1
Heult nicht Nordenwind! der rauhe Felderfeind/
2
Das Goldgestralte Liecht zweymal vier Stunden scheint/
3
Der Flüsse Strand besteht; wo vor die Segel flogen/
4
Knirscht ein belastes Rad; der Wald hat außgezogen
5
Sein grünes Sommerkleid; das nasse Fichtenpferd
6
Ligt in den Hafen dort; es sitzet üm den Herd
7
Der brache Schäferman; der Wintzer hat gedekket
8
Die Fechser/ und der Stock liegt Ellentief verstecket/
9
Was macht ein Musensohn so manche lange Nachts?
10
Ein Vers/ den Dunkelheit hat an den Tag gebracht/
11
Ist dunckel von Geburt! der kan der Kälte lachen/
12
Der Feuer bey sich hat/ im Fall er pflegt zu machen
13
Ein Lied/ das geistig ist! durchsucht des Jahres Lauf/
14
Weil auch ein kalter Wind die Flamme bläset auf/
15
Die Sinn und Kunst erhitzt; wie mich denn unlängst triebe
16
Vom Kachelofen weg der freien Freiheit Liebe.
17
Ich gieng den alten Pfad nicht zwar wie vor im Klee/
18
Es knarplet unter mir der hartgefrorne Schnee.
19
In dem fleugt Vater Jaan aus düstrer Winterlufft
20
Vnd schreyet: hör! hieher! Ich sehe/ wer mir rufft.
21
Der zwey gestirnte Gott/ stund da mit rohten Ohren
22
Es war jhm Haar und Bart wie Felsenhart gefroren/
23
Sein Kleid war durch und durch vor Kälte Kreidenweis/
24
An seinem Schlüssel hieng ein grosser Zapfen Eis.
25
Er sprach: wohin? wohin? jetzt ist hier nichts zu schauen/
26
Jetzt blüht kein Rosenstrauch/ jetzt feyren/ Berg vnd Auen/
27
Vnd wie die Sage geht/ so freyet Pusch und Wald/
28
Es buhlet Stamm und Ast/ Kraut/ Wurtzel/ jung und alt
29
Vm diese Weyhnachtzeit. Wie? wiltu Rosen brechen/
30
Ich weiß derselben drey/ die kanstu sonder stechen
31
Abpflükken/ wann du wilt; die hegt ein güldnes Feld
32
Nechst hohem Purpurglantz in jenem Winterzelt.
33
Die Farben und die Zahl beloben kluge Sinnen/
34
Des Glükkes lieben Sohn/ den Schutz der Pierinnen;
35
Gold ist die Gottesfurcht/ das Liechte Purpurroht
36
Ein Leben ohne Fehl/ Gedult in Creutz und Noht.
37
Ich hörte zu: er sprach: es läst sich hier nicht stehen/
38
Die Lufft schneidt schaurig scharf/ wir wollen vorbaß gehen.
39
Es ist nicht weit von hier des Gartens Scherbenhaus/
41
Die Lorbern falben nicht/ es leuchten Pomerantzen/
42
Es bleiben unversehrt weithergebrachte Pflantzen.
43
Hör an und setze dich; der Blumen Ruch verdirbt/
44
Herr Schmidmayr/ dieser Herr/ und sein Lob nimmer stirbt.
45
Es war ein schöner Zank alsbald bey seiner Wiegen/
46
Da ihm ein jeder Gott wolt an der Seiten liegen/
47
Sie drungen sich üm ihn; Apollo goß ihm ein/
48
Der süssen Künste Milch/ den klaren Götterwein;
49
Mars nam ihn auff den Arm und mehrmal ihn beküste/
50
Frau Swada leget ihn an ihre weisse Brüste/
51
Er war von Kindheit an mit Götterkost gespeist/
52
Die Febusvolk ernehrt und von dem Pindus fleust.
53
Er wuchs sehr lieblich auf/ Verstand kam vor den Jahren/
54
War jung/ an Klugheit alt/ und reiste nach den Wahren
55
Der theuren Wissenschaft; Paris der Erden Ruhm/
56
Die Sittensäugerin/ der Weißheit Eigenthum/
57
Nam ihn mit Freuden auf/ denn zog er nach der Schulen/
58
Wo die drey Huldinnen mit dreymal dreyen buhlen/
59
Des Mavors Dummelplatz/ der Belgen Städte Liecht/
60
Wo man die Fahnen schwingt/ wo man die Lantzen bricht.
