Ein anrer mag im Blut die rote Feder netzen

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Johann Klaj: Ein anrer mag im Blut die rote Feder netzen Titel entspricht 1. Vers(1636)

1
Ein anrer mag im Blut die rote Feder netzen
2
und diesen langen Krieg/ der nichts erkriegt/ aufsetzen/
3
ein unbeliebtes Werck/ ein nichtbeliebter Fleiß/
4
an dem der Richter selbst verschwitzet Fleiß und Schweiß.

5
Ein andrer singe dann/ wie über die Sudeten/
6
wie Himmelhoch sie sind/ geflogen Angst und Nöhten/
7
er singe was von Prag/ der Fackel dieser Wut/
8
die Teutschland hat gesetzt in diese Kriegesglut.

9
Ach daß du Mulde dich doch in die Elb ergossen!
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Ach daß du Elbe doch durch Sachsen bist geflossen
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auß deinem Teuffelsgrund!
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und mit der Wellenflut die Brandglut angesteckt.

13
Ach werst du reiner Rhein in deinem Gotthard
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und hättest deinen Trieb nicht durch denn See
15
der sich mit dir nicht stallt! du nicht mehr feiner Rhein/
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dein Strom treib Leichen fort für Schiffe/ Blut für Wein.

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So fleuß nun Donau hin mit deinen sieben Flüssen/
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geuß in das strenge Meer das strenge Blutvergiessen
19
bey Constantinens-Stadt/ lauff Morgenwerts/ lauff hin/
20
nimm Donau ab den Krieg von unserm Constantin.

21
Komm Fried/ ich singe dich! Dich und die dich geboren/
22
hab ich mir zum Gedicht zur Friedenszeit erkoren
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und deinen schönen Tag; die Seel/ das Hertz der Welt/
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der wachsbegilbte Ball steht an dem Wolckenzelt

25
im höchsten Ehrenthron;
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der Irre-Sternenprintz/ die Goldgestralte Sonne/
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die bisanher gekutscht/ gerennet und gebrennt/
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den rücklingsgängen Krebs mit schnellem Lauff errennt;

29
Gleich einem Wandersmann/ der klettert/ weil sich zeiget
30
der balderstiegne Berg/ bis daß er übersteiget
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den stiegerhohen Pfad; Hie stehet sie und rast/
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und will nicht weiter fort/ bis sich die Kriegeslast

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zur Ruhe hingelegt; Ihr Sonnen dieser Erden/
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folgt ihr/ so werdet ihr der Sonnen Sonne werden
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und oben nechst ihr stehn; hebt auf den alten Streit/
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fahrt auf und unterschreibt die neue Friedenszeit.

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Wie wann der Winter weicht/ der Feind der Lustgefilder/
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der alle Blumen sterbt/ der Gärten schöne Bilder:
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bricht an der schöne Lentz/ die Nacht wird Kälte frey
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vom Winter und vom Wind/ der Wiesen Tyranney.

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Die Blumengöttin weiß den Früling schön zu malen/
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sie streicht die Tulpen auß/ daß sie so treflich stralen/
43
als keine Blume thut; Der stoltzen Liljen Pracht
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macht/ daß die kluge Frau offt in sich selbsten lacht.

45
So geht es jetzo her; der Sünden-Sold/ das Kriegen/
46
war rauhe Winterzeit; in welcher must verfliegen
47
der Erden schönste Zier; Jetzt kömmt deß Jahres Maj/
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bringt neue Majenlust und sagt/ daß Friede sey.

49
Der Raht und Bürgerschafft schickt sich in Eil aufs Beste
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zu Haus und auf der Gaß zum Freud- und Friedenfeste/
51
man drängt sich in die Kirch/ bitt Gott mit Hertz und Mund
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üm angeneme Zeit/ üm eine gute Stund.

53
Das Rahthaus wird geschmückt mit buntem Blumgepränge
54
vom goldgewundnen Grün gebunden in Gehänge/
55
mit Früchten untermengt; die Bilder
56
auf ihrer Kronen Glantz die Blumenkrone gläntzt.

57
Deß Reiches Vestung auch/ die Nero angefangen/
58
auf welcher Thorgericht viel schöne Liljen prangen/
59
die Gassen auf und auf mit Meyen sind besteckt/
60
die Strassen auß und auß mit Grasegrün bedeckt.

