24. August 1834

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Clemens Brentano: 24. August 1834 (1834)

1
Bienen, die ich ausgesendet
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Nach dem süßen Blumenstrauß,
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Der allein noch Honig spendet,
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Bringet Labung mir nach Haus
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Gute Ruh'! gute Ruh'!
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O süße Turtel! wie marterst du?

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Küsse, die ich heiß gesäet,
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Wo die Lindenblüte ruht,
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Bringt den Duft, der sie umwehet,
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Her zu meines Herzens Glut.
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Gute Ruh'! gute Ruh'!
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O süße Turtel! wie marterst du?

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Seufzer, meines Leidens Boten,
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Die der Lieben Schlaf belauscht,
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Kehrt zu mir von ihres roten
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Süßen Mundes Hauch berauscht
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Gute Ruh'! gute Ruh'!
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O süße Turtel! wie marterst du?

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Bienen, Küsse, Seufzer, trunken
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Fühl' ich euch; o bange Lust
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Tragt in glühen Feuerfunken
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Ihr in meine kranke Brust.
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Gute Ruh'! gute Ruh'!
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O süße Turtel! wie marterst du?

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Und wie sich die Funken sammeln
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Um des kranken Herzens Traum,
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Höre ich es schlummernd stammeln
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An des Paradieses Saum:

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Sag! lichtes flücht'ges Reh!
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Dess' freier, milder Geist
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Jetzt in dem Paradiese selig kreist,
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Wie ist dir, wenn die wundervolle Fee
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Auf jener Hülle, die im Leben dich bedeckt,
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Die reinen, feinen, flinken Glieder
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Traumselig hin und wieder
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Gleich einem süßen Wiegenkinde streckt?
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Strebt dir ein tief Entzücken,
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Da sie auf deinem Mantel sich erkühlt
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Nicht gleich dem ersten Lüftchen übern Rücken,
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Das an dem Schöpfungstag mit dir gespielt?
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Es pocht ihr Herz und wallet,
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Die Lippe sehnend lallet,
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Des Blutes Wellen hüpfen,
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Wie durch die blühnden Büsche Quellen schlüpfen,
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Des schlanken Leibes Zierde,
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Ein Spiegelbild der spielenden Begierde,
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Wähnt einen Engel sich mit kranken Flügeln,
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Und träumt, nicht mächtig, Fluges Trieb zu zügeln,
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Auf schlanken Rehes Rücken sich zu schwingen,
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Und flüchtig selig durch den Wald zu dringen.
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– O zieht die Dornen ein, ihr trunknen Rosen,
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Und streut mit lindem Kosen
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Die duft'gen Blätter und des Taues Tränen,
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Die Perlen, die nach ihrem Kuß sich sehnen,
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Dem süßen Wunderbilde,
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Das wie der Pfeil der ersten Liebeslust
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So flüchtig mild und wilde
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Vorüberzückt, entzückt zur reinen Brust!
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Ihr Blumen stehet still, ihr nachzusehen.
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Ihr braucht euch nicht zu bücken,
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Sie wird mit Sehnsuchtsblicken
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An euch wie Maies Wehen
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So süß vorüberzücken,
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Und dort du schlanke Lilie
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In reinen Kelchen Lichtes Engel tragend,
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O bebe nicht so zagend
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Es naht dein süß Gespiel,
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Die liebliche Emilie,
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Die vor berauschten Bienen auf der Flucht
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Sich deiner Kelche heiliges Asyl
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Als ein vertrautes liebes Bettchen sucht.

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Komm Friede, süßer Friede!
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Komm Tau so lau und lind
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Emilie ist so müde,
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Es schwebt das flücht'ge Kind
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Bei dir o Lilie nieder
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Und lauscht der Schlummerlieder,
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Die ihm die Engel singen;
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Das Reh will nicht mehr springen,
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Leis um die schlanken Glieder
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Schleicht ihm der Schlaf herauf
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Es legt sein feines Köpfchen
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Dem lieblichen Geschöpfchen
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Ans Herz und über Hügel
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Bewegt von stiller Wonne
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Geht eine innre Sonne
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Ihm selig träumend auf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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