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Wenn unsrer Zeiten Lauf der alten sich noch gliche,
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und mit der Jahre Flucht nicht auch die Tugend wiche,
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die Tugend, welche sich der Dankbarkeit befleißt
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und gar ein seltner Gast in diesem Alter heißt:
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was wolte Karien von seiner Treue melden,
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so sie hat angetan dem hochgeliebten Helden,
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mit dem es gleiche lebt? Was wolt Ägypten sein
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mit aller seiner Pracht, die nunmehr gangen ein?
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Man würd' ein größer Werk bis in die Wolken führen,
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für welchem Babels Bau sich nie nicht durfte rühren,
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als solt' es prächtig sein. Es wird ein Turn erbaut,
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desgleichen unser Rom noch nie nicht hat geschaut,
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wie alt es worden ist. Die Säulen, Bäder, Gänge,
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Gemälde, Grabschriften und was mehr solch Gepränge,
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davon die Meister Ruhm, die Herren Lust gehabt,
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daran man heute noch den blöden Sinn erlabt
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im Lesen oder Sehn, die würden niedrig heißen,
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wie hoch sie wären auch. Das zwier erlöste Meißen,
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das würd' ein Wunderwerk so prächtig richten auf,
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das weder Frost, noch Glut, noch trüber Zeiten Lauf
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nicht könte reißen hin. Denn so die frommen Alten
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dem Fürsten, der sich wol fürs Vaterland gehalten,
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den Feinden widersetzt, beherzt und frisch gekämpft
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und seine Widerpart mit ernster Faust gedämpft,
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zum Zeichen seiner Treu' ein Denkmal aufgerichtet,
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wie viel, o wie viel mehr sind wir anietzt verpflichtet,
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dem Helden, der nächst Gott uns ledig hat gemacht
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und nach so strengem Dienst in erste Freiheit bracht,
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ein Werk zu seiner Ehr' und unsrer Liebe Zeichen
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zu stellen in die Welt? Was aber kan ihm gleichen?
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Was wird sein Denkmal sein? Der Brauch geht bei uns ein,
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wir können sonst mit Nichts als Worten dankbar sein.
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Daß aber gleichwol auch die Feder etwas treibe
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und dieses Helden Ruhm in etwas nur beschreibe
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(wer kan sein ganzes Lob?), so sei hier aufgesetzt,
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womit in jener Welt sich mancher Gott ergetzt,
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da man sein Grabmal hielt. Und es ist wol zu gläuben,
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ob wir die ganze Pracht schon können nicht beschreiben,
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die frommen Tugenden, des Helden Preis und Zier,
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dadurch er leben wird von ietzt bis für und für,
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die hielten diß Gepräng'. An einem schönen Orte
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ist prächtig ausgeführt ein' aufgetane Pforte
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in der Unsterbligkeit. Der Grund ist Helfenbein,
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die Säulen dichtes Gold, darein manch edler Stein
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nach Künstlers Art versetzt; der Sieg, der Lohn der Stärke,
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sitzt mitten innen, gleich zu oberst an dem Werke.
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Die Ehr' und Majestät hat sie zur Seiten stehn,
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dieweil sie dieser Frau stets pflegen nachzugehn.
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Auf Sieg folgt Ruhm und Macht. Sonst sind darauf zu schauen
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viel' Fahnen, Beut' und Raub, so zwischen diesen Frauen
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und hinter ihnen liegt. Der blasse Menschenfraß
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steht unten, hält den Pfeil und unsers Lebens Glas.
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Frau Fama gehet vor und bläst des Helden Sachen,
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die Taten, die für sich ihn herrlig können machen,
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in ganzer Gegend aus. Der ungewohnte Ton
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macht, daß das breite Land wie zittrend wird davon.
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Hierauf folgt eine Zunft von süßen Musicanten,
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verhüllet um das Häupt. Die edlen Kunstverwanten
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sind die neun Klarien: Kalliope stimmt an,
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Polymnie singt vor, Thalia, was sie kan,
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erhebt den lauten Ton, wie denn die andern alle:
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sie loben seinen Preis mit ihrem guten Schalle.
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Apollo hat das Lied selb selbsten aufgesetzt,
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das auch das Himmel-Volk fürs allerbeste schätzt.
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Die gute Sache folgt mit Unschuld und dem Glücke,
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so ihr zur Seiten gehn. Sie tragen schöne Stücke,
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die Wappen und die Zier, so unser dapfre Held
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dem rechten Herren hat hinwieder zugestellt.
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Der Glaube trägt das Gold, des Könige sich freuen,
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die Gottesfurcht die Frucht, die Freiheit hält den Leuen:
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diß war des Heldens Zier. Stark, mächtig und mit Frucht
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hat er die Weiterung des Regiments gesucht.
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Den Apfel trägt die Macht, die Adelheit die Krone,
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den Zepter Würdigkeit. Diß hat der Held zu Lohne,
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daß er durch seinen Sieg die Welt zu sich gebracht
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und das, was Fremder war, ihm untertan gemacht.
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Die ernste Gravität läßt seine Fahne fliegen.
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Die Stärke sitzt zu Roß, als wie man kämpft im Siegen,
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hat seinen Küriß an. Die neigende Gedult
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führt dieses hinter sich, was er noch nicht verschuldt
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und uns zu zeitig war, die schwarze Totenfahne.