61
Die Sonne hatte schon den Mittelpunct genommen/
62
die Sonnen dieser Welt zum Vnterschreiben kommen/
63
die Rosse wiehern starck/ die Wägen fahren auf/
64
auf zu deß Reiches Burg mit Friedgesinntem Lauf/

65
zur Burg/ die sehr hoch ligt; wo sich der Tag hinlencket
66
und in sein Schlaffgemach mit stiller Röte sencket/
67
hier steht ein schöner Platz von Klippen üm und an/
68
von dem man Stadt und Land weit übersehen kan.

69
Der gibt der Warheit nicht viel Muß zum Feyertagen/
70
der sagt/ das Riesenvolck/ das hab zu Hauf getragen
71
die Berg auf einen Berg.
72
ein Wolckenhoher Fels/ beut trutz dem Sternen-Thor/

73
will zu Dianen hin; die mit dem Götter-Orden
74
auf diesen Felsen soll seyn angebetet worden.
75
Wann und wie/ weiß man nicht; es soll ein Bilderstein
76
der Sachen/ wie geschicht/ nur geben einen Schein.

77
Auf dieses Felsens Höh hat sich mit Vestungbauen
78
das alte Volck versehn; weil keinem Feind zu trauen/
79
wie klein er immer ist; Hier ligt ein Fürstenhaus/
80
von aussen etwas alt/ von innen auß und auß

81
erneut/ gemalt/ vergüldt; Es zieren die Gemähle
82
der Zimmer Trefflichkeit/ die wolerbauten Säle
83
sind Kunsttapetisirt. So wann ein Käiser kömmt/
84
auf dieser Felsenburg er seine Wohnung nimmt.

85
Zun Füssen dieses Bergs in aufgeführten Dächern
86
legt sich die Hofstadt ein; die dann in den Gemächern
87
deß Käisers Anbefehl kan in der Eil verstehn/
88
bald auf/ bald wider ab in seinen Diensten gehn.

89
Diß ist die schöne Burg zur Friedensburg erkoren/
90
das Himmelschöne Kind/ der Fried/ wird hier geboren
91
zu guter Stund und Zeit. Die Stände allesamt
92
verrichten ihre Pflicht und Muttertreues Amt.

93
Als nun die schöne Schar sich kaum zur Ruh gelassen/
94
und jetzt mit Gott und Glück die Feder wollen fassen/
95
den Frieden zu vollziehn/ kommt unversehens für
96
der dreygedritte Chor/ tritt für deß Zimmers Thür

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mit Geigen-Lauten-Werck/ Regalen/ Zincken/ Flöten/
98
(die Künste wissen nichts von Trommeln noch Trommeten/
99
ein Schafsdarm klinget baß als ein rauh Kälberfell/)
100
die musiciren schön und singen überhell:

101
Wir empfinden nun ein Grauen/
102
daß/ O Teutschland/ für und für
103
Krieg gewütet inner dir/
104
jetzt ist Zeit nach Fried zu schauen/
105
und sich bey den frischen Qvellen
106
mit dem Kunst-Gott zu ergehn/
107
wo dreymal drey Schwestern stehn
108
in gelehrten Bücherstellen.

109
Worzu dient das Scharmiziren
110
als zu lauter Vngemach?
111
Vnterdeß muß Pindus Bach
112
nichts als Blut und Leichen führen.
113
Wann der Krieg soll Meister werden/
114
geht Kunst auf ihr Ende hin/
115
und wir müssen ohne Sinn
116
kommen in die Nacht der Erden.

117
Holla/ mein geh/ Clio frage/
118
wo der güldne Fried mag seyn/
119
lasset uns ihn holen ein
120
sonder ferners Leid und Klage.
121
Daß wir Künste Freude haben/
122
wann der Vnfried fortgerafft/
123
fort quillt Hippocrenens Safft
124
und der Blutkrieg ligt vergraben.

125
Fort wird Gunst die Kunst belohnen/
126
daß sie nimmer bettelt nicht/
127
daß Studenten nichts gebricht
128
keiner keinen Fleiß darf schonen;
129
Gott Apollo wird aufsetzen
130
euch ein Loblied/ wie er pflegt/
131
wann er sich zu Bette legt
132
und wann sich die Sternen letzen.

