Von Herrn Moritzen Prinzen zu Uranien, Grafen von Nassau

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Georg Rodolf Weckherlin: Von Herrn Moritzen Prinzen zu Uranien, Grafen von Nassau (1618)

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Prinz Moritz, dein nam, ruhm und ehr,
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darab stets deine feind verbleichen,
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kan wol durch eigne kraft numehr
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die himmel selbs so hoch erreichen,
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Daß wer mit seiner federn spitz
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vermeinet sie recht zu berühren,
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derselbig wird selbs bald probieren
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daß ihm gebrist scham oder witz;
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Und er wär wert, seind unverstand,
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der solchen hohen werks nicht schonet,
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wird gar nicht mit dankreicher hand
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sondern mit scharfer straf belohnet.

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Drum wissend wol, wie vil zu schwach
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ist meine stim, dein lob zu singen,
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begehr ich nicht mit großer schmach
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wie der zu stolze frosch zu springen.
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Dan ja ein solche faust allein,
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so von den Musen so gelehret,
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als Pallas deine faust bewehret,
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kan dich zu rühmen würdig sein.
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So ist es auch allein billich
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Apelli und sunst keinem andern
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zu contrafehen eigentlich
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dich, einen wahren Alexandern.

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Und wan ich schon mit höchstem fleiß
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dich solt erheben nach verlangen,
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kan unvermehrlich wol dein preis
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noch fernern glanz davon empfangen?
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Sah man auch wohl zu einer stund
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von einer fließend starken quellen
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vermehren die flut des meers wellen
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in seinem brausenden abgrund?
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Nein. Dein nam leuchtet ja so sehr,
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daß, welcher ein ort wolt ergründen,
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da dein lob noch unkundbar wär,
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der müst ein neue welt noch finden.

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Jedoch gleichwie in dem abriß,
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darinnen der umkreis zu sehen,
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nur ein punkt, eines worts auswis
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ein ganzes land gibt zu verstehen:
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Also ich hie nu schlecht abmal
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(eng setzend deinen weiten namen
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und deiner thaten lob zusamen)
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schier aller tugenden anzahl,
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Damit des himmels gütigkeit
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dich so freigebiglich beglücket,
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daß dein nam die unsterblichkeit
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und ihr histori allein schmücket.

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Dan alles, was des menschen sin
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für einen fürsten kan begehren,
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kanst du ihn dessen mit gewin
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und überfluß gar bald gewehren.
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Begehrt er gotsforcht, mäßigkeit,
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fürsichtigkeit, wol zu regieren,
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und dapferkeit, zu triumfieren,
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güt, demut, gnad, gerechtigkeit,
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Verstand voll tiefer kunst und lehr,
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mut und stärk, alles auszustehen,
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was andern wol zu wünschen wär,
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das wird er reichlich in dir sehen.

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Auch hat das glück selbs mit bestand
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sich deiner tugend so ergeben,
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daß nichts kan deiner dapfern hand
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und stärkerm herzen widerstreben;
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Ja, deinem lauf kan, wan du wilt,
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nichts die verhindrung verursachen,
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unmöglich kanst du möglich machen,
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du bist der deinen schwert und schild,
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Der, wan not, forcht, angst und gefahr
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anfangen über sie zu regnen,
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bedecket also ihre schar,
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daß sicher sie dem feind begegnen.

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Was alten helden dapferkeit
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hat jemals solche sig gewonnen?
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und wer ist seines feinds argheit
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auch fridenszeit so oft entronnen?
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Was Cäsar hat so seine macht
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mit solchem erzwerk und buchstaben
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auf seiner feind häut eingegraben,
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als du gethan in mancher schlacht?
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Da dan dein schwert, von blut stets warm,
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verkündigte für der welt augen,
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wie fein ein stark geübter arm
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und gutes recht zusamen taugen.

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Zu sommers und zu winters zeit
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die flüß, berg, feld und meer zu zwingen
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und machen die scharmützel, streit,
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belägrungen, stürm zu gelingen;
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Zumal als haupt und als soldat
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befelen wol und wol verrichten,
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des feinds begir und werk vernichten
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mit weisem rat und schneller that;
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Des feinds fürhaben, list, betrug
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und rat so wol als er selbs wissen,
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in reizung, angrif und aufzug
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so weis und klug sein als geflissen:

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Auch den soldaten, der sein blut
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zu frech verlieren will, erhalten,
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der jungen unerfahrnen mut
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nicht lassen in gefahr erkalten:
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Verachten weder klein noch groß
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und eines jeden art erkennen,
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ein jeden selbs mit namen nennen,
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beherzen jeden, der herzlos;
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Das seind nu sachen, die allein
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dir leichtlich all zu thun gebühren,
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ja dise kunst, die eigen dein,
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kont niemand noch in andern spüren.

