Maria Magdalena redet die andern Weibesbilder an

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Johann Klaj: Maria Magdalena redet die andern Weibesbilder an (1636)

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Komm Maria komm/ bestreiche
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Mit mir noch zu guter Letzt
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Die verblaste Liebes-Leiche/
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Die wir neulich beygesetzt/
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Daß der Leichnam in der Erde
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Nicht zu Staub vnd Asche werde,

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So will ich ihn balsamiren
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Er sol unvergessen seyn/
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Vnd mit Tulipanen
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Den beliebten Leichen-Stein/
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Rosen/ Liljen und Narzissen
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Sollen üm den Sarg entsprissen,

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Aber wol! der Himmel lachet/
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Kombt jhr Schwestern/ säumt euch nicht/
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Eh die Welt zu Feld sich machet
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Vnd das volle Liecht einbricht/
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Last uns eilen in die Höle
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Mit dem heiliggrünen öle.

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Was nemt ihr euch doch für/ ihr vnbedachten Frauen?
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Das ist ja wider Zucht/ des Mannes Leib beschauen;
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Was unterfangt ihr euch? die Nacht ist niemands Freund/
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Die Sonne schläffet noch/ der halbe Monde scheint/
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Man hat euch Weg und Steg
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Pilatus Petschafft-Ring hat Thür und Thor versiegelt/
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Die Posten sind besetzt/ der kühne Römer wacht/
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Ist euch schon ausser Sinn der strengen Waffen Macht
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und schwartzen Adler
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Es kan nicht möglich seyn/ die Liebe muß euch blenden/
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Die tolle Lieb hat euch Gemüt und Sinn bethört/
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Die liebe Liebe macht/ daß ihr nicht seht noch hört.
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Pfui! schämet ihr euch nicht/ daß ihr so gantz vermessen
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Des Herren Wort und euch gestellet in Vergessen?
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So richtet zwar ein Mensch/ der Menschen Vrtheil hegt
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und nach dem Augenmaß den Himmel überlegt.

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Sie gehen schüchter fort; wie die gescheuchte Hinde/
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Die kaum des Jägers Pfeil und leichtgefüsten Winde
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Entschlupfet und entwüscht/ durch Büsch und Wälder setzt/
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Die nunmehr Stamm und Strauch nach ihrer Meinung hetzt.
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So zaget dieses Volk; es brennet in der Kühlen/
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Erschrikt im Fall/ der West wil mit den Blättern spielen/
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Der ungefärbte Schein der Himmelsliebe macht/
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Daß man Ehr/ Gut und Blut/ und Noht/ und Tod verlacht.
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Sie kommen an das Grab/ es kam auch hergefahren
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Die Feuerrohte Sonn
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Die mit verklärtem Haubt des Himmels Gunst entdekt/
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Die Goldgestralte Lufft und alle Welt erwekt.
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Ein Engel fährt herab/ der durch den Weg gezogen/
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In ungebähnter Bahn/ der hellgestirnten Bogen/
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Die/ so das Grab verwacht/ die liegen da bestürtzt/
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Als welchen gleich der Tod den Lebens-Rest gekürtzt.
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Der Jüngling schwinget auf die Silberblanken Flügel/
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Weltzt ab
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und setzet sich darauf. O güldne Friedens-Zeit
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Die Engel rasten nun mit Sternen außgekleidt!
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Sein Liechtbemaltes Haubt war gleich den schnellen Blitzen/
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Die auf den dikken Wald viel Wolkenkeile sprützen/
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Wann ietzt der Donner rollt
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Ist wie der schöne Stern/ der Tag vnd Nacht zerbricht.
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Das runde Silber hing an den gekräusten Lokken/
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Sein Kleid

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Die Weiber stehen da entgeistert und halb todt/
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Besprachen sich also: Hilff Gott der bittern Noht!
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Wer wil uns doch den Stein/ der übergroß
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Kein Weib vermag es nicht vnd kostet es das Leben.
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Ist doch der Stein hinweg/ kein Kriegsknecht mehr verwacht
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Die Grufft/ sie haben sich bestürtzt darvongemacht.
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Was säumen wir? Last uns mit Blumwerk erst bestreuen
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Des Grabes Thür/ darnach mit starken Specereien
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Den Cörper balsamirn; Vermöge treuer Pflicht/
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Wir kriegen solchen Herrn und Meister nimmer nicht.

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Ach/ Ach der Hertzensnoht! das Grab ist öd und wüste/
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Ach rauffet euer Haubt
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Schlagt eure Brüste doch/ stimt Klagelieder an/
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Es wiederschall hiervon des Gartens grüner Plan.
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Ach/ Ach ihr treues Volk! ihr Grabbegleiterinnen/
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Bestreuet euer Haar mit Asche/ last es rinnen
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üm den entblösten Hals/ Ach heulet nach vnd nach/
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Es flisse Wangen ab der Threnenreiche Bach.
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Die Magdalena läufft/ den Jüngern zu verkünden/
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Wie daß des Herren Leib im Grabe nicht zu finden.
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Inmittelst stehen da zween Engel außgeschmükt
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Mit gülden Stück/ ihr Kleid ist durch und durch gestikt.

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Die fromme Schaar weiß nichts vor Zittern anzufangen/
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Läst jhr betrübtes Haubt tief in die Asche hangen/
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Der Liechtbegläntzte Printz
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Gantz freudig diesem Volk diß Osterneu vermeldt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Klaj
(16161656)

* 01.01.1616 in Meißen, † 01.01.1656 in Kitzingen

männlich

deutscher Dichter der Barockzeit

(Aus: Wikidata.org)

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