[welch Unglück wittert sich?]

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Johann Christian Günther: [welch Unglück wittert sich?] (1709)

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Welch Unglück wittert sich? Wie wenn ein Mordcomet
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Die Lüfte blutig macht und als ein Angstprophet
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Die Völcker durch sein Licht in Furcht und Schröcken sezet,
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Man schon der Länder Ruh vor halb verloren schäzet,
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Wie wenn Enceladus in Aetnens Kluft erwacht
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Und Schwefel, Pech und Glut den Abgrund trächtig macht,
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Die eingepreßte Luft aus dem Gefängnüß dringet
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Und der bestürzten Welt die Trauerzeitung bringet,
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Daß Krieg, Gefahr und Pest schon auf dem Wege sey:
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So und nicht anders pflegt der Parzen Tyranney,
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Wenn sie die Ältesten im Regiment geschlagen,
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Oft die Veränderung dem Staate wahrzusagen.
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Denn zieht des Höchsten Hand dergleichen Nägel aus,
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So trennt sich Holz und Stein, bis das zerschellte Haus
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Den Giebel sincken läst. Der Tod von großen Leuten
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Will vor die Policey gar wenig Guts bedeuten.
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Mit Alexandern fiel die dritte Monarchie;
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Rom weis es, was der Fall Pompejens nach sich zieh;
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Vergräbt Carthago sich in die verbrandten Mauren,
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So will es den Verlust des Hannibals bedauren;
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So lange Pyrrhus noch den Degen rühren kan,
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Zieht auch Epirus nicht der Römer Feßel an;
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Weil Archimedes lebt, kan Syracusa stehen;
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Wenn Augustin erblast, muß Hippon übergehen.
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Was damahls gleich geschehn, wird jezt nicht eingestellt:
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Wir saugen eine Luft, wir sind in einer Welt,
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Wir warthen auf ein Grab. Das strenge Recht zu sterben
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Macht durch sein Alterthum an allen Adamserben
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Auch die Exempel neu, und die Erfahrung lehrt,
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Daß ihr Register sich durch deren Abgang mehrt,
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Die ihrer Republic, so nur durch sie genesen,
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Durch nichts als ihren Tod schwer und betrübt gewesen.
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Bedrängtes Vaterland, der Himmel zürnt mit dir,
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Und deinen Gränzen steht ein großes Unglück für,
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Die Stüzen brechen ein, die starcken Pfeiler spalten,
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Kein Mensch vermag den Riß der Schickung aufzuhalten,
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Die sich zum Schlagen schickt. Budorgis sizt verwaist,
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Weil ein verwegner Sturm in ihre Cedern reißt.
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Nun will das Wetter sich um die Gebürge ziehen;
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Ich fürchte, keiner wird der Allmachtshand entfliehen,
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Die nach der Ruthe greift. Ein Reibniz fiel und stund
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Im Fallen als ein Mann, den Morgen noch gesund,
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Den Abend nicht mehr kranck; ein neues Leichbegängnüß
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Nimmt meinen Seidliz fort. Erbittertes Verhängnüß,
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Gönnt deine Misgunst denn der Schwachheit keinen Stab,
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Der Unschuld keinen Trost? Brichstu den Ancker ab,
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So scheitert auch mein Schif; erschlägt der Neid das Glücke,
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So mir bisher geblüht, und bricht die Hofnungsbrücke
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Durch einen Donnerschlag von deiner Faust entzwey,
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So lern ich, daß dein Schluß unwiederruflich sey.
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Mein Vetter, stirbstu schon, mein Vater, wollt ich sagen,
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Lästu die Söhne dich schon zu den Vätern tragen?
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Du schweigest und sprichst Ja. Die Antwort ist zwar stumm,
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Und doch betäubt sie mich. Verwaistes Fürstenthum,
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Komm und bemühe dich, die Trauer anzulegen;
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Ich werde deine Noth, du meinen Schmerz erwegen.
