Wan der welt aug ganz fruchtbar seinen schein

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Georg Rodolf Weckherlin: Wan der welt aug ganz fruchtbar seinen schein Titel entspricht 1. Vers(1618)

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Wan der welt aug ganz fruchtbar seinen schein
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breit über das erdreich ausstrecket,
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alsdan mein ganz ruhlose pein
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ein solche klag erwecket:

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»o schönes liecht, von jedem, nur von mir
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nicht gern, allsehend gern gesehen!
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ach, lieber! bracht man dir je für
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ein kläglicheres flehen!

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Zwar deines liechts gesicht-geliebter lust
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kan leichtlich die geschöpf erlaben,
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und doch das herz in meiner brust
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mit keinem trost begaben.

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Vol qual und angst ein schrecklich-schwarze nacht
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mein herz, seel und gesicht beschweret,
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die dan mit meines schmerzens macht
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den weg des tods mich lehret.

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Geheime ort such ich voll finsternus,
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die ich erfüll mit meinen klagen,
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daß sie mir doppeln den verdruß
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wan sie die widersagen.

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Ein end hat nu mein lust, freud und gesang,
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nichts kan mein elend von mir wenden;
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darum wart ich nu des tods gang,
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mein leid und klag zu enden.«

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Wan dan die nacht mit ihrem schwarzen kleid
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den sterblichen die schlafstund bringet,
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alsdan mein wachend-frisches leid
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also den luft durchdringet:

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»o schöne stern, der nacht liechtreicher pracht,
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die ihr, bleich, meine not beweinet
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und meiner seelen letzten nacht
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zu dem grab traurig scheinet.

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Ihr könt zwar wol der schlafsucht süßen saft
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der sterblichen gesicht eingießen,
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ihr aber habt nicht so vil kraft
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ein aug mir zu beschließen.

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Du nacht thust mir mit scheuzlich-schwerer hand
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geduld und ruh gar hinweg raufen,
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die Furien mit ihrem brand
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stets meinem geist nachlaufen.«

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Also hab ich kein liecht, trost noch geduld
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in meinem geist, gesicht und herzen
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und nur den trost, daß meine schuld
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noch größer, dan die schmerzen.

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Doch wird noch der, so mich gar tödtet nicht,
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mich wider seiner gnad gewehren
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und gnädig durch sein angesicht
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mein leid in freud verkehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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