Ja/ was wolt ich abhandeln?

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Johann Klaj: Ja/ was wolt ich abhandeln? Titel entspricht 1. Vers(1636)

1
Ja/ was wolt ich abhandeln?
2
Worvon wolt ich reden?

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Es ist ein Gott in uns/ ein Geist/ wenn der sich reget/
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Brent unser Geist auch an/ und sich wie Gott beweget.

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Wie der Poet die Tafel nimt zur Hand/
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Vnd suchet das/ was nirgend ist im Land/
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Vnd findets auch/ der macht/ daß Läpperey
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Der Unwarheit der Warheit ähnlich sey.

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Was sol uns jetzt der Streit/ mit Pfeilen/ Pfriemen/ Stökken/
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Vnd der bepralte Sturm mit Thürnen und mit Bökken/
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– – – – – wir haben in die Schlacht
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Den Donner selbst geholt/ den Blitz darein gebracht/
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Der Glut und Eisen speyt/ für dem die Mauren fallen/
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Die Thürne Sprünge thun/ Gebirg und Thäler schallen/
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Das wilde Meer erschrikt/ wir mischen uns zusammen
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Die Elemente selbst und fordern mit den Flammen
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Das blaue Himmeldach/ so gantz bestürtzet steht/
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Wann unsers Pulvers Macht dem Feind entgegen geht.

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– – – – Wie Etna/ wenn er streuet
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Die Flammen in die Lufft/ und siedend Hartz ausspeyet/
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Und durch den holen Schlund bald schwarze Wolken bläst/
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Bald gantze Klüfften Stein und Kugeln fliegen läst.

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– – – Das bleiche Meer ergrimt/
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Es fühlt den scharfen Nord/ der alle Sonne nimt/
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Vnd macht den Tag zu Nacht/ die trüben Wellen toben/
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Der Wolken Vnmuht geust noch eine See von oben/
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Hingegen diese See klimt auf/ und Himmel an/
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Des schnellen Blitzes Glantz führt eine liechte Bahn
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Durch das gesaltzne Meer/ der Donner holt zusammen/
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Sein Schrekken/ Furcht und Angst/ und schmeltzt mit rauen Flammen
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Den sehr erhitzten Schaum/ die Luffte suchen Lufft/
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Das Schiff steigt bald empor/ und fält bald in die Klufft
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Der Erden/ die es fleucht: – – –

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Unser edler Spielender besinget die Kummerwenderin/ die Laute/ wunderschön:

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Hört dieses Wunderspiel/ des Himmels Gegenhall/
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Ein unbesintes Holtz/ das unsern Sinn erreget/
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Es tönet im Gehör der Lufftvermengte Schall/
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Die tode Säite lebt/ sie bebet und beweget/
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Durch Kunstgeübte Hand/ wie kan der Faden klingen:
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Der leere Lautenbauch füllt unsre Ohren an/
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Den wilden Tigermuht kan dieser Finger zwingen/
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Ist auch ein Meisterstükk/ das diesem gleichen kan?

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Lasset uns/ lasset uns schauen im Garten/
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Mindern der güldenen Tulipen Zahl/
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Wollen wir arme noch morgen erwarten/
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Sind wir nicht sterblichen allezumal/
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Auf/ eilet zu gehen/
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Die Blumen entstehen/
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Der Winter bald komt/
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Die Felder bereiffet/
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Die Wiesen zerschleiffet/
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Alte behägliche Lust uns benimt.

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Wie standhafft auch darinn der Reinach sich gewehret/
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Bis daß man Pferd und Hund und Katzen aufgezehret/
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Auch ungeschlachte Häut und rohes Leder gessen/
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Die Leut einander selbst ermordet und gefressen!
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Die Matten schlepten nur für Hunger ihre Glieder/
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Man sah sie für Gespenst und nicht für Menschen an/
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Vnd wenn sie einen Schuß aus aller Macht gethan/
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So fielen sie darvon samt den Musqweten nider.

