7. April 1834

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Clemens Brentano: 7. April 1834 (1834)

1
Süßer Trost in heißen Stunden,
2
Da die Liebste, die mir lebt,
3
Zitternd vor mir stand in Wunden
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Und doch nicht vor mir erbebt.

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Da sie mir mit heißem Flehen,
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Der demütig sie umfieng,
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Wahr ins bange Aug' gesehen,
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Daß mir's durch die Seele gieng.

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Und ich fleht', ach mir alleine
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Rechne diese Glut nicht an,
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Deine Flamme war die meine,
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Beide faßte uns der Wahn.

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Süßes Kind, in deinen Wunden
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Bist du so unendlich schön,
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All mein Schmerz muß da gesunden
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Wie in sel'gem Wiedersehn.

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Alles, was da je geschieden,
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Ewig innig sich erkennt,
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Und ein wonnetrunkner Frieden
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Mir im Herzen jauchzt und brennt.

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Schließest Lippen du und Augen,
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Wird ein Feuerblick dein Leib,
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Wird dein Mund ein Feuerhauchen,
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Wirst du schöner als ein Weib.

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Hungern kann ich, harren, missen,
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Doch, dich hingegeben sehn,
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Und bedecken nicht mit Küssen
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Müßt' ich kalt im Feuer stehn.

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Du bist wahr, wie nie im Leben
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Wahrheit mir entgegentrat,
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Und so wirst du mir vergeben,
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Was dir selbst entgegentrat.

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Soll ich arm mein Elend bauen,
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Dann hab' Mitleid und gib mehr,
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Gib mir kindliches Vertrauen
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Dann wird alles leicht, was schwer.

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Aus der Ferne schon gib Winke,
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Mahnt das Herz in deiner Brust,
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Daß ich trinkend nicht ertrinke
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Gib mir Innigkeit statt Lust.

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Kind, wie auch der Blitz der Wonne
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Mich an deiner Brust durchzückt,
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Schrei' ich doch nach einer Sonne,
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Die dein Blick mir hart entrückt.

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Und ich fleh' zum blühnden Munde:
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Sprich doch:
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»armer, schone mein!
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Soll sie heilen deine Wunde,
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Halte meine Hand auch rein!

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Gütig will ich zu dir blicken,
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Will dich tragen in Geduld,
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Will dir freundlich kindlich nicken,
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Kühlen dich mit meiner Huld!

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Ach! vielmehr noch will ich geben,
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Armes mir verfallnes Herz!
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Täglich soll dich rein durchbeben
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Meine Freude und mein Schmerz!

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Laß uns sein doch wie die Kinder,
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Gütig, heiter, süß und rein,
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Dann will dir ich immer linder
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Deine arme Linder sein.

62
Willst du still in meinem Garten
63
Blumen dir und Heilkraut baun,
64
Mußt du auch der Beete warten,
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Brechen nie den schwachen Zaun.

66
Willst du Rosenpfade bahnen,
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So verblute nicht im Dorn,
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Um die lockenden Zyanen
69
Tritt mit Füßen nicht dein Korn.

70
Sei fein still, in mir gefangen
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Stirbst du nicht den Hungertod
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Ich bin lind, du sollst empfangen,
73
Süße Blumen, reines Brot.

74
Hüte mir, ich will dir hüten,
75
Dieses feuertrunkne Blut
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Bittre Frucht nach süßen Blüten
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Wächst auf ungerechtem Gut.

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Glaube fest doch an mein Wissen
79
Auch ich glaube, daß du weißt
80
Daß dich meine Reu' zerrissen,
81
Deine Reue mich zerreißt.

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Wie soll ich dein Herz je nehmen,
83
Das du mir so flehend bringst,
84
Da die Hände mit Beschämen
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Du mir vor die Augen zwingst.

86
Willst du je mein Herz umfassen
87
Mit der Liebe Blütenreis,
88
Willst du nie es fallen lassen
89
Mach es nicht so glühend heiß.

90
Armer Freund, ach meine Gluten,
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Sind nicht deines Herzens Glut,
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Diese süß entflammten Fluten
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Sind mein leicht entzündlich Blut.

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Hüt' mein Feuer, hüt' die Flammen,
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Denn dies freie Element
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Schmilzt dir nimmermehr zusammen
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Was zur Asche es verbrennt.

98
Wärme dich in meiner Sonne
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Kühle dich in meinem Mond,
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Trinke meiner Sterne Wonne
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Der auf meiner Erde wohnt.

102
Alle Blumen, süß und reine
103
Die ich treibe auf zum Licht
104
Tränk' mit Tränen, bis auf eine
105
Da dein Herz in Liebe bricht.«

106
Also fleht' ich, mögst du sprechen,
107
Wahrheit! du hast mir genickt
108
Und der will dein Wort nicht brechen
109
Wahrheit den du angeblickt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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