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Das Roß, das diesem gleicht, das ihn im freien Plane
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von sich sah sinken ab, das führt die Frömmigkeit,
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die Demut geht bei her. Die Weisheit ist nicht weit,
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wie denn die Klugheit auch mit Einigkeit umgeben.
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Der Friede trägt den Schild, die Redligkeit darneben
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die ritterliche Sporn, den Helm die Wachsamkeit,
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darauf Gerechtigkeit den bloßen Degen beut
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und wiegt das Recht wol ab. Den schwerbeladnen Wagen,
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auf dem viel Raub und Zeug, dem Feind entnommen, lagen,
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begleiten Dapferkeit und unerschrockner Mut,
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Geschwindigkeit und Kraft; das adeliche Blut
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noch einen anderen, darauf war abgerissen
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ein wolverschanzter Ort, worauf sich hören ließen
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der Trompterleute Chor und Pauken, so man braucht,
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wenn es in offner Schlacht von frischem Pulver raucht.
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Nach diesem kompt ein Heer, der Ausschuß dapfrer Helden,
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von welchen man so viel itzt überall hört melden,
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die der gelobte Fürst stets um sich hatte gehn,
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und die ihm itzo noch zu seinen Diensten stehn,
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ob er schon nicht mehr da. Was soll ich ferner sagen,
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mit was für Harm und Angst, mit was für heißen Klagen
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erscheint ein guter Teil von Frauen, so für sich
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die Länder, die der Held erfreuet ritterlich,
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mit Namen zeigen an? Den Schweden, Gothen, Wenden
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ist mehr als andren weh, weil ihren dreien Ständen
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ihr Schutz, ihr Trost, ihr Heil, ihr König kommen um.
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Chur-Sachsen, Thüringen und Meissen trauren drum.
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Chur-Brandenburg klagt laut, ihr Bluts-Freund sei gefallen,
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wie Mekelburg denn auch. Man hört sie weit für Allen.
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Das Böhmen ist nicht froh, Kron' Frankreich geht betrübt,
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weil der liegt, den sie ehrt, und der sie billig liebt.
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Die Pfalz und Elsaß gehn mit traurigen Gebärden,
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Westphalen scheint, als könt' es nicht getröstet werden.
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Der Rheinstrom schleißt die Brust, und Holland trücknet ab
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die Tränen, als darzu der Fall ihm Ursach gab.
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Das Franken, Würtenberg, das hochbetrübte Schwaben
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ziehn als bekümmerte, die keinen Trost mehr haben.
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Wie wol hat er verdient, daß sein zu früher Tod
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so viel Provinzen setz' in ebengleiche Not!
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Sie wollen auch tot sein. Die königliche Leiche,
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die Leiche, die der Tod fast ist dem ganzen Reiche,
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das nunmehr nicht mehr ganz, wird fürstlich hergeführt;
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die Kühnheit und Vernunft, mit der er war geziert,
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die Vorsicht, der Verstand, die Schärfe bei dem Kriegen,
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Erfahrung, Wissenschaft und Sanftmut in den Siegen
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gehn um den Wagen her und klagen ohne Ziel
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des Helden Untergang, der alzu zeitlich fiel.
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Der Bote Gottes fleugt und setzt die grünen Blätter
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dem Helden auf das Häupt. Er war der recht' Erretter,
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der Mehrer, dem diß Laub von Rechte zugehört,
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und daß er nun auch tot darmitte wird geehrt.
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Zwo starke Ketten gehn von hinten aus dem Wagen,
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darinnen zeucht ein Heer, das man hört heftig klagen.
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Das erst' ist Frauenvolk. Die Laster, die der Held
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so gänzlich abgeschafft aus der verneuten Welt,
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der Neid, der Haß, der Zorn, die Rachgir, Sünde, Schande,
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Begierd' und Übermut ziehn all' an einem Bande.
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Betrug, Gottlosigkeit, Verzweiflung, Heuchelei,
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Gift, Abfall, Meineid, Not, Verwegung, Meuterei,
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Pracht, Hoffart, Übermut und andre viel' dergleichen
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gehn traurig hinten nach und folgen dieser Leichen.
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Die andern, die zugleich in einer Ketten stehn
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und dick in großer Zahl in keiner Ordnung gehn,
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das ist gefangen Volk, das sind bezwungne Krieger,
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die unser Josua, der allzeit werte Sieger,
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hat zu Gehorsam bracht, und aus gewohnter Gunst
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das Leben bloß verehrt. Was ferner folget sonst,
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das sind teils Frembdlinge, teils weggetriebne Leute,
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die mehr als traurig sein. Was ferner in der Weite
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noch mehr gesehen wird und doch nicht übersehn,
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das ist das Kriegesheer, dem überweh geschehn,
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daß es nun häuptlos ist. Diß ist das Leichgepränge,
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das auf diß schmale Blat gebracht ist in das Enge,
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das ihm die Tugenden zu Ehren angestelt
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und wirklich auch vollbracht in einer andern Welt,
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als wo wir Menschen sind. Wir, die wir hie noch leben,
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vermögen nichts zu tun, als daß wir Ehre geben
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dem, der sie recht verdient. Des Helden hoher Preis
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wird ewig bleiben stehn. Sein Ruhm, der wird nicht greis,
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sproßt immer jung herfür. Die Zeit, die noch wird kommen,
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so anders noch in ihr wird leben was von Frommen,
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die wird auch dankbar sein. Er hat es recht verdient,
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daß seines Namens Lob zu allen Zeiten grünt.