Zuschrifft

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Johann Klaj: Zuschrifft (1636)

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Kein Etna hat also gehitzet und gebrant
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als von der Kriegesglut das edle Teutsche Land
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nun in die dreissig Jahr; Er speye gleich Salpeter/
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Pech/ Schwefel/ Kohlen/ Hartz; der Himmel werde röter/
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ob dieses Brenners Dampf; Der Ochsen Müh verheert/
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der Ochse mit dem Heu/ Vieh/ Futter/ aufgezehrt;
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Die Städte stehn in Furcht/ die Dörfer in den Flammen/
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das halb erstorbne Volck das raffe was zusammen
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und lauffe/ was es kan/ der Weiber Zehrenflut
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fließ häuffig/ läuffig ab/ als wolte sie die Glut
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verleschen/ die nichts lescht. Das Teutsche Kriegesfeuer
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hat zehnmal mehr gebrennt/ mit wildem Vngeheuer
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entzündet alle Welt/ unschwesterlich gehaust/
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daß einem/ der es sagt und der es höret/ graust.
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Kein Mensch/ kein Engel nicht die Glut entwerffen könte/
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wanngleich das Himmelblat Papyr/ das Weltmeer Dinte/
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der Wald ein Schreibezeug. Kein Regennaß hier lescht/
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wie sehr es immer tropft/ wie starck es immer wäscht.
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Ach! Mutter Teutschland rufft: Ich bin im Brand versuncken/
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ist niemand/ der mich trüg auß Schwefelblauen Funcken?
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Hebt auf und tragt mich fort/ greifft unbesorget an/
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der Eltern liebt und trägt/ kein Feuer schaden kan/
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wie liechterloh es brennt. Die Gluten müssen weichen
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dem/ den die Mutter liebt. Sie geben gar ein Zeichen
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der Lieb zur Mutterlieb; Wie jenem Brüderpar/
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das hertzhafft auß dem Schwal deß Vatters graue Har
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der krummen Mutter Hals üm ihre Hälse schluge
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als eine süsse Last auß Etnens Feuer truge/
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als ihres Reichthums Gut; die Flammen machten Weg
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auß Furcht der Gottesfurcht. Der Erdbau bahnte Steg/
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damit das seltne Thun auf ewig möchte bleiben/
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in Bücher und in Stein durch kluge Hände schreiben;
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Wie man denn diesem Par ob treuer Kinderpflicht
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Gedichte hat Gedicht und Seulen aufgericht.

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Diß habet ihr gehört/ ihr Teutschen Gottes Degen/
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weil nun die freche Glut nicht allerdiengs zu legen/
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so habt ihr aufgefast das liebe Mutterland
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mit Sorgen/ Schweiß und Fleiß getragen auß dem Brand.

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Auch Teutschland grämet sich nit über seine wundẽ/
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erfreut sich mehr/ daß sie so liebe Söhne funden/
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die Salb und Plaster bracht. Als ich vorgestern saß
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unnd diese Frieds Geburt Druckfertig überlaß/
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kam sie selbsten/ bate mich/ daß ich sie solte geben
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Euch und auch euren Ruhm/ so hoch ich könt/ erheben.
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Was solt ich thun? Ich sprach: Ach Mutter/ was ich thu/
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das trifft bey weitem/ Gott! nicht ihrem Wunsche zu;
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ja/ were Wollen Thun/ und Wort vor Wercke nemen:
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Pflegt doch/ sprach sie/ der Zevs kein Opfer zu beschämen/
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das Korn für Thierblut bringt. So nemet dann diß Pfand/
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weil es die Mutter heisst/ von ihres Schülers Hand/
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der dieses Demutvoll in eure Zimmer träget
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mit tiefstem Kniegebeug zu deren Füssen leget;
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Hier ist nicht Wörterzier/ viel minder Rednerpracht/
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Gehorsam nur/ der baß/ als wann man Opfer schlacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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