Tviskons Teutsches Volck/ (wann es in seinen Wercken

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Johann Klaj: Tviskons Teutsches Volck/ (wann es in seinen Wercken Titel entspricht 1. Vers(1636)

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Tviskons Teutsches Volck/ (wann es in seinen Wercken
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ein und das andre Thun im Wercke wollen stärcken/
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das standhafft bleiben soll) hat sich zu Hauf gesetzt/
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mit einem Freudentrunck enthertzet und ergetzt/
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da dann ein jeder frey/ das Klare war/ gesaget/
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und zur Besteiffung deß noch einen Tag betaget/
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die Lincke hielt das Schwert/ deß Krieges noch nicht müd/
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die Rechte hub den Krug und trunck eins auf den Fried
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bis auf das Hertz hinein; Da gieng es auf Vertrauen
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und Teutschen Glauben hin; Vnd daß mehr drauf zu bauen
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ward Stirnen-Aderblut
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der Wein der setzet sich/ das Safft deß Lebens gischt;
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Der Wein der gehet ein auf ein geruhig Leben/
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das Blut soll noch mehr Blut und neue Wunden geben/
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es gilt jhm alles gleich/ Blut oder Rebenflut/
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die Rebenflut macht Fried/ Blut dürst nach anderm Blut;
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Da saß der Teutsche Raht
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langhärig üm das Haubt mit Fellen überhäret;
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Der/ deß Gesicht durchnarbt deß Sebels wilder Pflug/
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statt seines Alterstabs noch eine Piqve trug/
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so/ daß das Alterthum im minsten sich entrüstet/
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weil es nicht kämpfen kan/ nach Kämpfen doch gelüstet/
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da dann der liebe Wein hat manches Haubt gefüllt/
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viel Widerwertigkeit und manchen Krieg gestillt.
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Offt hat ein Abendmal was Widriges vereinet/
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wann vielmal heist ein Streit/ der doch ein Streit nur scheinet/
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der Jüde saget recht:
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so wird der alte Groll gehemmt und Lieb erweckt.
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Es ist wol eh geschehn/ daß durch die Gastereyen
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sich gütiglich vereint ein heftiges Entzweyen:
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Rudolph von Habsspurg lag
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und suchte seinen Feind/ der in dem Mönchs-Gezelt
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Sanct Gallen sich verhielt. Er Rudolph hoher Sinnen
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gedachte mit dem Fried/ als Krieg/ mehr zu gewinnen/
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gieng unbewehrt zum Abbt in seine Zell hinein/
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im Willens diese Nacht sein lieber Gast zu seyn;
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Der Abbt/ der Tafel hielt/ der hieß ihn seyn willkommen/
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man aß/ man trunck herüm/ der Krieg ward weggenommen/
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das unverhoffte Mal hub auf den alten Streit/
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verjüngte neuen Bund und neue Friedenzeit/
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wie diese beyde dann die Waffen aufgehencket/
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und alle Feindlichkeit in Bodensee versencket;
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Es wird ein Spiel gespielt/ ein Geist die Teutschen rührt/
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nur auf den Schauplatz wird ein andres Par geführt.
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Die Zier und Trost der Zeit ein hohes Haubt der Christen/
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dem sich die Meeresflut und Erd zu Diensten rüsten/
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Gustav Carl/ Grav der Pfaltz/ den Norden hergesandt/
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zu stillen Stadt und Dorf/ zu stillen Meer und Land/
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gab dißfals auch an Tag/ daß freylich ein Gemüte
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zur Einigkeit geneigt
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als von der Gall erjagt; Der hielt ein Friedenmal
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in einer Frieden-Stadt/ auf einem Frieden-Saal.
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Die Sonne gieng bergab
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man sah sich Lust mit Lust/ mit Freude Freude jagen/
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das frohe Volck der Welt schnidt/ führte Garben ein/
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gieng Wild und Vögeln nach/ brach Aepfel/ lase Wein
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und was der Herbstlust mehr; Es war die Zeit der Zeiten/
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da man kan frölich seyn bey süssem Most und Saiten;
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Der Gastort ward benimmt/ der Gasttag ward betagt/
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durch hohe Cavalier/ als Lader/ ümgesagt.
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Es wird das Nürenberg/ wie groß es ist/ durchritten
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von denen/ die zum Fried
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der Hoch
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er brühet/ siedet/ kocht und brätet/ was er kan/
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als käme Jupiter auß seinem Stern-Palaste/
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auf dieses Göttermal als Göttergott zu Gaste/
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und weil Irene sich/ wiewol noch unbekand/
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üm hiesige Revier/ im Elends-Stand/ befand/
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als ward auch sie ersucht/ mit eiverheissen Flehen/
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weil alles meistentheils auf sie war abgesehen/
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auf sie/ die Fräulein Fried Die zwar Bedencken trug/
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und doch deß Gastherrn Bitt imminsten nicht abschlug;
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Trara/ pump/ biedepump/ Trompeten/ Paucken rasen/
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nun ist es Tafelzeit/ man hört zur Tafel blasen/
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seht/ seht/ der Friede kömmt/ das Engelschöne Bild/
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der Gottgeschickte Fried blinckt wie das Sonnenschild
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mit eitel güldnem Flor gantz Himmlisch angezogen/
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sein schönes Haubt ümzirckt deß Bundes bunter Bogen
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grüngelbroht außgemahlt; Die Lincke hält ein Horn
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mit Trauben angefüllt/ Granaten/ Blumen/ Korn
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und Oelbaum-Laub ümlaubt; Die Rechte trägt die Scheiben
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deß blancken Sternen-Heers/ die stetig friedlich bleiben
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in ihrem Kugelpfad. Die Fräulein wurd geschmückt/
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ein jedes Thier zur Zier ihr was Besonders schickt.
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Das Waldvolck drunge sich/
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ein jedes wolte seyn dem andern vorgezogen/
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sie brachten Friedgeschenck/ von Kunst/ von Seltenheit/
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der Danck pflicht eingedenck ob neuer Ruhe Zeit.
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Der fleck gescheckte Luchs der Fräulein zum Gefallen
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bringt von dem Caucasus die treflichsten Crystallen/
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der Greif ergreiffet Gold auß einer güldnen Welt/
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dem unsres nicht dem Strich noch Gegenwage hält.
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Der Venus Taubenpar entfremdt dem spaten Lentze
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der fremden Tulpen Glantz und Monat-Rosenkräntze/
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der Krannich/ der gesiegt/ die Männlein hat erlegt/
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deß roten Meeres Frucht Corallen-Bäumlein trägt/
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der Schwan bringt von dem Po/ das er weiß abzuropfen/
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den Fried zur Halsgeschmeid Elecktrens gelbe Tropfen/
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der Phenix wolbejährt bringt von dem eussern Ost
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in seinem krummen Fuß deß Zimmets teure Kost;
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mit diesem ist der Fried nun zierlich angekleidet/
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wer nur die Fräulein siht/ an ihr die Augen weidet.

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Die Cantzeln kommen ihr mit feurigen Gebeten/
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mit loberfülltem Mund entgegen bald getreten
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das Rahthaus und der Marckt/ und jedes Bürgerhaus
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begrüsset ihn erfreut und brichet folgend auß:

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1. deß Herrn General Leutenants
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2. deß Herrn Pfaltzgraven und Churf. Carl Ludwigs Durchl.
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3. deß Herrn

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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