Lobgesang

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Georg Rodolf Weckherlin: Lobgesang (1618)

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Ihr menschen bauet einen tempel
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für den, der aller menschen ruhm,
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der den soldaten ein exempel,
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und aller fürsten wahre blum,
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und singet stets: O prinz durch deine thaten
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bist du der ruhm der fürsten und soldaten.

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Doch welche witz darf sich wol wagen,
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ja welche stim ist wol hoch gnug,
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der welt mit worten fürzutragen
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all seine werk, kühn, mächtig, klug?
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ist nicht der glanz, prinz, deiner grossen thaten
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ein spiegel für die fürsten und soldaten?

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Gleich in dem früling seiner jugend
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schlug er also die stolze feind,
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daß die gedanken, seine tugend
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zu fassen, vil zu nider seind:
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und ist allein die tafel seiner thaten
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ein wahrer text für fürsten und soldaten.

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Was hat doch Griechenland erdichtet
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von seinen helden allzumal?
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und was hat Herkules verrichtet
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mit äußerster müh und drangsal,
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das gleichen mög, prinz, deinen großen thaten
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die ein lehrbuch für fürsten und soldaten?

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Sein nam allein macht schier verzagen
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die, deren herz voll stolz und pracht;
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er ist der erst, den feind zu schlagen
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und der letzt aus der grösten schlacht;
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er ist der ruhm der fürsten und soldaten
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und wunderreich seind seine heldenthaten.

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Was er mit reifem rat thut gründen,
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verrichtet er schnell und mit fleiß,
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gleichlos ist er zu überwinden
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und zu verzeihen gleicherweis,
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also daß er billich durch seine thaten
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ein spiegel ist für fürsten und soldaten.

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Voll pracht ist er, den stolz zu dämpfen,
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voll güt ist er gleich nach dem streit,
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und wie großmächtig er zu kämpfen,
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so freindlich ist er fridens zeit:
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er ist gleichlos in allen seinen thaten
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allein der ruhm der fürsten und soldaten.

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Sein aug kan das unglück vertreiben,
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der herzen trost seind seine wort,
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sein unruh macht uns ruhig bleiben,
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und seiner müh meer in dem port;
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und die unzahl, prinz, deiner großen thaten
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seind ein lehrbuch der fürsten und soldaten.

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Oft hat man seine gnad erfahren
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in seiner feinden wut und flucht,
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verzeihen, sigen und bewahren,
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ist seiner arbeit süße frucht:
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ein jedes stück, prinz, deiner dapfern thaten
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ist ein beispil für fürsten und soldaten.

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Er ist der welt zier hochgeehret,
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der bösen straf, der guten lohn,
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er ist in aller welt vermehret,
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der feinden forcht, der freinden wohn,
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die sagen all, er sei durch seine thaten
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allein der ruhm der fürsten und soldaten.

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Wolan, so bauet einen tempel
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für den, der aller fürsten ruhm,
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der den soldaten ein exempel,
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der tugenden gleichlose blum,
65
und singet stets: O prinz, durch deine thaten
66
bist du der ruhm der fürsten und soldaten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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