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Gleichwie ein wetter, sturm, windsbraut
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ein schif mit ungestüm zerschmeißet,
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mit streichen stark, stolz, schnell, streng, laut,
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mast, segel, seiler, lein zerreißet:
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Gleichwie auch ein tief starker fluß,
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darein die wolken sich ausgießen
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und die schnee von den bergen fließen
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mit schnell und rauschendem ausguß
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Und seinem brausend lauten zorn
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ein grünes fruchtfeld bald entehret,
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des baumans hofnung, freud und korn,
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stöck, hecken, stauden, bäum zerstöret:

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Also, und schrecklicher, hat dich
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der stolze feind oft wargenommen,
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daß bessere füß er für sich,
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dan hände wider dich, bekommen:
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Dem dunder gleich war deine stim
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und wie blitz deine blick zu schauen;
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der stral kan nicht so tief durchhauen,
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als deiner streichen schwerer grim:
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Ja deines schwertes wetterleich
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von blut ein dicken regen brachten
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und deine dundergleiche streich
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zuschmetternd alles elend machten.

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Vor dir und hinder dir der tod
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mit toben, wüten, schrecken, schreien
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mit forcht, graus, greuel, grim und not
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den kühnesten bracht ein abscheuen.
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Gespaltne köpf, händ, schenkel, wehr,
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helm, schild, spieß, fahnen, pfeil und bogen
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mit kuglen in dem rauch umflogen,
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und das blut machte schier ein meer,
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Alda feind und freind, herr und knecht,
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pferd und man, all auf einem haufen
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blutdürstig, from, böß, hoch und schlecht
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gezwungen musten sich sat saufen.

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Da sah man stärke, macht, kühnheit
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begleiten dich zu beeden seiten,
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da sah man glück, sig und manheit
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dir folgen und dir helfen streiten;
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Da sah man den luft schwarz und dick
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voll pulver, bech und kuglen brennen,
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und dein geschwader sigreich rennen
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durch des feinds heer mit stetem glück;
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Daß also du in mancher schlacht
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die strafend, so uns umsunst hassen,
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die höll durch sie volkreich gemacht
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und ihr feld ganz einöd verlassen.

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O wie vil widerwärtigkeit
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wird manches schöne land erfahren,
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wan got nicht deine dapferkeit
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bewahrte, solches zu bewahren!
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Der Griechen fruchtbarer verstand
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hat nicht mehr wunderwerk erdichtet,
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dan in der warheit du verrichtet
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sowol mit dem haupt als der hand.
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Doch vil zu fern ist dises zil
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und meine schwacheit zu vermessen,
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dan deine werk, weil sie so vil,
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kan man nicht zählen noch vergessen.

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Geschweigend deines leibs und muts,
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daß sie von keiner müh müd werden;
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des ursprungs deines heldenbluts
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und deiner löblichen geberden;
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Geschweigend deiner gnad und güt
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so die gehorsame erquicket,
175
wie dein gerechter zorn entglücket
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des aufgeblasnen feinds gemüt;
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Geschweigend dessen, daß dein mund
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ist viler sprachen wol erfahren,
179
und deiner reden, kurz und rund,
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die deines haupts schatz offenbaren.

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Geschweigend deiner freindlichkeit,
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davon ich (ruhmhaft) gutes wissen,
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dieweil ich die glückseligkeit
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dein stets sigreiche hand zu küssen;
185
Eil ich fort, daß nicht meine jahr
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sich eh, dan mein lied, möchten enden;
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will auch mit gnugsamen umständen
188
dein lob nicht singen ganz und gar;
189
Weil dir ja kein held (das sei gnug!)
190
der vor dir in der chronik stehet,
191
wie immer kühn, gerecht und klug
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verdiensts und tugend halb vorgehet.

193
Wolan, prinz, held, Mars, der welt zier,
194
o daß dich je nichts mög betrüben!
195
leb, streit, sig fort und triumfier,
196
daß dich die erd und himmel lieben!
197
Leb, streit, sig und triumfier fort,
198
und dan gib deiner thaten früchten
199
dem, welcher sie dir hilft verrichten,
200
bewahrend (wie du thust) sein wort!
201
Damit er, welcher in dem streit
202
dein faust zu sigen thut regieren,
203
gefälliglich mög fridenszeit
204
in seinem volk stets triumfieren!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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