8. Das Gebet Manasse, des Königs Juda, da er zu Babel gefangen war

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Paul Fleming: 8. Das Gebet Manasse, des Königs Juda, da er zu Babel gefangen war (1624)

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O Herr, du starker Gott, du Vater unsrer Väter,
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und ihres Samens auch, der ein gerechter Täter
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in deinen Satzen ist, der du das Firmament,
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der tiefen Erde Schoß und was sich drinnen wendt,
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auch was steht unverwandt, aus Nichts doch hast erfunden!
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Du hast das hohe Meer durch dein Gebot erfunden,
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du, Gott, verschleußst die See, als siegeltst du sie zu,
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sie bricht nicht dein Pitschier. Du Herr, allein Herr du
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bist schrecklich und doch gut. Dein herrlich Loh zu mehren
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erschufst du diesen Bau. Dich, dich muß alles ehren.
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Diß Ganz' erschrickt für dir. Wir fürchten uns erblaßt
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für deiner großen Macht, die du dir geben hast.
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Unträglich ist dein Zorn, den du den Sündern dräuest.
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Doch deine Mildigkeit, die du hierbei verleihest,
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ist mäßig ohne Maß, und zu erforschen nicht,
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wie deinen grimmen Ernst die linde Gnade bricht.
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Der Allerhöheste bist du allein zu nennen,
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so weit die Sonne kan mit ihren Gäulen rennen
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umb die gecirkte Welt! Jedoch, wie groß du bist,
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so lind' und gnädig auch dein Herz, o Vater, ist.
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Die Strafe trübt dich selbst, mit der du uns belegen,
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uns harte Sünder, must. Drumb hastu auch hingegen
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ein Vorteil auserdacht, wie du der offnen Schuld
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kanst einen Durchstrich tun und wieder werden huld.
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Das ist die ernste Buß', in der du uns quittirest
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von aller Missetat. Weil aber du, Herr, führest
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den Namen, daß du bist der Frommen Gott allein,
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so kan die Buße nicht den Frommen geben sein,
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wie Abram, Isaak und Jacob für dir waren,
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als denen wider dich kein Feil nie widerfahren.
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Ich aber habe, Herr, vor dir gesündigt sehr,
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mein Unrecht überwiegt den kleinen Sand am Meer.
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Ich muß gekrümmet gehn in schweren eisern Banden
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und habe keine Ruh, weil ich mit meinen Schanden
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erwecket deinen Zorn, da ich vor dir getan
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groß' übermachte Schuld, indem ich böser Mann,
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viel schweres Ergernüß und solche Greuelsünden
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vorhin hab' ausgeübt. Doch so noch Heil zu finden,
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so sieh, ich beuge, Herr, die Knie des Gemüts,
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mein Herze neigt sich dir. Erteil mich des Beschieds,
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daß ich Gnad' haben sol! Ach Herr, ich bin gefallen!
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Gefallen bin ich, Herr. Nun aber, wie dem Allen,
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ich kan und wil und sol es leugnen nicht für dir,
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ich beichte meine Schand'. Ich bitte, steh bei mir!
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vergib mir, fleh' ich, Herr! Herr, wehre dem Verderben!
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Laß mich doch trostlos nicht in meinen Sünden sterben!
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Herr, mildre mir die Straf', und laß sie träglich sein!
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Hilf mir Unwürdigen und brich zu mir herein
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mit deinem Gnädigsein! So wil ich dein Erbarmen
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beloben, weil ich bin. Dich rühmet, was umbarmen
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der Himmel starke Heer'. Herr, preisen sol man dich,
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dich Grundbarmherzigen, wie ietzt, so ewiglich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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