4. Der 51. Psalm

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Paul Fleming: 4. Der 51. Psalm (1624)

1
Du Güt' und Gnade selbst, Gott, sei mir Sündern gnädig,
2
und sprich mich meiner Schuld in Hulden quit und ledig!
3
Herr, wasche du mich wol von meiner Missetat!
4
du hast für meinen Kot bei dir das rechte Bad.
5
Ich sehe für und für vor mir mein Unrecht schweben,
6
ich wil dir dessen nur ein klar Bekentnüß geben
7
und sagen frei heraus, daß ich dein Sünder bin.
8
Denn dieser Ausspruch sieht auf deine Gottheit hin,
9
daß du bleibst ewig wahr und allzeit rein zu finden.
10
Ich kan es leugnen nicht, ich bin ein Mensch, in Sünden
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empfangen und geborn. Der Eltern schnöde Lust
12
hat mir auch angekleckt den bösen Kot und Wust.
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Dir aber, Herr, gefällt die Wahrheit, die verborgen
14
in deinem Herzen liegt. Du kanst, Herr, für mich sorgen.
15
Du zeigest mir den Weg, der zu der Weisheit führt,
16
der auch sonst heimlich ist, den nie kein Heide spürt.
17
Nimb einen Ysoppusch, entsündige mein Leben!
18
Du kanst alleine mir die rechte Lauge geben,
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die Seel' und Leib beglänzt, gleich als der Sehen Liecht,
20
die truckne Flut, der Schnee, mit seinem Schein hinsticht.
21
Laß mich von lautrer Lust und Wonne hören sagen,
22
daß der Gebeine Mark, die du so sehr zuschlagen,
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einst wieder werde froh! Vertilge meine Schuld,
24
verbirge dich vor ihr und sei mir wieder huld!
25
Gott, schaffe du in mir ein neues reines Herze
26
und gib mir einen Geist, der nicht im Glauben scherze
27
und wanke hin und her! Verwirf mich nicht von dir
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und nimb, o Vater, nicht den werthen Geist von mir!
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Laß deine Hülfe mich zu aller Zeit erquicken,
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und dein beherzter Geist laß in mir nicht ersticken
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des Glaubens schwache Frucht! Herr, tröste, tröste mich!
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Enthalte du mich, Herr, so bin enthalten ich!
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Drumb wil ich deinen Weg die Übeltäter lehren,
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daß sich die Sünderzunft zu dir sol müssen kehren.
35
Gott, der du stets mein Gott und frischer Heiland bist,
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nimb meine Blutschuld hin, die mir das Leben frißt,
37
errette mich von ihr, so sol dein recht Gerichte
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von mir gepriesen sein durch dieser Zungen Früchte.
39
Herr, öffne mir den Mund, brich meiner Lippen Schloß,
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so sol dein Ruhmb und Lob auf Erden werden groß,
41
so weit man Menschen kent. Könt' Opfer dir gefallen,
42
so brächte selbtes dir ich wol für andern allen.
43
Könt' ein gebrantes Vieh vor dir sein angenehm,
44
so wär ich fornen vor, wenn man zum Brennen käm'.
45
Herr, dieses wilstu nicht. Ein leidzerknirschtes Herze,
46
ein reugeängster Geist, ein Sinn voll wahrem Schmerze,
47
der von der Sünden rührt, das ist, Herr, deine Lust!
48
Kein Räucherwerk verdunst der Sünden Stank und Wust,
49
kein Bocksblut söhnt Gott aus. Tue wol nach deiner Gnade
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uns und der Zionsburg! Jerusalems ihr Schade
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müß einst erbarmen dich! Bau ihre Mauren auf,
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die so zerschellet sind durch manchen Sturmeslauf,
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wenn sie bekrieget ward! Alsdenn wird man dir können
54
ein rechtes Opfer tun nach deinem Wundsch und Sinnen,
55
alsdenn wird oft ein Schaf dir werden ganz verbrant
56
und bluten manches Tier von deines Priesters Hand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Paul Fleming
(16091640)

* 05.10.1609 in Hartenstein, † 02.04.1640 in Hamburg

männlich, geb. Fleming

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

deutscher Schriftsteller und Arzt

(Aus: Wikidata.org)

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