2. Elegie an das traurige Hartenstein

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Paul Fleming: 2. Elegie an das traurige Hartenstein (1624)

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War es denn noch nicht gnug, daß Mamers seine Plagen,
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du liebes
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der, wie man sagen tut, bei Nachten und bei Tagen
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mit seiner Grausamkeit dir lässet wenig Ruh'?
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Es muste noch Fortun sich besser an dir rächen,
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wiewol ohn' deine Schuld, und führen über dich
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Den, welcher grimmer ist denn jenes Hauen, Stechen,
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den Tod, den rauhen Tod. Mars lässet weisen sich,
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wann man ihm, was er will, ohn Wegerung erleget,
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und gibt ihm seinen Sold: so bistu nicht, o Tod!
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Dich weder Geld, noch Gold, noch Ranzion beweget,
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sie wäre noch so groß, für Eines Sterbensnot.
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Mars ändert seinen Rat, – oft gibt er Gnad' umb Bitten,
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auch mitten in dem Zorn. O Tod, so bistu nicht!
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Du änderst keinen Rat, du bleibst bei deinen Sitten;
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erzürnestu dich denn, da hilfet keine Pflicht.
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Mars, ob er gleich will sein der stärkste Gott der Erden
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und solcher nur allein, oft werden ihrer mehr;
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der steckt ihn in den Sack, der jenes Herr kan werden:
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o Tod, o starker Tod! wes ist, wes ist das Heer,
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wer ist, wer ist der Herr, der dich mög' überwinden?
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Und wär' er noch so stark, so bistu stärker noch;
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und wolten Tausent dich und aber Tausent binden,
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du bindest alle sie, sie zwingstu unters Joch.
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Nun kom und frag' ich dich von dieser beider Wesen,
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o traurigs
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wann du aus Mars und Tod den Einen solst erlesen,
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wen nämbstu dieser beid'? O streckstu deine Hand
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zu Mars? Ja freilich wol. Er war gar leicht zu wählen
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für jenem, welcher ist ein steter Menschenfraß;
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hingegen dieser fromm, er hört noch auf zu quälen,
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da jener garausmacht und würgt ohn Unterlaß.
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Es ist nicht ohne zwar, daß mancher oft begehret
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zu sein viel lieber tot, als wenn ihn Mamers zwingt,
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weil dieses Tyrannei endlos gar gerne währet,
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hingegen jener ihn zum guten Ende bringt.
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Diß aber, weiß ich wol, dir würde nicht gefallen,
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von Liebe, die du trägst zu deiner Obrigkeit;
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Mars wüte noch so sehr, hingäbstu was euch allen,
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wenn du dein und ihr Leid köntst wenden dieser Zeit.
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Mars nimmermehr so sehr die Tränen dir auszwunge,
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als diese Leiche tut, die man ietzt führt zur Gruft
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und setzt sie traurig bei. Ietzt weinen Alt' und Junge,
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daß dieses Klag-Geschrei erschallet in die Luft.
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Ich auch dein duppelt Leid muß überlaut beweinen,
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wiewol du weit von mir, doch aber nah dein Leid.
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Ach! ach! wenn wird einmal der Gnaden-Phöbus scheinen
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und einst abtauschen dir dein großes Leid mit Freud'?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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