Was soll man ferner tun? Sie ist nunmehr vorbei

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Paul Fleming: Was soll man ferner tun? Sie ist nunmehr vorbei Titel entspricht 1. Vers(1624)

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Was soll man ferner tun? Sie ist nunmehr vorbei,
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das liebe schöne Kind. Die Augen sind entzwei;
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diß ist der letzte Hauch, in dem die fromme Seele
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aus ihrem Miethause, des keuschen Leibes Höhle,
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in ihr recht' Vaterland, den hohen Himmel, reist.
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Diß, was hier hinterbleibt und auf die Erde weist,
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ihr wolgeschmückter Leib, will hin, woher er kommen,
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in seiner Mutter Schoß. Es hat zu sich genommen
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ein iedes seinen Teil. Ihr bleichen Eltern ihr,
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ihr klagt nun gar zu spat! Vor war sie noch allhier,
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vor war man noch in Furcht, sie würde nicht genesen;
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itzt steht sie nicht mehr auf. Er ist nun da gewesen,
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der Leibes Gast, der Geist. Itzt hilft kein Weinen nicht,
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kein Bitten, keine Buß', und was man sonst verspricht
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in einer solchen Angst. Sie hat den Wundsch erfüllet,
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der doch auch eure war. Ihr Leid ist ganz gestillet
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und eures hebt sich an. Stillt aber eures auch,
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daß sie recht ruhen mag! Beweist der Christen Brauch,
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der zwar den frühen Tod der Seinen heißt betauren,
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nicht aber trostlos läßt auch mitten in dem Trauren!
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Sie unterscheiden wol, was ihr und Gottes ist,
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der mehr als Seines nichts hinwieder ihm erkiest,
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zur Unzeit und zur Zeit. Was er zuvor verborget,
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das fodert er mit Recht'. Ein heidnisch Herze sorget,
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spricht: Einem, der jung stirbt, dem ist der Himmel Feind.
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Nicht so! Wer zeitlich fält, mit dem ist Gott mehr Freund.
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Die Liebe haßt Verzug: ie bälder Einer stirbet,
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ie lieber ist er Gott. Was aber hier verdirbet,
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der Leib, die Zier, die Kunst und was man sonsten liebt
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(darinnen euer Kind euch billich mehr betrübt,
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dieweil sie fertig war), das folgt der Flut der Zeiten.
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Gott aber wird den Leib hinwieder zubereiten,
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daß er soll ewig sein, da denn die Kunst und Zier,
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die nicht kan untergehn, wenn wir sind nicht mehr wir,
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in den verklärten Leib wird wieder eingegossen,
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daß sie gleich ewig sein. Indeß habt ihr genossen

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der zwar wol kurzen Zeit, da eure Tochter euch
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von Herzen hat erfreut. Sie war an Schönheit reich,
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an vielen Gaben hold, der Rehen zu vergleichen,
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der weisen Künstlerin, ein ausgestecktes Zeichen
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der angewandten Zucht. Vollkommen war sie schon,
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ob sie gleich war ein Kind. Drum muß sie jung davon.
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Ein Obst, das balde reift, wird zeitlich abgenommen.
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Wir sind von wilder Art. Gönnt ihr, zu was sie kommen,
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und wisset, daß die Zeit, die sie, als wie man schätzt,
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allhier zu kurz gelebt, die Ewigkeit ersetzt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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