Wie Friede nun allhier im grünen wird geschauet

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Johann Klaj: Wie Friede nun allhier im grünen wird geschauet Titel entspricht 1. Vers(1636)

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Wie Friede nun allhier im grünen wird geschauet;
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So hat sich gegen ihr der Vnfried starck verbauet
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in einem steinern Haus.
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als ein vest Kunstgebäu/ das kein Feind nie berührt.
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Deß grossen Mittelthurns Bedachung sich rund schlinget
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und mit vergüldtem Haubt durch Lufft und Wolcken dringet/
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vier Thürn von aussenwarts als eine Vorburg stehn/
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von seinem Mauerwerck rings üm die Vestung gehn.
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Im Fall der Sud aufsteht mit Sommerwarmen Wehen/
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auf seinem Schiferdach sich güldne Fahnen drehen;
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Die Flaggen fliegen schön/ die Kühnheit außgesteckt/
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dadurch denn Mannheit wird zur Mannheit aufgeweckt/
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die stets nach Wirden strebt; es tönen auf den Gängen
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Schalmäyen üm und üm; die Rundatschirer drängen
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sich auf dem Vorgebäu; sie stehn und haben Acht/
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damit diß Brand-Castell nicht werd in Brand gebracht.
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Es dürfte dem noch wol sein Leib und Leben kosten/
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der es bestürmen wolt; die starckbesatzten Posten
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verwahren es noch mehr; Es ist der Zwitracht Schloß
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mit Kraut und Lot versehn/ mit Mord und Mordgeschoß/
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der Zwietracht/ die da steht mit wenig Haut und Beinen
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und lässt die Sonne selbst durch ihr Gerippe scheinen
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gantz hager ohne Schmer;
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und sie/ die Zanckgöttin/ die raget oben vor
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mit ihrem Blasebalg; die/ Statt der Haare/ Schlangen
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auf ihrem Schädel kämmt/ die/ die will andre fangen/
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die selbst gefangen wird/ die Schreckposaune tönt!
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der Zäne Knirschen gischt/ die Feuerkolbe thrönt
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der Zwitracht/ die gesinnt/ deß Friedentempels Hütten
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mit Pulver und mit Bley und Brand zu überschütten
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zu sprengen Himmelauf; Sie pochet auf ihr Haus/
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drüm hängt sie nächtlich mehr als tausend Ampeln auß:
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Die zwar mit männiglichs Verwunderung schön stralen
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und die sonst heitre Nacht viel heitrer noch außmahlen
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in wolgeziemter Rey/ die Nacht die hielt ümhüllt
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den müden Erdenkreiß/ und alles war gestillt/
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als Amor/ der bey Nacht ist an das Tagliecht kommen/
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hieher auch Flügel schnell den schönen Weg genommen;
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dann/ wo der liebe Fried/ hat Amor seinen Gang/
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im Friede geht die Lieb im vollen Gang und Schwang.
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Der Gott/ der mächtig ist die Götter selbst zu binden
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und mit dem Liebesfeur den Himmel anzuzünden/
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beherrschet Welt und Feld/ bezähmet Tufft und Lufft/
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durchstreichet Glut und Flut/ durchwandert Grufft und Klufft/
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bezwingt auch diese Hex:
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deß Bogens Pfeil vernicht/ so braucht er Schwefelfeuer:

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Die Liebe/ die Liebe geflügelt/ gewindet/
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die rennet/ die brennet/ die Seulen entzündet/
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drauf schwermet/ drauf lermet das gläntzende Heisse/
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es hitzet/ es schwitzet das Feuergegleisse/
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es lauffen/ es schnauffen die Räder mit Schlägen/
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ohn Wehen/ ohn Drehen der Winde sich wegen:
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Es zieret/ es führet die Lincke die Rechte
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blitzhaglendes-schweflendes-Schwertergefechte/
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die Sternen von fernen sich Erdenwarts neigen/
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Racqveten/ Musqveten/ Lustkugeln aufsteigen/
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es blincken/ es flincken von Flammen die Lüffte/
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es schimmert/ es flimmert der Erden Getüffte.