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Vermische Blut und Salz mit meiner Thränensee,
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Geuß deinen Wermuthsaft zu meiner Aloë,
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Wir wollen beiderseits den edlen Leichnahm küßen
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Und, wenn wir so gepaart, uns in die Gruft verschließen.
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Doch weil die Tugend mehr als ein Bochim verdient,
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Ja, weil ihr Lorbeerbaum auch in der Asche grünt,
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So wollen wir den Ruhm des Redlichsten im Leben
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Der Nachwelt durch dies Blat einst zu bewundern geben.
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Ihr, die Geburth und Geld so stolz als edel macht,
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Die ihr dem Pöbel flucht, die Wißenschaft verlacht,
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Den Mammon Vater nennt, der Ehrsucht Opfer schlachtet
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Und den Begierden euch um Wollustzins verpachtet,
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Kehrt doch im Freyen um und werdet einmahl klug,
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Eh euch die Thorheit fällt. Nehmt diesen Todtenkrug,
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Den stummen Prediger, mit Andacht in die Hände,
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Besichtiget die Gruft, betastet Sarg und Wände
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Und riecht den Schedel an, denn saget mir dabey,
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Ob dies der ganze Lohn von eurer Arbeit sey.
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Ihr schreyt den Himmel an, ihr rennt und schwizt auf Erden,
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Durchschneidet Salz und Meer und lasts euch sauer werden,
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Daß ihr den morschen Leib mit fremden Kothe schmückt
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Und nur ein halbes Wort in euren Titul flickt,
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Der ganze Bogen füllt. Euch bleibt, bethörte Leute,
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Der Schaden zum Gewinn und der Verlust zur Beute.
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Wenn ihr nun nichts gespart, was euch vergrößern kan,
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So kommt der Tod und klopft an eure Fenster an.
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Was habt ihr dann davon? Nichts als ein schwer Gewißen
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Und einen leichten Sarg. Wohl dem, der sich beflißen,
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Wie unser Seeligster der Tugend nachzugehn;
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Der kan in aller Noth so wie ein Fels bestehn,
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Den keine Fluth bewegt. Er wies schon in der Wiege,
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Daß aus des Adlers Nest nicht eine Taube fliege.
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Die Kindheit war bey ihm kein leeres Dockenspiel;
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Denn was ein Neßelstrauch und Hacken werden will,
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Das brennt und biegt sich bald. Der Jugend Frühlingsmorgen
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Hies seinen muntern Geist sich auf den Herbst versorgen.
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Da sonst der Müßiggang der Faulen Arbeit ist
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Und mancher fleißig scheint, wenn er Romanen list,
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So war ein kluges Buch und ein gelehrtes Wachen
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Der Wezstein, ihm Verstand und Degen scharf zu machen;
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Jedoch die Schwelgerey der Bücher fing ihn nicht,
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Er dachte stets an dies, was jener Weise spricht:
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Der Name Hochgelehrt sey diesem wenig nüze,
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Der Rang und Stelle nicht auch ohne Buch beschüze.
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Den Schulen gab er selbst nicht eher gute Nacht,
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Bis Zeit und Alter ihm die Thüren aufgemacht
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Und sein berühmter Fleiß ihm allerdings befohlen,
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Den Schaz der Wißenschaft in fremder Luft zu holen.
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Viel reisen, aber wie? Mit eignen Fehlern fort,
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Mit fremden Sünden heim. Erschnappen sie ein Wort
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Von einem, der einmahl im Peplier gehöret,
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Daß man
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So ist der halbe Weg schon nach Paries erspart.
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Nein, nein, Hochseeligster, von dieser Blinden Art
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War deine Brust ein Feind. Rom sahstu nicht von ferne
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Noch auf der Charten an. Du folgtest diesem Sterne,
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Den dir die Tugend wies. Der Sitten Unterscheid,
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Der Länder Eigenschaft, der Franzen Höfligkeit,
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Der Britten freyes Thun, der Niederländer Wißen
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Hat deiner Klugheit noch den Anstrich geben müßen.
