Vberreichungsschrifft

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Klaj: Vberreichungsschrifft (1636)

1
So geht es in der Welt/ die Zeit in sich verbunden
2
Hat alle hundert Jahr ein neues Werk erfunden/
3
Die Welt jemehr sie graut/ jemehr sie sinnet auß/
4
Es saget der Magnet/ wo unser Fichtenhauß
5
Hinläufft/ wenn Eolus den Wind auß seinen Hölen
6
Herfür läst/ daß er kan das tode Meer beseelen/
7
Im Fall uns überfält die kohlpechschwartze Nacht/
8
Auf der erbosten See/ daß alles knikt und kracht.
9
Darnach hat man versucht deß Pulvers Macht genützet/
10
Der grossen Stükken Kern Carthaunen loß geblitzet/
11
Das eingezwengte Feur schmieß auß das runde Bley
12
Mit sehr ergrimten Zorn/ riß Roß und Mann entzwey.
13
Es sind zweyhundert Jahr und viere noch verschwunden/
14
Als erst die Künste Kunst durch Himmelsgunst erfunden
15
Deß klugen Faustes Faust/ der Edle Gutenberg/
16
Das Wunder der Natur/ das schöne Drukkerwerk.
17
Hernach hat Magellan der Wellen Saltz durchpflüget/
18
Vnd in der neuen Welt das arme Volk besieget/
19
Geraubt der Erden Mark/ der Edlensteine Pracht/
20
Was Holland/ Spanien und andre reich gemacht.
21
Drauf kam Lutherus an/ der Teutschen Ruhm und Ehre/
22
Stekt auf das helle Liecht der reinen Gottes Lehre/
23
Ein unbewehrter Mann trotzt die Welt/ wie er will/
24
Erleget Babylon mit einem Federkiel.
25
Gleich hundert Jahr hernach ist aufgerichtet worden
26
Die hochvertraute Zunfft der Teutschen Helden Orden/
27
Durch derer Zuthun jetzt die Teutsche Sprache blüt/
28
Wie lautet es so wol/ wie manches schönes Lied
29
Schalt jetzund weit und breit bey den berühmten Flüssen/
30
Die Elbe höret zu/ der Rhein muß reiner güssen/
31
Wer auß den Bober trinkt (da Opitz war bekand/
32
Wo jetzt Apelles sing) schreibt Verse von der Hand.
33
Die Okker ist gelehrt/ den Teutschen Ruhm zu preisen/
34
Sie rührt der Harfen Zier/ in jüngsterfundnen Weisen/
35
Die Pegnitz stimmet ein/ die süsse Melodey
36
Bezeugt/ daß unser Land der Künste Schauplatz sey.
37
Soll aber dieses Schiff das Gut wol übertragen/
38
Muß es ein guter Wind hin in den Hafen jagen/
39
Soll die nichthelle Glut recht geben einen Schein/
40
So muß sie nach und nach recht aufgeblasen seyn.
41
Virgil der hätte nicht sein ewigs Buch geschrieben/
42
Wenn nicht Augustus ihn mit Lieben angetrieben/
43
So hätt es Opitz auch wol nicht so weit gebracht/
44
Wenn ihm sein Hannibal nicht hätte Lust gemacht.
45
Diß wiederfuhr mir auch/ ich legte neulich nieder
46
Die Laute/ meine Lust/ als ihr mir winktet wieder/
47
Sung ich/ so gut ich kunt/ deß gelben Todes Tod/
48
Deß Höllenstürmers Pracht/ den Trösterin der Noht.
49
So leset dieser Werk ihr ihr Götter dieser Mauren/ Ps. 82. v. 6.
50
Last euch die schlechte Müh und edle Zeit nicht dauren/
51
Auch liebet den/ der ietztan eurer Pegnitz singt/
52
Sich von der Erdenschaar hin an die Wolkken schwingt/
53
In dem der höchste Gott/ und der erzürnte Himmel/
54
Von Sünden aufgereitzt ein blutiges Getümmel/
55
In seinem Vatterland/ den Armen hat erregt/
56
Vnd vierzehn gantzer Jahr auf eine Stelle schlägt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.