133
Himmelsöhne/ Götterbrüder/
134
tuncket in das Dintenglas/
135
unterschreibt den Frieden baß/
136
daß da klingen gute Lieder.
137
So/ so werdet ihr ererben/
138
was da nimmer gehet ein/
139
werdet stets im Leben seyn/
140
müsset ihr gleich zeitlich sterben.

141
Der Adler und der Löw die wollen friedlich bleiben/
142
Meintz/ Cöllen/ Bäiern sich mit Sachsen unterschreiben/
143
Chur-Brandenburg sagt ja; der Hoch-Teutschmeister setzt
144
auch seine Feder an/ sich mit dem Kriege letzt.
145
Auch Bamberg/ Basel auch/ Pfaltz-Neuburg machen Friede/
146
die Rautenfürsten sind mit Braunschweig Krieges müde/
147
auch Würtenberg das schreibt; Die Gravent abgesandt
148
von Nassau/ von der Lipp/ vom Schwartzenburger Land
149
die gehn den Frieden ein. Die Städte Teutsches Reiches
150
die sind von Hertzen froh deß neuen Friedvergleiches/
151
in Nürnberg/ Nürnberg selbst; Stadt Cöllen/ Franckfurts Stadt/
152
Stadt Coimar/ Rotenburg/ und die den Namen hat
153
vom Brunnen/ der da heilt;
154
und Weissenburg die Stadt die lesen mit Belieben
155
der obern Vnterschrifft/ sie stimmen frölich ein
156
und geben zu dem Fried ihr letztes Jawort drein.

157
Der Friede kömmt herab von Nerons vesten Bogen
158
durch milden Himmelsschluß in Teutschland eingezogen
159
mit vester Vnterschrifft/ errettet von dem Streit
160
zwar Nürnberg/ doch zugleich gantz Teutschland weit und breit.

161
Apollo gleich ergreifft die goldgespanten Säiten/
162
läst seinen Kehlenton mit ihnen Sangweiß streiten
163
und spielet dieses Lied/ das nur auf Erden kreucht
164
und doch nach Opferdanck der Weirauchkörner reucht.

165
Die den Frieden unterschrieben/
166
will der Friedefürste lieben/
167
nichts ist ihrem Lobe gleich/
168
das auch ewiglich wird grünen
169
an der blauen Sternen Bühnen
170
und im heilgen Christenreich.

171
Durch/ durch euch/ ihr Reichesstände/
172
hat der arme Krieg ein Ende/
173
überhin ist alles Leid;
174
Seit ihr/ ach ihr Engelfrommen!
175
her nach Friedeberg seyd kommen/
176
blühet güldne Friedenzeit.

177
Deß Verhängniß Schreiberinnen
178
euren Lebensfaden spinnen
179
von dem besten Vngergold/
180
sie/ die ziehen lange Faden/
181
daß ihr lange/ sonder Schaden/
182
lebet Gott und Fürsten hold.

183
Sie wird Gott der Herr erhören/
184
daß von ihren hohen Ehren
185
die begraute Nachwelt sagt/
186
wird ihr Beystand aller wegen
187
selbsten seyn Gelück und Segen/
188
wann es nachtet/ wann es tagt.

189
Vnd wann sie nach langem Leben
190
einsten gute Nacht nun geben/
191
wird im Sarge das Gebein
192
mit den fremden Amberblumen/
193
die/ geschicket von Idumen/
194
ringsümher ümschlossen seyn.

195
Das schöne Friedensbild/ das sich hier eingestellt/
196
hat sich von mancher Stadt zusammen hergesellet/
197
zwar Nürenberg hat erst die Füsse dran gemacht;
198
die Schenckel Regensburg; die Hüfft hat Franckfurt bracht/
199
Westphalen gab den Leib; das Haubt hat heute geben
200
zuletzt auch Nürenberg/ und Gott gab ihm das Leben/
201
Damit er möchte stets bey gutem Wolstand stehn
202
und nimmer/ nimmer nicht auß diesem Leben gehn.

