[segen über diesen Ort!]

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Clemens Brentano: [segen über diesen Ort!] (1833)

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Segen über diesen Ort!
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Wo so treu der Weinberg wird gebauet,
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Gott vergelt's! sein letztes Wort,
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Wenn er nach dem Dom zurück noch schauet,
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Der im Morgenlicht entbrannt,
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Ein Altar voll früher Opferkerzen,
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Mahnend oft genüber stand
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Seinem müden Auge, lauen Herzen,
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Und, von Blumen fromm umkniet,
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Wo des Herren Bild am Ölberg ringet,
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Mit ihm sang das Morgenlied,
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Wenn der Blütengarten Weihrauch schwinget.
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Dom! der in Gewitternacht
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Bald der Arche gleicht umdroht von Wogen,
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Bald in stiller Opferpracht
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Sich erhebt, umspannt vom Friedensbogen,
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Und, vom Sonnenblick geküßt
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Und von weißer Tauben Flug umschwebet,
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Jetzt gedenket, jetzt vergißt,
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Wie sich Schweres leicht zu heben strebet.
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Dom! der heut im jungen Tag
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Über treuer Hirten Asche glühte,
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Als der Pilger scheidend sprach:
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Nachbar Dom! leb wohl, Gott dich behüte!
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Sorgt ihr Freundesherzen nicht,
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Wo ein müdes Haupt sich niederlege,
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Beßre Herberg giebt es nicht,
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Als beim Kreuze draußen an dem Wege.
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Gastfrei ist der Herbergsmann,
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Denn der Dorn, sein Knecht, hält an den Pfaden
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Gern des Pilgers Mantel an,
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Dringend ihn zur Einkehr einzuladen;
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Und der Wirt ist auch nicht stolz,
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Draußen, ganz von Wunden überhagelt,
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Harrt er, am gekreuzten Holz
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Fest mit Händ' und Füßen angenagelt.
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Welcher Wirt hat so Geduld?
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Wißt, er ist allein in diesen Qualen,
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Aller armen Gäste Schuld,
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Die zum Kreuze eingehn, zu bezahlen;
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Und sein Haupt, gekrönt mit Dorn,
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Grüßt den Gast, der bei ihm übernachtet,
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Und sein Herz, ein blut'ger Born,
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Labt den Gast, der dürstend nach ihm schmachtet,
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Und sein Leib ist selbst das Haus,
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Und die Pforten sind fünf offne Wunden,
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Keinen treibt er je hinaus,
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Der da einmal Ruhe hat gefunden,
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Und sein Blut ist selbst der Trank,
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Und sein Fleisch ist wahrlich selbst die Speise,
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Da wird alles heil, was krank,
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Da ist Brot und Wein zur letzten Reise.
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Hier ist Willkomm jeder Gast,
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Wer mühselig ist und schwer beladen,
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Findet Raum für seine Last,
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Er hat alle selbst ja eingeladen.
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Wahrlich er allein ist gut!
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Er, der keinen Stein gehabt auf Erden,
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Wo sein müdes Haupt geruht,
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Wollte allen Haus und Speise werden;
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Und wie er dies Haus gebaut
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Und zuletzt den Strauß darauf gesetzet,
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Hat betrachtet seine Braut,
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Und für euch der Pilger aufgesetzet.
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In der Hand den Wanderstab
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Legt er scheidend nieder euch die Gabe
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Zwischen zweier Hirten Grab,
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Daß man seiner ein Gedenken habe.
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Herr, bei dir allein ist Ruh',
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Wie die Jünger einst zu dir auf Erden
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Sagten, sprichst zum Pilger du:
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Bleib bei mir, denn es will Abend werden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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