Ich empfind nun in meiner brust

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Georg Rodolf Weckherlin: Ich empfind nun in meiner brust Titel entspricht 1. Vers(1618)

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Ich empfind nun in meiner brust
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sich ein verlangen anzuzünden,
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das treibet mich mit großem lust
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ein neues lobgesang zu finden.
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Neid, unerfahrenheit, misgunst
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bemühen sich, nach ihrem willen,
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doch finden, meine stim zu stillen,
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sie weder gnug gewalt noch kunst.
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Und deren tugend große ehr
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von deren meine saiten klingen,
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erleuchtet mein gemüt so sehr,
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daß ich kan mutiglich fortsingen.

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Wann niemand schon so toll und grob,
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der deinen namen nicht wolt preisen,
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kan niemand doch dein hohes lob,
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o Hohenloe, recht gnug ausweisen.
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Darum ich, durch Apollons glanz
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und durch der Musen gnad beleitet,
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für dich mit ihnen hab bereitet
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den würdigst grünen lorberkranz,
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Der auch mit nicht geringerm schein
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wird unverwelklich dein haupt krönen,
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wie deine seel und leib allein
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die lasterhafte welt beschönen.

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Wan deine thaten und weisheit
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zu deinem ruhm nicht gnugsam wären,
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wolt ich auch deines bluts hochheit
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vermehren, dein lob zu vermehren;
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Jedoch gleichwie ein cirkul rund
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wird ganz vollkommen umgewendet
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und endlos sich in sich selbs endet,
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also wird auch dein lob recht kund.
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Dan warlich der vorälter preis
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sehr wenig den nachkömling zieret,
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wa nicht die tugend gleicherweis
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sie in der elter tritten führet.

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Zwar es bedarf sich auch gar nicht
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deintwegen zu pindarisieren,
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aus einem alten lobgedicht
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ein neues lob zu destillieren,
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Dan dein verdienst selbs, der schon lang
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die götter und die welt erquicket,
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hat die neun schwestern selbs beglücket
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mit einem wahren lobgesang;
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Wan deiner tugend klare macht
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ganz lieblich ihr gesicht ergetzet,
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recht wie das firmament zu nacht
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mit sternen leuchtet übersetzet.

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Achilles war hoch von statur,
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in aller kurzweil wol geübet,
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schön, lustig, freindlich von natur,
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von frauen billich auch geliebet;
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Mein aber! würd man noch wol heut
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von ihm so vil gedenkens tragen,
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wan er nicht herzhaft sich zu wagen
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stets selbs geworfen in den streit?
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Gar nicht! sein leib und lob zugleich
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het müssen durch den tod verbleichen,
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het er sie nicht kühn und sigreich
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gezeichnet selbs mit roten zeichen.

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Mit solcher farb hat deine hand
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den allerstreitbarsten soldaten
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in Ungern und in Niderland
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schön fürgemalet manche thaten.
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Wie oft hat deine dapferkeit
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werk übermenschlich wol verrichtet
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und deines feinds hochmut vernichtet
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durch sein verdiente dienstbarkeit!
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Ja wie vil seelen hat dein wehr
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den stolzen körpern ausgetrieben,
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daß das feld von der feinde heer
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gleich einer schedelstat geblieben!

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Seind nicht die Tonau und der Rhein
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oft worden rot von deinen stichen?
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seind nicht ob deiner wafen schein
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die dapferste feind oft verblichen?
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Zwar ist es jetz gar nicht mein will,
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wie es dan auch nicht mein vermögen,
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hie deine thaten auszulegen;
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darum nu halt ich jetzund still,
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Weil andre tugenden noch mehr
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dich mit verstand und wolstand zieren,
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die billich auch mit höchster ehr
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auf meinen saiten zu berühren.

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Du bist fürsichtig, mild und weis
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kein mangel ist an dir zu merken;
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ja du bist unsers alters preis
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und taugenlich zu wort und werken:
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Die tugent ist dein eigenschaft,
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umsunst bist du nicht Craft genennet;
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stärk dich für ihre kraft erkennet,
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ohn dich ist dapferkeit ohn kraft.
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Mars selbs bewohnet dein gemüt,
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von höflichkeit hast du geberden,
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Cupido füllet dich mit güt,
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daß alle menschen dir hold werden.

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Darum hat dich gots gütigkeit
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mit einer fürstin zart begabet,
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daß du durch ihre süßigkeit
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den göttern werdest gleich erlabet;
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Daß du in steter lieb und ruh
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dein leben mögest wol zubringen,
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und daß der welt aus euch entspringen
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gleichlose helden, die wie du
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Durch die kraft ihrer köpf und händ
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die feind stets glückreich überwinden,
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daß eures lobs und namens end
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nicht vor der welt end zu erfinden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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