203
Als Noa/ der das Recht gepredigt/ müssen schweben/
204
selb acht im Tennenschiff den Wellen sich ergeben
205
ein gantz geschlagnes Jahr/ ließ er am Sontag auß
206
ein Täublein/ dieses kam üm Abendzeit zu Haus
207
und bracht ein Oelblat mit/ das sagt/ daß sich verzogen
208
deß Wetters Vngestümm; der gelb-grün-rote Bogen
209
der deutet auf den Bund. Das Schiff soll jetzt noch seyn/
210
das doch verhärtet ist/ in einem Felsenstein.

211
Ach haben wir nicht auch im finstern Kriegesfasten
212
gesessen dreissig Jahr/ da dann ohn alles Rasten
213
die wilde Kriegesflut geschlagen unser Schiff/
214
bis daß die fromme Taub den Friedenzweig ergriff/
215
trug ihn auf Nürnberg zu. Nun wird das Kriegen werden
216
zu hartem Felsenstein/ als Knochen dieser Erden/
217
und Nürnberg ist der Berg/ der Friedens-Ararat/
218
auf welchem sich der Krieg zur Ruh geleget hat.

219
Der Tag/ als Nürenberg/ Fried/ Fried/ O Zier der Länder/
220
Fried/ Fried geruffen hat/ steht höher als die Bänder
221
deß goldgestirnten Haubts;
222
wird allzeit wärhafft seyn; mit und auch nach der Welt
223
wird man von eurem Lob/ ihr Abgesandten/ sagen/
224
wie daß ihr habt den Krieg auß Teutschland weggeschlagen
225
hin iñ ein ander Land. Wo man nun Friede siht/
226
da grünet euer Lob und euer Name blüht.

227
Der abgelebte Krieg wird nun mit Pracht begraben
228
als ein Soldatenheld; die Piqvenirer haben
229
die Piqven ümgekehrt: Die Musqvetirer auch
230
die feuren auf sein Grab/ daß von deß Pulvers Rauch
231
die Stadt kaum wird erkennt; Es donnern die Metallen/
232
als wolte Berg und Thal und alls in Haufen fallen/
233
die gantze Stadt ist auf/ gibt Feuer in die Lufft
234
und überlaut/ Fried/ Fried/ in allen Häusern rufft.

235
Die Sternen halten selbst dem Mars ein Leichgepränge/
236
sie finden sich zum Leid und klagen in der Menge;
237
Es ist gantz schwartz bekleidt der Allmacht weisses Buch/
238
Orions blancker Schild hüllt sich in Trauertuch;
239
Alcides wirffet hin den Stecken und die Keule/
240
Perseus stecket ein den Degen mit Geheule/
241
verdeckt Medusen Haubt; das Drachen Haubt erschrickt/
242
der krumgebogne Schwantz der Schlangen ligt zerstückt.