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Des Vaterlandes Wuntsch war deine Wiederkunft,
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Aus Franckreich zogstu weg und ließest die Vernunft
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Vor ein verbrämtes Kleid wie mancher nicht zu Pfande,
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Der, wenn er wiederkommt, die Schwindsucht am Verstande,
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Den Durchlauf aber gar im Beuthel mit sich bringt
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Und weiter nichts gelernt, als wie der Welsche singt
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Und der Franzose tanzt. Du machtest dich nach Hofe;
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Doch weil die Gottesfurcht auch der geringsten Zofe
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Arm und verächtlich scheint, so war dein fester Schluß,
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Daß, wer nicht heulen will, die Wölfe meiden muß.
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So lebtestu bisher vor dich und deinetwegen
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Und kontest ohne Gram dich stets zu Bette legen;
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Allein die Wirtschaft nahm dir eilends alle Ruh,
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Und endlich kam die Last der Ämter noch dazu.
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Du durftest zu der Wahl die Stimmen nicht erkaufen;
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Die Tugend pflegt doch nicht der Ehre zu entlaufen,
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Die ihrem Fuße folgt. Was Wunder, wenn der Rath
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Der Stände dich viel mehr zur Aufsicht zwang als bat.
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Dein Eifer lies niemahls die Schwachheit unterdrücken,
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Und deine Vorsicht hielt der Unschuld stets den Rücken,
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Des Goldes Gelbesucht hat dich nicht angesteckt,
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Der Unterthanen Schweiß nicht deinen Ruhm befleckt.
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Ein jeder, welcher dich und deinen Wandel kannte,
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Sah, wie kein Eigennuz in deiner Seele brannte.
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Recht und Gerechtigkeit, die man jezt in der Welt
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Und zwar nicht ohne Grund vor Exulanten hält,
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Erfreuten sich, bey dir den Aufenthalt zu finden.
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Das Saufen, eine Frucht der unerkandten Sünden,
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Verkürzte nicht dein Ziel. Mehr beißen durch den Fraß,
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Mehr durch die Trunckenheit als durch das Schwerd ins Graß.
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Kein Schwelgen übergab dich vor der Zeit dem Tode.
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In deinem Hause war die allerneuste Mode
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Die alte Redligkeit, die Wörter Ja und Nein
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Der allergröste Schwur. Das Alter brach herein,
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Und deines Winters Schnee bereifte nun die Haare,
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Kein Schröcken, keine Furcht vergällte dir die Baare,
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Die Blindheit dieser Welt brach dir die Augen auf;
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Drum kontestu getrost bald deinen lezten Lauf
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Durch einen guten Kampf mit Fleisch und Blut vollenden
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Und den erlösten Geist in Salems Freystatt senden.
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Sagt, Armen, die er jezt zu zeitlich noch verläst,
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Hat er die Thränen euch im Leben ausgepreßt?
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Nein. Also könt ihr nun nach seinem Tode weinen.
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Sprecht, Reichen, die mit Boy bey seiner Gruft erscheinen,
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Wie er vor euer Wohl ihm ofters weh gethan.
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Klagt, Musen, denen er hinfort nicht helfen kan:
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Stirbt dieser, ach, so wird an unsern Mäcenaten
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Der Miswachs dieses Jahr gewislich gut gerathen.
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Nimm, Seeligster, den Kranz, den Jesus dir versprach:
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Die Wercke folgen dir in jenes Leben nach.
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Verschlafe Noth und Angst, nachdem in Kedars Hütten
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Dein Leiden auch nunmehr den Untergang erlidten.
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Ich wollte, dörft ich nur auf meine Kräfte traun,
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Aus Erz und Marmor dir ein Mausoleum baun;
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Dies würde diese Schrift an seiner Stirne haben:
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Hier hat des Landes Last des Landes Heil begraben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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