Ode

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Georg Rodolf Weckherlin: Ode (1618)

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Frisch auf, ihr dapfere soldaten,
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ihr, die ihr noch mit teutschem blut,
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ihr, die ihr noch mit frischem mut
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belebet, suchet große thaten!
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ihr landsleut, ihr landsknecht frisch auf,
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das land, die freiheit sich verlieret,
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wan ihr nicht mutig schlaget drauf
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und überwindend triumfieret.

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Der ist ein Teutscher wolgeboren,
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der von betrug und falschheit frei,
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hat weder redlichkeit, noch treu,
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noch glauben, noch freiheit verloren:
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der ist ein Teutscher, ehrenwert,
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der wacker, herzhaft, unverzaget
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für die freiheit mit seinem schwert
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in einige gefahr sich waget.

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Dan wan ihn schon die feind verwunden
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und nemen ihm das leben hin,
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ist ruhm und ehr doch sein gewin
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und er ist gar nicht überwunden:
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ein solcher tod ist ihm nicht schwer,
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weil sein gewissen ihn versüßet,
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und er erwirbet lob und ehr,
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indem er sein blut so vergießet.

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Sein nam und ruhm allzeit erklingen
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in allem land, in jedem mund,
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sein leben durch den tod wird kund,
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weil sein lob die nachkömling singen;
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die edle freiheit ist die frucht,
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die er dem vatterland verlasset;
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da er herzlos durch seine flucht
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wird ganz verachtet und gehasset.

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Also zu leben und zu sterben
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gilt dem aufrechten Teutschen gleich
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der tod und sig seind schön und reich,
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durch beed kan er sein heil erwerben;
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hingegen fliehen allen dank
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die flüchtigen und der verräter,
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und ihnen folget ein gestank,
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weil sie verfluchte übelthäter.

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Wolan deshalb, ihr wahre Teutschen,
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mit teutscher faust, mit teutschem mut,
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dämpfet nu der tyrannen wut,
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zerbrechet ihr joch, band und beutschen:
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unüberwindlich rühmet sie
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ihr titul, torheit und stolzieren;
47
aber ihr heer mit schlechter müh
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mag, überwindlich, bald verlieren.

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Ha! fallet in sie! ihre fahnen
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zittern aus forcht: sie trennen sich,
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ihr böse sach hält nicht den stich,
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drum zu der flucht sie sich schon mahnen;
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groß ist ihr heer, klein ist ihr glaub;
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gut ist ihr zeug, bös ihr gewissen.
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frisch auf, sie zittern wie das laub
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und wären schon gern ausgerissen.

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Ha! schlaget auf sie, liebe brüder,
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ist die müh groß, so ist nicht schlecht
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der sig und beut: und wol und recht
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zu thun, seind sie, dan ihr, vil müder.
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so straf, o teutsches herz und hand,
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nu die tyrannen und die bösen:
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die freiheit und das vatterland
64
must du auf diese weis erlösen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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