Ihr habt die Welt zurücke
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und Alles, was sie ist. Die Erde laßt ihr stehn
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und könnt mit sicherm Fuß itzt auf den Wolken gehn,
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die sich euch unterstreun. Ihr selbsten würdet sagen,
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wenn eine solche Wahl euch würde fürgeschlagen,
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ihr soltet kehren um: Bewahre mich mein Gott,
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daß ich aus Freud' in Leid, aus Leben in den Tod,
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aus Ruh' in Stürme zög'! ach! allzuwahr, in Stürme.
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Was ist es seit der Zeit, daß schädliche Geschwürme,
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die Krieger, unser Land mit sich auch angesteckt,
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da immer eines noch in tausent Junge heckt
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und hat sich wol besaamt? Was ist es, soll ich sprechen,
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wol anders seit der Zeit, als wenn die Klippen brechen,
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die Äolus verwahrt, die Winde reißen aus
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und brausen durch die Welt? Da krachet manches Haus,
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manch edler Bau zerbricht. Wir haben es gesehen,
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ach leider! allzusehr, wie uns bisher geschehen,
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wie uns der Kriegessturm hat hin und her verweht,
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die Städte durchgesaust, die Dörfer umgedreht,
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daß Nichts ihm ähnlich ist. Zumitten in dem Wesen,
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da es am ärgsten war, seid, Vater, ihr genesen;
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genesen seid ihr nun und denkt nicht einmal dran,
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was euch der arge Feind für Dampf hat angetan,
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darüber ihr erlagt. Der Eidam ist erfreuet,
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den ihr euch schicktet vor. Die Tochter springt und schreiet:
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komt Vater, Vater komt! Das liebe junge Paar
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empfängt euch, wie es soll, sampt aller Geister Schaar,
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die Gott stets um sich hat. Wir wündschen uns ingleichen,
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daß wir doch an den Ort auch mögen bald gereichen,
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da keine Furcht mehr ist, da wir in Wahrheit sehn,
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es sei auch uns, wie euch, in Allem wol geschehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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