Herrn Georg-Friederichen, Marggraven zu Baden

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Georg Rodolf Weckherlin: Herrn Georg-Friederichen, Marggraven zu Baden (1618)

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O großer prinz, in dessen schutz
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sich alle tugenden ergeben,
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daß sie, der argen welt zu trutz,
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auf erden mögen sicher leben;
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prinz, meiner Musen zuversicht,
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verschmähet dieses büchlein nicht,
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so billich euch, der Musen lehren
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gehorsamend, ich muß verehren.

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Dan als ich neulich nachts allein
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hin und her auf dem feld spazierte,
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wa meine trit mit halbem schein
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Diana selbs, unachtsam, führte,
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und, unwürsch, bei mir selbs gedacht,
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wie übel ich die zeit zubracht,
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in welcher mit der Musen lehren
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ich mich selbs thet umsunst bethören:

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Da fand ich mich an einem ort
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von ihnen allen umgegeben,
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und sie mit manchem süßen wort
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gern meiner meinung widerstreben;
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insonderheit kam auch herfür
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ihr führer Phöbus, welcher mir
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gleich für sie all auf meine klagen
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selbs ihr bedenken fürgetragen.

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»laß, Filodor, sprach er, nu mehr
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forcht, sorgen und verdruß hinfahren;
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dan ein fürst, aller fürsten ehr,
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kan und will uns und dich bewahren,
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und ist sein nam (wie seine gunst
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ein schirm und ein pfand unsrer kunst)
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Georg-Friderich Marggraf zu Baden,
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bei welchem wir und du in gnaden.

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Ihm opfer du auf dein gesang,
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und scheu dich nicht für seinen wafen,
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ab welchen seinen feinden bang
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weil sie der höchst durch ihn will strafen:
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dan alle helden alle zeit
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die haben vor, in, nach dem streit
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uns stets geliebet und geehret
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und ihrer gegenwart gewehret.

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Auch ist ihr lob noch billich kund,
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kan ewiglich auch nicht vergehen,
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als welches des poeten mund
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der ganzen welt gab zu verstehen;
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darum gib ihm auch ehr und preis,
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dan ja der menschen höchster fleiß
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kan nichts den göttern mehr erweisen,
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dan sie zu loben und zu preisen.

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Als Jupiter durch seinen strahl
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den risen ihren stolz verkürzet
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und von des himmels hohem wahl
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sie über und über gestürzet,
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begehrte er, sigreich, mehr nicht,
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dan daß wir ihm laut ein gedicht
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für seinen ohren wol erklangen
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und seinen sig und lob gleich sangen.

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Wolan dan, ewig weiser chor
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laßt uns auch disen fürsten ehren,
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und du sing mit uns, Filodor,
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als deinen mund wir werden lehren;
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und weil er uns ja ein patron,
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so laßt uns flechten eine kron,
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die du demütig ihm solt bringen.«
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fieng demnach also an zu singen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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