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Der schöne Fried stund schön
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damit nun alle Lust und Freude käm zusammen/
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hat der Fried ein Racqvet von seiner Hand gesandt/
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der Zwitracht Mord-Castell zu setzen in den Brand.

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Bald blitzen/ bald blatzen die Spanischen Reiter/
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die Pfosten der Posten die gehen zu Scheiter/
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zwölff Pumpen die plumpen heissiedende Fluten/
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Stacketen/ Racqveten sprutz-spratzen von Gluten/
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die Ballen im Fallen lustfreüdig sich sprengen/
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sie schertzen/ wie Kertzen auf Leuchtern abhängen/
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die Lermer/ die Schwermer der Bienen sich mühen/
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die Mauren nicht dauren die Thore schon glüen/
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die Zinnen von innen und aussenwarts schmauchen/
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Gemächer und Dächer vom Brande schon rauchen/
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die Blitzer die Schützer deß Schlosses ergreiffen/
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sie richten/ vernichten und gäntzlich zerschleiffen.

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Die Zwitracht ist entzwey/ der Kriegsgott ist bekrieget/
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die/ die/ die siegen wolt/ in ihr besiegten liget/
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es ist noch nicht genug: Der Mann ist übermannt/
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deß Mannes Schloß muß auch geschleifft seyn/ außgebrant.

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Trompeten/ Clareten Tartantara singen/
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die Paucken die paucken/ die Kessel erklingen/
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so sauset/ so brauset kein schaumichtes Wallen/
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kein Stürmen so stürmet/ wann Berge zerfallen.
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so reisset/ zerschmeisset kein Hagel die Blätter/
84
so rasselt/ so prasselt kein donnern des Wetter/
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so prallet/ so knallet kein fallend Gemäuer/
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als knicket und knacket das knisternde Feuer.
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die Spitzen die sprützen hellfünckelnde Keile/
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die Flanckquen die blancken spitzfeurige Keile/
89
Racqveten/ Racqveten einander nach jagen/
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Blitzschläge mit Schlägen erzürnet sich schlagen.

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Der Thürne Räder auch schön spielen in der Höhe:
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Der Mittelthurn ist auf/ zu sehen/ wie es stehe/
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als er den Ernst vernimmt/ den Friede hier verübt/
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er zu der Gegenwehr viel tausend Salven gibt:
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Der Doppelhacken Grimm/ der Zorn der Pulverröhren/
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die werden loßgebrant/ vergnügen Sehn und Hören;
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Die Flammen wehren sich und flammen Himmelan/
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als wolten sie nicht seyn den Flammen unterthan.

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Die Stücke hell blicken/ es donnern Carthaunen/
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daß Felder und Wälder und Menschen erstaunen/
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es zittern/ es splittern die felsichten Klüffte/
102
es schallen/ erhallen die mosichten Grüffte:

103
IrENE/ die schöne/ hat männlich gekämpfet/
104
das Kriegen mit Siegen und Feuer gedämpfet/
105
das rasende/ blasende/ blutige Kriegen
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ist schmauchend/ ist rauchend zu Himmel gestiegen.

107
Das Sternenhaus erblast/ die Wolcken lauffen schneller/
108
die Mauren dräuen Fall/
109
der Nächte Mittag ragt/ die Wasser lauffen an/
110
das wilde Roß erschrickt/ schreckt seinen Reitermann.

111
Der Hain/ der grüne Pusch/ die Püschebürgerinnen/
112
der Fluß der Pegnitzfluß/ die müden Pegnesinnen
113
erwachen auß der Ruh: Der Wiederhall erklingt/
114
der/ was er hört/ als bald mit Wucher rück-warts bringt/

115
ringt und rufft stärcker nach/ damit auf frembder Erde
116
deß Wortes letztes Theil garlaut verdoppelt werde.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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