[ein Schäfflein außerkorn]

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Friedrich Spee: [ein Schäfflein außerkorn] (1613)

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Ein Schäfflein außerkorn
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Such ich so manchen tag,
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Hat sich so gar verlorn,
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Daß mans nitt finden mag.
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Will ruffen laut mit heller stimm,
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Wer weiß obs ich nit bald vernim.
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Schäfflein, Schäfflein, wo hast verkrochen dich?
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Ach folge mir: hilff selber dir,
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Nit lang laß suchen mich.

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Ach, ach, du liebes blut,
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Wer dich nur finden köndt,
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Wie bald mir hertz vnd muth,
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In lauter frewden stünd?
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Starck ruffen will ich widerumb,
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Wer weiß es möchte kehren vmb?
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Schäfflein Schäfflein, mein junges thierlein zart,
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Wo solle dann: dich treffen an?
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Weil bin betrübet hart.

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Ach was wird dencken doch
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Der fromme Vatter mein?
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Daß ich außbleibe noch,
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Mit seinem Schäffelein?
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Will vnterdeß ihm sprechen zu,
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Sonst findet er auch keine ruh:
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Vatter, Vatter, hoff bald in kurtzer weil,
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In jenem thall, ich ie zumahl
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Es endlich doch ereyll.

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Ey da, da duncket mich
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In jener stauden dick,
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Hör ichs bewegen sich,
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In schnellem augenblick:
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Halt, halt, da wird es warlich sein,
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Will ruffen starck zum wald hinein:
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Schäfflein, Schäfflein, du liebstes Schäfflein mein,
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Kehr widerumb: kehr widerum,
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Sehr groß ist meine pein.

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Ach aber nein, ach nein,
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Ist noch mein thierlein nitt:
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Bey Sonn- vnd Monat-schein,
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Muß thun noch manchen tritt;
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Muß immer, immer ruffen fort,
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Durch berg vnd thall, vnd aller ortt:
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Schäfflein, Schäfflein, was will ich fangen an?
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Ach lauter ach, ô trübe sach!
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Weill dich nit finden kan.

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Ey da, da treff ich an
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Ein Creutzbaum wol bekandt,
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Auff einem berge stahn,
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Calvarien genandt:
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Hie duncket mich, hats seinen lauff:
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Hie muß ich starcker schreien auff:
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Schäfflein, Schäfflein, nun bin ich aller matt;
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Dein warten hie: noch weichen ie,
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Will ich von dieser statt.

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Mehr kan ich leben kaum,
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Für matt- vnd müdigkeit,
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Lehn mich an disen baum,
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Zu sterben bin bereit.
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Ach Thierlein zart, ach kemest doch!
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Weil kleine zeit ich lebe noch,
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Vatter, Vatter, nun ruff ich allermeist:
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In deine händ: zu dir gewend,
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Befihl ich meinen geist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Spee
(15911635)

* 25.02.1591 in Düsseldorf, † 09.08.1635 in Trier

männlich, geb. Spee

| Pest

deutscher Jesuit, Moraltheologe, Lyriker und geistlicher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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