Von überschönen augen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Georg Rodolf Weckherlin: Von überschönen augen (1618)

1
O der lieb wahrer hort und port,
2
ihr meiner schönen Myrten augen,
3
wan anderst ein so schlechtes wort
4
kan euch zu nennen gnugsam taugen!
5
zwar augen kan man euch, weil ihrem angesicht
6
ihr klare augen seid, zu sein verleugnen nicht,
7
doch darf man euch kaum augen nennen,
8
weil ihr so schön und tugendhaft,
9
sondern von wegen eurer kraft
10
muß man euch himmelisch bekennen.

11
Zwar mit so wunderreichem pracht,
12
damit sich dise augen zieren,
13
kan, es sei gleich tag oder nacht,
14
der himmel selbs niemal prachtieren.
15
wan schon dem himmel gleich ihr heiter glatte stirn
16
erleuchtet diese welt durch euch, als ein gestirn:
17
so ist jedoch in euch vermischet
18
das braun und liecht mit solchem schein,
19
daß es ja muß ein wunder sein,
20
wie ihrer jedes uns erfrischet.

21
So darf auch mein warhafter mund
22
euch mit der sonnen nicht vergleichen,
23
weil ihr glanz, wie dem umkreis kund,
24
muß euerm glanz und würkung weichen:
25
und zweier sonnen schein bedeutet krieg und leid,
26
da euer zwillingliecht erwecket frid und freud;
27
die sonn durch ihre brunst beschweret,
28
die sie anschauen mit verdruß,
29
da ihr mit süßem lusts einguß
30
durch das gesicht das herz vermehret.

31
Wer sich, glückselig, kan in euch
32
besehen, wird reichlich gesegnet,
33
dan ihr ganz wunderlich liebreich
34
sein herz mit freuden überregnet;
35
die strahlen eures liechts und eures anblicks glanz
36
seind zugleich der lieb pfeil und auch der keuschheit schanz;
37
dan sie mit lieb und lust entleben
38
und dan mit süßer forcht und ehr
39
widrum belebend, uns die lehr,
40
den engeln gleich zu leben, geben.

41
Daher, o augen braun und klar,
42
schwarzlecht und hell, wie blitz und dunder;
43
der schönheit und lieb wieg und bahr,
44
der natur schatz und gröstes wunder,
45
ganz übermenschlich schön muß ich mit leid und wohn
46
bekennen euch zugleich der götter straf und lohn:
47
dan ihr könt ja mit euern blicken,
48
der schönheit, lieb und tugend sitz,
49
wie durch geschütz, hitz, spitz und blitz
50
das herz zerstücken und erquicken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.