Gleichwie ein zarte blum zu früh herfürgekommen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Rodolf Weckherlin: Gleichwie ein zarte blum zu früh herfürgekommen Titel entspricht 1. Vers(1618)

1
Gleichwie ein zarte blum zu früh herfürgekommen
2
wird durch des morgens frost schnell wider weggenommen,
3
und gleichwie eine frucht zart an gestalt und saft,
4
wan sie reif vor der zeit, nicht bleibet lang wehrhaft:
5
also die blümelein der weisheit, zucht und tugend,
6
die man frisch blühen sah in deiner seelen jugend,
7
o fräulein, also schön, als höflich, klug und from,
8
bezeugten mehr dan gnug, daß deiner jahren trum
9
kont nicht langwürig sein, und daß dein kurzes leben
10
uns solt ein schnelle lehr der wunder gottes geben,
11
und deines leibs gestalt an schönheit und an zucht
12
ein himmelische blum, solt mit so werter frucht
13
nicht lang das teutsche reich, noch dein geschlecht bereichen,
14
sondern bald in den saal der ewigkeit entweichen.
15
dan die vollkommenheit, die alhie keinen platz,
16
ist nicht für dieser welt, sondern für gottes schatz.
17
ach! wie vil schönheit, ehr und engelische sitten
18
(des Teutschlands trost und zier) hat die Park abgeschnitten
19
mit dieser frischen blum! blum, deren lieblichkeit
20
jetzund gepflanzet ist in die unsterblichkeit.
21
Gnadlose Atropos! ach, kontest du nicht sparen
22
bis gegen ihrem herbst den früling ihrer jahren!
23
nein! dan du, sehend an ihr herz, seel und verstand,
24
an welchen gar nichts jung, hast mit zu frecher hand
25
fürzeitig diese frucht, noch gar grün, abgezwicket
26
und, uns entglückend ganz, das firmament beglücket.
27
Wol. Das war gottes will, der muß gehalten sein.
28
so nim nu hin von uns, du wertes seelelein,
29
mit unserm zeherfluß, dan wir ja mehr nicht haben,
30
für dein grab diese schrift in unser herz gegraben:
31
Indem des himmels macht und des erdreichs frechheit,
32
o fräulein, deine seel und leib für sich erkoren,
33
da hat auch die natur, die tugend, welt, schönheit
34
gleich ihren besten ruhm, schatz, trost und freud verloren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.