Du bist, o zart schneeweiße hand

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Georg Rodolf Weckherlin: Du bist, o zart schneeweiße hand Titel entspricht 1. Vers(1618)

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Du bist, o zart schneeweiße hand,
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der beste zeug, die lieb zu weben,
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du bist der treu erwünschtes pfand,
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damit man kan vernüget leben;
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wan auf der lieb, bit oder frag
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du wilt zu fridlichem vertrag
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stillschweigend deine zusag geben.

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Du kanst, o hand, bald den verdruß,
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bald das gefallen verursachen,
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bezeugend zweier lieb beschluß,
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bist du die ursach, daß sie lachen;
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gleichwie wan du der buhler schoß
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zurück verstoßest hofnungslos,
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du sie kanst leichtlich weinen machen.

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Schnell, laufend, zittrend und kunstreich
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kanst du das instrument berühren:
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und der wolredenheit recht gleich
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in das gehör die herzen führen:
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und mit schneeweißem hellen glanz
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von deiner fingern leichtem danz
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den ton, die stim, die saiten zieren.

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Was immer uns der natur gunst
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verleihet, kanst du bald vergleichen
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und es mit farbenreicher kunst
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bald überkünstlich herausstreichen:
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du kanst mit des verstands gesatz
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und der gedanken großem schatz
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getreulich das papier bereichen.

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In meiner hand, o süßer lohn!
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wan du, o schöne hand, gefangen,
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gedrucket druckest du mit wohn
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und lust mein herz, hand und verlangen:
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gefangen fanget deine zucht
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also, daß niemals durch die flucht,
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der dich gefangen, dir entgangen.

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Gehalten bist du stolz und frei,
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du überwindest mich gebunden,
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du bist getreu und ungetreu,
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als triumfierend überwunden:
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du pflegest mit unruh und ruh
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je sanfter und je bloßer du,
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je tiefer mein herz zu verwunden.

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O zartes, glattes helfenbein,
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welches die rosen etwas färben!
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o von der morgenrötin schein
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gezierter schnee, schwer zu erwerben!
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auf deiner lieblichkeit bericht
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gib ich dir hiemit meine pflicht
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bei dir zu leben und zu sterben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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