Menschenunleidliches Leiden leidet der gemenschte Gott

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Johann Klaj: Menschenunleidliches Leiden leidet der gemenschte Gott Titel entspricht 1. Vers(1636)

1
Menschenunleidliches Leiden leidet der gemenschte Gott;
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Gott/ der Mensch und Menschenheiland/ dultet undultliche Noht:
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Er schwitzet Blut und Krafft; Ihn fassen Fessel-Ketten/
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Vns von Blutverschuldter Schuld und des Falles Fall zu retten
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Daß wir möchten seyn befreiet von der Höllen Jammerhafft/
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Wird das Lämlein angeklaget; Es leidet Hon und Schmach/
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Daß des Teufels Sündenschulden wird ein ausgesünte Sach,
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Vns zu kauffen solche Zier/ die den Engeln jetzt behaget.
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Sein Haubt von Dornen schwüllt/ der Leib von Geisselstriemen:
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Vnsern Lohn nach langem Leid dort mit Kronen zu verblümen;
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Daß sich Sündenwunden schlössen/ deren Thun diß Thun befüllt.
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Er muß auf Vrtheil sterben/ schwebt zwischen Lufft und Erd:
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Daß der Mensch auch loß gesprochen von des Fluches Ausspruch werd/
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Vns den höchsterwünschten Fried/ mit dem Höchsten/ zu erwerben/
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Er gibt das Leben hin/ und gehet auch zu Grabe;
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Daß an uns des Todesstal fürter keine Macht nicht habe
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Vnd wir nach dem Sterben erben dort des Lebens Lustgewinn.
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Also stirbet an dem Holtz selbständiger Gott und Leben/
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Weil das Leben Lebenloß/ wird es uns das Leben geben.

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Hier Herr Klajens bunter Reim will uns dessen Ausdrukk geben/
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Macht die Wundertraur geschicht in den klugen Schlüssen leben;
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Jüngst vermeldt er unsren Ohren diesen teuren Heilgewinn/
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Nun gibt diesen auch zu lesen Klajens ausgeübter Sinn:
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Freilich hat er ihm geschöpft hier der Künstler Sinnen Habe
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Von den Zeiten/ wie man grub unsers Sündentilgers Grabe/
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Kan er also redsam singen/ daß ich fast beredet werd/
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Vnser Klaj hab der Zeiten auch gelebet auf der Erd.
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Was Nutz aber bringt es denn/ ihm der Musen Gunst erwerben?
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Daß er unverlebet lebt und im Sterben nicht kan sterben/
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Daß er mit des Ruhmes Boten Welt und Wolken überfüllt/
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Vnd der Schrifftberuffte Nam hin bis zu den Sternen schwüllt.
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Doch er lehret nicht allein; Anmut muß die Red verblümen/
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Wie die Matten frischbegrünt zieren ihres Malwerks Striemen:
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Von den blossen Sachen reden blößlich/ ist gemeine Sach;
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Kunst und Stikkwerk unterstreuen/ diß erwekket Neider Schmach.
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Pegnitz/ ehre deinen Schwan/ der vor seiner Elb behaget;
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Daß er ihr von dir entwand/ ist/ worüm sie vielmals klaget:
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Teutschland/ das jetzund mit Kriegen/ mit der Jammerhafft/ behafft/
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Kriegt von deinen Teutschgesinnten in dem Wetter neue Krafft:
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Auch dein Dilherr wird mit Lust Teutsches in der Neige retten;
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Harsdorf spielet immer noch/ streifet Teutschem ab die Ketten;
42
Auch die Schäferspiele klingen. Gut/ es hat noch keine Noht/
43
Bald/ bald sol es besser werden/ als es vormals war/ mit Gott.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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