7. Auf H. Georg Glogers Med. Cand. seliges Ableben

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Paul Fleming: 7. Auf H. Georg Glogers Med. Cand. seliges Ableben (1624)

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O Liebster, was bedeut das ungewohnte Röcheln,
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die Furcht der heißen Brust, der matten Lungen Fecheln,
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das so geschwinde keicht? Ach! wo, wo läßt du dich,
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dein' Augen, deinen Mund, und was noch mehr, wo mich?
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mich, deinen andern Dich? So bistu nun geflogen,
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du schöne Seele du, und läßt unnachgezogen
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den Leib, dein schönes Kleid, das mit so schöner Pracht
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der Tugend war gestückt und sauber ausgemacht!
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Du Mund, den Venus selbst in ihre Nectar tauchet,
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und dem die Gratien ihr Holdsein eingehauchet,
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ihr Augen, die ihr mich durch euer freundlich Sehn
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zur Gegenliebe zwingt, nun ists um euch geschehn
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und auch um euren mich! Vor hab' ich finden können
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noch meinen Landsman, dich, du Labsal meiner Sinnen!
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Ein Freund zwar, hoff' ich wol, mir anzutreffen ist:
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so einer nimmermehr, wie du gewesen bist.
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An dir hab' ich gehabt, ach! ach! gehabt den Zeugen
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von meiner Poesie, wie sehr sie umzubeugen
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der hagre Neid erkühnt, wie schlim er auf sie sieht!
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Durch dich verlacht' ich ihn: du hubst mir das Gemüt'
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ie mehr zum Ewigsein. Apollo war mir günstig,
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der Musicant' und Arzt, weil du mich machtest brünstig
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zu seiner doppeln Kunst. Die freie Meditrin
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verweiste mich durch dich zu ihrem Tempel hin
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und hieß mich ihren Freund. Wo werd' ich nun gelassen,
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weil du mich so verläßt? Wie auf den rauhen Gassen
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des bösen Oceans ein schwacher Nachen wankt,
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der keinen Bootsknecht hat, daß er den Port erlangt,
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schöpft Wasser, tauchet ein: also gehts meinem Kahne,
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der nun Kunst holen soll. Ich bin auf wilder Bahne,
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mein Ruder ist entzwei, mein Anker bleibt im Stich',
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im bodenlosen Grund'. O du mein selber Ich!
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Mein Alles und mein Nichts, ach Liebster! war dein Name,
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der's wol auch bleiben wird, so lang' ein Körnlein Same
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der Seelen in mir bleibt! Die Faust erstarret mir,
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die Tränen schwemmen aus die Dinte vom Papier'.
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Ich kan, ich kan nicht mehr! So nim doch hin, mein Leben,
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den Kuß, den letzten Kuß, den ohne Wiedergeben
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(ach wärs auch vor geschehn!) ich setz' auf deinen Mund,
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auf deinen kalten Mund! Diß ist der letzte Bund:
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so bleib' ich dir vermählt! So ewig Flemings Buhlen,
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die zarte Poesie, wird sein in Phöbus Schulen,
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so soll dein herzer Nam' an allen Wänden stehn,
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und mit der Ewigkeit mein Gloger untergehn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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