Zu ehren Herren Christian, Fürsten zu Anhalt

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Georg Rodolf Weckherlin: Zu ehren Herren Christian, Fürsten zu Anhalt (1618)

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Dieweil ich sah, daß lehr und kunst,
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die uns die Musen selbs verkaufen
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um fleiß, bei allen so umsunst,
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daß man damit möcht betlen laufen:
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Und daß sie, wie mir ihre lehr
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bei fremden freindschaft, lieb und ehr
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erworben, hie mich machten hassen:
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beschloß ich in der Teutschen sprach
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(der unerfahrnen meinung nach
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zu grob) zu schreiben abzulassen.

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Doch wär es mir nicht eine schand,
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wan ich auf dieser meinung bleiben
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und nicht solt mit getreuer hand
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von euch ein lobgesang beschreiben?
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Von euch, prinz, dessen würdigkeit
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vil mehr dan die undankbarkeit
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der argen welt, mein herz entzündet:
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bei dessen tiefen erkantnus
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kunst und lehr keine hindernus
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und keinen schutz die grobheit findet.

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Dan ihr, prinz, seid des Teutschlands wohn
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und der gelehrten wolgefallen,
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von welchem, als der kunst patron,
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soll billich meine stim erschallen.
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Euch, euch hat seinem volk zu nutz
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und seinem bösen feind zu trutz
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als einen wächtern got gegeben,
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daß es nach euerm weisen rat,
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daß es durch eurer weisheit that
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kan ruhig, still und frölich leben.

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Aiax kont durch sein starke hand
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so vil als sunst ein held verrichten,
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zu schlecht war aber sein verstand
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durch rat ein harte sach zu schlichten:
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Also seid ihr bei weitem nicht,
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weil euer spähendes gericht
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(darab sich alle frommen freuen)
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kan wie Ulysses eure freind
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durch rat erhalten, und die feind
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wie Aiax mit der that zustreuen.

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Ich kont sehr leichtlich mein gesang
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mit löblichen exempeln zieren,
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und eure faust mit klarem klang
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wie euers verstands kraft ausführen:
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Wan ihr nicht woltet selbs vilmehr
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stets euers namens werte ehr
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verdienen, dan erheben hören:
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und wan nur eines menschen prob
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mit seinem mund kont euer lob
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gleich wie mit seinem geist vermehren.

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Es weist und weiset ganz Frankreich
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(kriegshalb und fridenshalb gepriesen)
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wie dapfer und wie weis ihr euch
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in euerm früling gleich erwisen:
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Der groß und gleichlos von Bourbon
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der seines namens, bluts und kron
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wie auch ends halben nachgegangen
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dem von Valois, der hat mit lust,
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und lieb von eurer faust und brust
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oft dienst und nutzen gern empfangen.

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Und euer würklicher verstand
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vil fürstlicher werk hat vollendet,
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insonderheit von dem Teutschland
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gefahren und leid abgewendet:
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Und eure gründende weisheit
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in zwietracht, span und ungleichheit
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ist billich wert und hoch gehalten;
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mit zierlichkeit und sattem grund
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kan euer honigreicher mund
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mehr dan des Griechen mund verwalten.

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Jedoch daß niemand nu vermein,
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ich woll in einem lied euch singen,
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und euern namen, dessen schein
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klar wie die sonn, hie ganz fürbringen;
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So brich ich jetz demütig ab
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und bit, ihr wollet dise gab
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aufnemen und zumal erwegen,
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ich folg der besten maler weis,
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die für die sonn mit kunst und fleiß
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allein ein aug zu malen pflegen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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