Wann eine Brunst entbrennt und reisset auß den Dächern/

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Johann Klaj: Wann eine Brunst entbrennt und reisset auß den Dächern/ Titel entspricht 1. Vers(1636)

1
Wann eine Brunst entbrennt und reisset auß den Dächern/
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trägt man und wirffet auß/ läufft gar auß den Gemächern/
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wann jetzt die Flamme flammt; es lodert Dampff und Tufft/
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die Sternen sehen zu und flammen in der Lufft;
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das Feuer feyret nicht/ ist gleich die Stadt zu Bette/
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so tönt der Glockenschlag/ es rufft die Gluttrompette/
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die Paucken paucken Lerm/ es pochet Haus an Haus/
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die Bürgerschafft steht auf und hänget Feuer auß:
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Die Türner stecken auß die rote Feuerfahne/
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der Capitan ergreifft die blancke Partisane/
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die schöne Reuterey in schöner Ordnung steht/
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ein jeder rüstet sich/ auf seinen Platz hingeht.
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Man fähet an mit Macht das Feuer zu bestreiten/
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führt Wasserkünste zu/ man sprützet aller Seiten/
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bringt Leitern/ Hacken dar/ steigt/ klettert auf das Dach/
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reisst Nebenhäuser ein/ zergäntzet Dach und Fach.
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Ach Glut/ die hat geglüt; die Sonne/ die viel heller
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als sonst der Sternen Chor/ gleicht einem Feuerteller/
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wirfft Feuerkugeln auß/ die Teutschland aufgezehrt/
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daß es mit Besemen zusammen wird gekehrt.
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Laufft zu/ lescht/ lescht; ümsonst/ mit seinen Sünden kämpfen
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und herrschen über sie; kan Sündenfeuer dämpfen
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kein Fischbach leschet so die schwefelgelbe Glut/
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als wann ein Regen fällt von Bußbethrenter Flut.
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Ach Teutschland steht/ beweint mit Schaden ihren Schaden/
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als wolte sie sich gantz im Threnenbade baden.
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O Himmelskäiser hilf/ hilf/ hilf/ hilf Erdengott/
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errette mich auß Noht/ Tod/ Kot/ auß Angst und Spott.

29
Gott/ du bester Kriegzerbrecher/
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mache Fried/ Fried/ es ist Zeit:
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Mein Reich wird ja stündlich schwächer
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durch den Länderfresserstreit.
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Ach ich bin deß Krieges müde/
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Friedenmacher mache Friede.

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Ihr/ ihr hohen Potentaten/
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Haubt und Glieder/ Groß und Klein/
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helfet doch zum Friede rahten/
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lasset doch die Titel seyn.
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Lasset alles ungerochen/
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was man hat bisher verbrochen.

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Ich bitt euch üm Gottes willen/
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stecket doch die Degen ein/
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daß sich Meer und Länder stillen/
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daß die Strassen werden rein.
45
daß man kan zu Wasser handeln/
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sicher auf die Messen wandeln.

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Seit man Kriegen hat getrieben/
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Land und Stand geblasen an/
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sind nur auf der Wahlstatt blieben
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hundert tausend tausend Mann.
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Was für Mord hat man erfahren
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in den dreymal zehen Jahren?

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Wieviel tausend sind verloren
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hier zu Wasser/ dar zu Land/
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wieviel tausend sind erfroren/
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wieviel tausend sind verbrannt/
57
wieviel tausend sind geblieben/
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die der Hunger aufgerieben?

59
Was ist sonst im Feld gestorben
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von der Peste/ von der Ruhr/
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wieviel tausend sind verdorben/
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ohne Labsal/ ohne Cur/
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wieviel haben auf der Strassen
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müssen Leib und Leben lassen?

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Wäisen/ Witwen/ Jammerlächtzen
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ohne Vatter/ ohne Mann/
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Witwen wie die Tauben ächtzen/
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Wäisen Fremden unterthan/
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essen Threnenbrod mit Wimmern
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und sich fast zu Tode kümmern.

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Die/ so zu Gottesburg die Hertzensschmertzen schicket/
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in Wolckenheller Lufft ein neu Gesicht erblicket/
73
das Englische Gedritt sich hin und wieder schwingt/
74
so Teutschland gute Post vom Krieges Abzug bringt:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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