[jerusalem du schöne Statt]

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Friedrich Spee: [jerusalem du schöne Statt] (1613)

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Jerusalem du schöne Statt,
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Wann ich zu dir gedencke;
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Zur stund in tieffen zähren bad
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Beid augen ich versencke:
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Ach Sonnen-liecht: mehr scheine nicht,
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Lösch ab die fewrig strolen,
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All glantz vnd schein: all flammen dein
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Acht ich wie schwartze kolen.

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Mein schönes liecht ist Gott allein,
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So leucht im Himmel droben:
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Sonn, Mon, vnd Stern, vnd hiesig schein,
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Halt ich für schlechte gaben.
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Seynd gegen Gott: nur Kinderspott;
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Nie mögens ihn erreichen:
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Nur dunckel gantz: ist all ihr glantz
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Vnd endlich müssens weichen.

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Auch frewd vnd wollust diser welt,
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Der pomp vnd pracht imgleichen,
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Mir gegen Gott so gar mißfelt,
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Mit koth ichs thu vergleichen.
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Ja weltlich schertz: ist mir ein schmertz;
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Für lauter qual ichs achte:
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Frewd dunckt mir sein: fast lauter pein,
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Wans recht bey mir betrachte.

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Adè, Adè, zu guter nacht
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Sonn, Mon, vnd Himmels-sterne;
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Ade, ade, vergänglich pracht,
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Euch laß ich also gerne:
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Nichts mag doch sein: als Gott allein,
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Darauff wir sicher leinen:
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All ander ding: seind mir zu ring;
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O Gott, sollt ich nit weinen!

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Zu dir mein augen spritzen auff,
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Weil ich kein trost mehr finde:
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Zu dir mein seufftzer gehn zu hauff,
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Die stäts ich blaß in winde:
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Ach wan wird sein: das ich erschein,
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In deinen lüsten droben!
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Ach wan werd ich: ergreiffen dich,
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Zu deinem Thron erhoben!

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Der brullend Hirsch nie schwinder sprang,
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In durst vnd heißer Sonnen,
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Wan er vernam den wasser-klang
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Vom fall der kühlen Brunnen:
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Als ich nach dir: lauff mit begier,
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O Gottes Statt du schöne.
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Nur tag vnd nacht: nach dir ich tracht,
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All frewd ich sonst verhöne.

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Jerusalem, du schöne Statt,
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Wan ich zu dir gedencke,
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Für lauter lieb ich fast ermatt,
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Für lust ich schier erkräncke.
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Mein Hertz sich bald: in stück zerspalt:
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Ach wee! wie lang sols werden?
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Wie lang soll doch: ich bleiben noch,
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So weit von dir auff erden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Spee
(15911635)

* 25.02.1591 in Düsseldorf, † 09.08.1635 in Trier

männlich, geb. Spee

| Pest

deutscher Jesuit, Moraltheologe, Lyriker und geistlicher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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