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Wie sahe man ihn da die freye Hand erschwingen/
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Jetzt mit gezuktem Rohr/ jetzt mit entblöstem Schwert/
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Und/ wo er hingewandt das Streitgewohnte Pferd/
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Den Seinen neue Krafft den Feinden Schrekken geben:
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Das blankgeführte Schwert den Geber vieler Siege/
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Das in des Sachsen Faust den Feinde machte bang/
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Und dann der schwartze Hengst/ der mit dem stoltzen Gang
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Und mutigem Galop anzeigte/ wen er trüge.

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D. Flemming in der Reise nach Persien erzehlet einen Schiffbruch nicht sonder Mitleiden:

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Der sichre Steuermannthat fast/ als ob er schlief/
71
Bis das verirte Schiff mit allen Segeln lief
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Auf Oelands harten Grund: Ach möchten wir nur sehen/
73
War aller unser Wort/ Ach wie wird uns geschehen:
74
Ein jeder fiel erblast auf sein Gesichte hin/
75
Ein jeder ruffte laut: Hilf Jesu/ wo ich bin!
76
Das Schiff/ das obenher von Winden war zerrissen/
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Ward von der Fluten Macht nun unten auch geschmissen/
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– – – Das Rohr sprang plötzlich ab/
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Hier sahen wir den Tod/ hier sahen wir das Grab.
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Der Kiehl gieng morsentzwey/ mit Krachen und mit Schüttern/
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Die Palnken huben an zu zittern und zu splittern/
82
Die See brach häuffig ein/ das tode Schiff ertrank/
83
Das leuchte Gut floß weg/ das schwere das versank.

84
Der Schlesische Poet Tscherning hat ein lustiges und possirliches Hündlein also besungen:

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Freude des Herren und Liebe der Frauen/
86
Keiner kan ohne Gelächter dich schauen/
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Weilen du/ balden die Tafel gedekt/
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Bringest dem eigene Schüssel getragen/
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Lächerlich ist so sie jrgend verstekt/
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Das eivrige Suchen/
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Das hungrige Pochen/
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Behägliches Springen/
93
Das freundliche Ringen.
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Und wie er etwan ferner schertzet.

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Zu Rom wird alle Jahr ein neuer Raht erkoren/
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Ein König und Poet die werden nur geboren.

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Wolt Alexander wol einschlaffen mit Vergnügen/
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So musten Buch und Dolch zu seinen Häubten ligen.

99
Ey hört den Kömermann von mir so herrlich sprechen/
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Bloßmein Getön/ mein Laut/ kunt jede Feinde brechen/
101
Die Tugend nam aus mir den Donner in die Hand/
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Da schwang sich das Gewehr/ da bebten Leut und Land.
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Schau den bemahlten Schild in festen Händen drönen/
104
Den Pral die Löwenstimm/ das Feldgeschrey/ das Tönen
105
Sich wirbelt hoch hinauf bis zu der Wolken Gang/
106
Dem Römer wider mich wurd angst und Hasenbang.

107
Auf ihr Edlen Teutschen/ aufhochgeehrte greise Helden/
108
Fördert unsrer Sprachenschmuk/ man wird euren Ruhm vermelden/
109
Wo der grosse Karel stehet/
110
Der auf liechten Sternen gehet.
111
Auf ihr alten Teutschen auf/ auf hochgeehrte greise Helden/
112
Liebet unsrer Sprachen Zier/ man wird euer Lob vermelden/
113
Wo der Käiser Rudolf stehet/
114
Der auf blanken Sternen gehet.
115
Auf ihr grossen Helden/ auf folget euren Teutschen Ahnen/
116
Hier könt ihr euch einen Weg zu der Ewigkeit hinbahnen/
117
Daß man wird auf vielen Chören
118
Nürnberg/ Nürnberg rühmen hören.
119
Liebet die lieblich vergnügende Sprach/
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Deren Vermögen keine zugleichen/
121
Deren Bewegen andere weichen/
122
Keiner kömt ihrer Geschiklichkeit nach.
123
Ich hab es gewagt/
124
Am ersten zu singen
125
Von Himmlischen Dingen/
126
Jetz hab ichs gewagt
127
Die Rede zu bringen
128
Und lassen erklingen/
129
Was Teutschen behagt/

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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