61
Daher die Pallas noch im gantzen Küris gehet/
62
Weil ein gelehrter Kopff schön in der Rüstung stehet.
63
Ein auserlesnes Buch/ ein dummelhafftes Pferd/
64
Verbrüdern sich gar wol/ sind gleicher Ehren werth.
65
Der Degen schützet zwar des Helden Leib und Leben/
66
Doch muß der Federbusch hoch ob den Degen schweben/
67
Wird der geharnschte Mars der Pallas beygelegt/
68
Ein Kunstgeübter Sinn/ der Ritterspiele hegt/
69
Verdoplet Lob und Lust; wie
70
In einer Stirn gefühlt; die Faust von vielen Siegen
71
Die hat hernach das Werck selbst zu Papyr gebracht/
72
Die Feder hat das Schwerd/ diß jenes groß gemacht.
73
Herr Schmidmayr stirbet nicht/ viel minder seine Gaben/
74
Die ihn in diesem Stand sehr hoch erhaben haben/
75
Es ist ja seine Lust ein ritterliches Schwerd/
76
Der Ball und das Raquet/ ein wolgewandtes Pferd/
77
Ein blankgezognes Rohr das niemal nicht versaget/
78
Vnd durch das Kraut das Loht hin in das schwartze jaget/
79
Ein leichtgefüster Hund/ der manchem Wild nachsetzt
80
Und/ was er nur erspürt/ durch Strauch und Stauden hetzt/
81
Bis daß er es erwürgt. Denn zu bequemen Zeiten
82
Gejaget/ angestelt ein Freundgesintes streiten/
83
Ist zugelasner Krieg; die kühne Jägerhand
84
Entzündet Blut und Muht/ schärfft Urthel und Verstand.
85
Wie liebt er nicht den Herrn/ dem keiner leichtlich gleichet/
86
Und/ wie man sonsten sagt/ nicht wol das Wasser reichet/
87
Der viel gelesen hat und list noch täglich viel/
88
Dem auch die schwerste Frag ein leichtbeliebtes Spiel.
89
Laß sonsten alles seyn/ wodurch er möchte grünen/
90
Gedenk an jenes Buch der treflichen Rabbinen/
91
Das jüngst durch seine Gunst des Tages Liecht erblikt
92
Und seines Namens Ruhm in alle Welt geschikt.
93
Was Opitz aufgebracht/ pflegt er mit Lust zu lesen/
94
Das bey dem Teutschen Volck vom Anfang her gewesen/
95
Dann ihm nicht unbewust/ daß alles hier vergeht/
96
Nur ein Poetenfreund und ein Poet besteht.
97
Ein ausgeputzter Reim und Kunstgebundne Schrifft
98
Die sind des Todes Tod/ des Gifftes Gegengifft.
99
Stirbt ein Poetenfreund/ bleibt der Poet nur leben/
100
So kan er mit dem Vers das Leben wieder geben.
101
Der Rosen safft vertreibt der schwartzen Gallen Wust/
102
Ein Vers den Unverstand und gibet Hertzenslust.
103
Die Rosen stärcken auch das Haubt und schwache Glieder:
104
Ein aufgeflamter Vers bringt Geist und Stärcke wieder.
105
Wann jetzt die strenge Lufft streicht über Berg und Thal/
106
So steht der Rosenstrauch entblösset Blätter kahl:
107
Die Rosen gelblichroht im kalten Jenner gläntzen/
108
Ihr bunter Rock der stralt im Hornung und im Lentzen/
109
Die Rose zeucht den Mund und Augen an sich hin/
110
Ein Vers die Rose selbst/ Hertz/ Muht und allen Sinn.
111
Mein gib ihm diß Papyr/ und meinentwegen grüsse/
112
Sag/ daß ich seine Hand mit Teutscher Treue küsse;
113
So sagte Vater Jaan/ und kam nicht mehr zu Liecht/
114
Ich sah dem Alten nach/ er warf mir ins Gesicht
115
Den hartgebalten Schnee. Weil Ihr dann Künste liebet/
116
Nemt/ was im Neuen Jahr euch alte Liebe gibet.