243
Indeß der Engelvolck sich läst in Lüfften hören/
244
singt: Fried/ Fried/ Fried auf Erd auf tausend Frieden-Chören
245
den Frieden-Lobgesang. Man fängt auf Erden an
246
mit hellem Glockenklang zu läuten/ was man kan;
247
Auf Türnen üm und üm die grossen Glocken klingen/
248
auf Thoren hin und her die grossen Stücke singen/
249
der Stückenknall dem Krieg zum letzten Ehren knallt/
250
der Glockenhall dem Fried zum neuen Eintrit hallt
251
durch eine gantze Stund. Die frohe Sonne wolte
252
nun fast zu Bette gehn; diß Rund ihr folgen solte/
253
es sollt und wolte nicht. Es ließ sich freudig auß
254
das fromme Friedenvolcks/ lief in in Gottes Haus
255
und danckte seinem Gott/ der von verwichner Plage
256
sein Salem einst erlöst/ bey spat verblichnem Tage.
257
Hier/ wo der Edle Raht zu Rahte täglich gehet/
258
ein neugebauter Chor/ der Friedausbläser/ stehet
259
mit Bircken schön begrünt; die Trompter trompten auf/
260
die Kesselpaucke pauckt/ ein jeder nimmt den Lauf
261
auf diesen Friedenton; der Fried wird außgeruffen/
262
die Trompter trompten fort/ die Kupfertumlen puffen
263
die Gassen durch und durch; die Bürger ruffen laut/
264
willkommen Götterkind/ willkommen Himmelbraut.
265
Wie wann Gott Wolckenab mit Segengüssen regnet/
266
den Printz und dessen Land mit einem Printzen segnet/
267
wird alles neugeborn; die Freud ist mehr als groß/
268
man pauckt/ man trararat; Man lässt Gefangne loß/
269
die Cantzeln dancken Gott/ Poeten wünschen Glücke/
270
die Bürger ziehen auf und geben in die Stücke
271
dreyfache Salvenfeur; Diß alles geht hier vor/
272
nachdem das Himmelkind/ der Fried/ im güldnen Flor
273
war kommen in die Welt.
274
Wer diß und das verbrochen/
275
wird von der Folterbanck und Hencker loß gesprochen/
276
daß er nicht lesen darf mit Schrecken/ Furcht noch Graus/
277
was angeschrieben steht in jenem Marterhaus
278
mit Schwartz auf weisse Wand. Wie wann von Raubgaleen
279
ein eingeschlagner Sclav dem Ruder kan entgehen/
280
die Fessel froh wegwirfft.
281
So lässt sich freudig auß/
282
gantz Nürenberg das geht hinauf in Gottes Haus;
283
Der Hüter/ Hüter! fragt/ hat sich die Nacht verkrochen?
284
Der Hüter/ Hüter! sagt/ der Tag ist angebrochen
285
deß mehr als güldnen Frieds! der Threnenfluß der fleust
286
und häuffig sich vor Freud auß allen Augen geust.
287
O schöner Tag/ der du entbürdest Kriegesbürde/
288
Ach daß dein Denckmahl Ach! in Bley gegraben würde
289
mit einem eisern Keil! die Feder müsse seyn
290
ein scharfgespitzter Stahl/ Papyr ein Felsenstein!
291
Diß ist/ diß ist der Tag/ den uns der HERR gegeben/
292
wolan/ so lasst uns ihn mit Frölichkeit durchleben!
293
Diß ist der Tage Tag/ diß ist die Zier der Zeit/
294
der billich wird verbracht mit eitel Frölichkeit.
295
Der Kirchen Orgelwerck/ das an Gewölben schwebet/
296
wird von dem Friedenwind vom neuen als belebet/
297
der Pfeiffen schöne Rey die heisset Friede seyn/
298
wieviel ihr immer sind/ so stimmen sie doch ein.
299
Sie tönen Himmelan von neuen Friedenliedern/
300
es singt der Kirchenleib vom Friede mit den Gliedern/
301
Fried/ Fried/ die Flöte flöt/ Fried/ Fried der Zincke schreit/
302
Fried/ Fried/ die Laute laut/ Fried/ Fried/ Fried melodeit
303
der gantze Sängerchor; So gar kan auch der Geigen
304
ihr unbelebtes Holtz den Frieden nicht verschweigen/
305
die Säite säitet Fried: Es müsse Friede seyn/
306
so lange friedlich gehn der Sonn- und Monden-Schein!
307
Der Sohn wird fort zum Grab den alten Vatter schicken/
308
den Vatter nicht deß Sohns verblaste Leiche schmücken/
309
wiewol bisher geschehn. Nun/ nun ist Fried gemacht/
310
dadurch der Tod fast selbst wird in das Leben bracht.

311
Es sagt der Tichtervolck/
312
daß in dem Götterhaus zwey grosse Vässer ligen/
313
auß einem alles Gutes fleust/
314
das andre lauter Böses geust.
315
Als jüngst ein Wolckenbruch ist Himmelab geflossen/
316
sind durch die dünne Lufft auch Erdenab geschossen
317
das Vas/ das alles Gutes geust/
318
das Vas/ aus welchem Böses fleust.
319
Der Löw das böse Vas mit Spünden hat verschlossen/
320
das Gute zäpfet an der Adler/ daß gegossen
321
das angezäpfte gute Vas
322
pur lauter gutes Friedennaß.
323
Die Wag wigt recht nach dem Gewichte/
324
kein Spis gilt nimmer im Gerichte/
325
der Fried ist Mauer/ Bürger/ Stadt/
326
in der er Bürger-Stadt-Recht hat.
327
Auch auß begrabnen Pickelhauben
328
nun wachsen Aehren/ Obst und Trauben/
329
Auf Schnitter/ zu der Sichel greiff/
330
der Fried ist mit den Aehren reiff!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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