[wir, Phoebus und die Musenschaar]

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Johann Christian Günther: [wir, Phoebus und die Musenschaar] (1709)

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Wir, Phoebus und die Musenschaar,
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Bekennen hiermit ofenbahr,
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Wo noth, vor all- und jeden Ständen,
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Daß unser junger Zettriz frey
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Und weiter nicht gehalten sey,
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Mit Paucken längre Zeit als Lehrling zu verschwenden.

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Wir zeugen mehr aus Recht als Gunst,
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Daß er in dieser Heldenkunst
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Den grösten Vortheil weggetragen
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Und würdig wäre, dem Eugen,
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Vor welchem Hahn und Hund nicht stehn,
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Den stärcksten Siegesmarch bey Belgrad vorzuschlagen.

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Calliopens Trompetenschall
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Liebt seiner Schlägel Wechselfall
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Und spielt mit Lust zu ihrem Springen,
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Die Nymphen um den Boberstrand
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Bewundern die geschwinde Hand
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Und hören ihre Kraft durch Wald und Ufer dringen.

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Nun, weil es oft gebräuchlich ist,
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Daß, wo man einen Lehrbrief list,
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Die ehrliche Geburth sich zeige,
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So schwören wir hier mit Bedacht,
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Daß ihn ein Haus hervorgebracht,
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An dem die Tugend sieht, wie hoch ihr Adel steige.

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Des Vaters Amt, Verstand und Ruhm
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Schmückt seines Schildes Alterthum
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Mit neuem Werth und frischen Kränzen,
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Der Mutter Schönheit, Blut und Wiz
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Baut ihrer Tugend da den Siz,
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Wo Damen seltner Art am Ehrenhimmel glänzen.

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Wie nun kein Löw ein Schaaf gebiehrt,
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Kein Pilz Orangenbäume ziert
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Und Adler blos von Adlern kommen,
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So zeigt auch dieser unser Sohn
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An Mienen, Neigung und Person,
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Von wem sein muntrer Geist das Feuer angenommen.

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So wie die helle Morgenzeit
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Den schönsten Mittag prophezeit,
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So will auch schon sein Fleiß und Spielen,
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Das mehr galant als kindisch ist
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Und Maas und Wohlstand nicht vergißt,
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Auf Thaten voller Ruhm des reifen Alters zielen.

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Daher bedencken wir uns nicht,
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Ihm, wo und wenn ihm was gebricht,
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Carls Schuz und Gnade wahrzusagen;
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Wir bürgen selbst vor seine Treu,
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Sie werde, gehn zehn Jahr vorbey,
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Sich vor das Vaterland mit Stahl und Feder wagen.

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Doch überhaupt empfehlen wir
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Ihn und sein Alter, Pallas, dir:
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Entdeck ihm alle Weißheitsschäze
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Und führ ihn auf der Ehrenbahn
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Nach seines Vaters Beyspiel an,
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Damit des Landes Heil ihm einst ein Denckmahl seze.

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Nach diesem stähl ihm Mars den Muth
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Und führ ihn zwar nicht ohne Blut,
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Doch ohne Fall durch Dampf und Blizen.
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Ich seh bereits sein siegreich Pferd
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Mit Beute, Staub und Lob beschwert
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Ost- oder westwärts her auf seiner Rückkunft schwizen.

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Du aber, Venus, solst zulezt
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Ihm alles, was nach Müh ergözt,
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In deiner Wollustmuschel reichen.
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Du liebst so gut Musick als Wein,
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Drum flöß ihm einst den Handgrif ein,
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Im Tempel deiner Lust die Saythen wohl zu streichen.

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Ja, wirf ihm dann bey Scherz und Ruh
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Die beste Violine zu,
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Da wirstu Wunder sehn und hören;
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Da wird er als ein danckbar Gast
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Die schönste Nymphe, so du hast,
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Den Würbel künstlich drehn und Paucken tragen lehren.

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Von jedem bitten wir dabey,
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Von was vor Stand und Würd er sey,
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Er woll ihm Lieb und Ehr erweisen
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Und seine wohlerlernte Kunst
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Nach Mögligkeit mit Rath und Gunst
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Geheim und öfentlich zu seinem Glücke preisen.

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Sind Köpfe von der Thorenzunft,
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Die uns aus Neid und Unvernunft
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In dieser Bitte wiederstreben,
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Die sollen plözlich am Parnaß
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Wie mein Verächter Marsyas
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Das Fell vom Leibe ziehn und auf die Paucken geben.

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Den andern Monath nach dem May
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Sechs- und eilfhundert zwanzig zwey,
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Der Neumond hies gleich Margarethe,
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Der
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Von der vor diesmahl Canzler war
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Ein Mediciner und Poete.

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Mit eigner Hand auf meiner Stuben
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Schrieb ich als Zeuge
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Görge Dluben,
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Bestallter Musicus der Stadt,
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Die Land und Hut im Nahmen hat.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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