[es rühme, wer da will, im Lenzen]

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Johann Christian Günther: [es rühme, wer da will, im Lenzen] (1709)

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Es rühme, wer da will, im Lenzen
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Die neue Luft, den grünen May,
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Je schöner seine Blumen glänzen,
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Je näher rückt ihr Ziel herbey;
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Die Augenweide seiner Auen
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Steht wie die Schönheit auf der Flucht,
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Und was wir heut im Wachsthum schauen,
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Wird morgen schon umsonst gesucht.

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Der Sommer hat nicht Grund zu prahlen,
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Er schröckt die Welt mit Bliz und Schlag,
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Die Menge seiner heißen Strahlen
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Verkürzt den Schlaf, beschwert den Tag.
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Kommt denn der Winter angeschlichen,
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So muß die Erd im Trauren gehn
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Und unsre Lust in Winckel kriechen,
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Wo Grillen am Camine stehn.

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Der Herbst bleibt doch der Schmuck vom Jahre
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Und hat den Vorzug aller Zeit,
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Sein Bildnüß trägt in vollem Haare
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Das Füllhorn vieler Fruchtbarkeit;
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Er ist der reiche Speisemeister
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Der alles zeugenden Natur,
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Erquickt die Sinnen wie die Geister
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Und zeigt die gröste Seegensspur.

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Er füllt uns Augen, Mund und Keller,
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Ergözt den zärtlichsten Geschmack,
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Er häuft uns auf dem Wollustteller,
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Was Garthen, Feld und Wald vermag;
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Sein Wetter schickt sich recht zum Lieben,
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Denn weil es keinen Hundsstern kennt,
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So wird die Kraft nicht übertrieben,
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Wodurch das Blut der Jugend brennt.

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Dir hat, mein Bräutigam, ich wette,
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Kein Herbst wohl noch so schön gelacht
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Als der, so jezt dein Hochzeitbette
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Mit Edens Anmuth lustig macht:
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Des ganzen Jahres Schaz und Früchte
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Versammlen sich auf einer Brust
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Und reizen Finger und Gesichte,
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So daß du lüsternd werden must.

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Betrachte nur des Mundes Rosen,
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Die noch kein Bienenstich berührt
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Und deren Pracht, dir liebzukosen,
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Das Honig auf den Blättern führt.
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Die Wangen zeigen bunte Nelcken,
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Und wilstu Lilgen und Jasmin,
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Die auch bey Frösten nicht verwelcken,
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So darfstu nur ihr Halstuch ziehn.

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Der Herbst ergözt uns auch mit Trauben;
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Dein Herbst giebt Trauben seltner Art,
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Hier kanstu preßen oder klauben,
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Sie sind allein vor dich gespart;
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Und wilstu reinen Wein genießen,
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So ist der Lippen Kelter hier,
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Woraus die Küße süßer fließen
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Als Edenburgs Octoberbier.

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Entsteht ein Appetit nach Beeren,
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Sie wachsen hier auch durch den Schnee,
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Den weder Luft noch Glut verzehren,
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Auf einer zweyfach schönen Höh.
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Die Herbstzeit liefert gute Fische
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Und baut auch manchen Vogelherd;
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Auch dies wird deinem Liebestische
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Durch einen schönen Herbst gewährt.

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Stell auf und wirf die Sehnsuchtsangeln
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Und henck den Freyheitsköder dran;
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Das Glücke läst es dir nicht mangeln,
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Denn sieh, ein treues Herz beißt an.
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Ein solcher Fang ist hoch zu schäzen,
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Zumahl wer unsre Zeit bedenckt,
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Wo mancher mit vergoldten Nezen
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Forellen sucht und Frösche fängt.

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Du hast das lustige Gehäge,
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Darum vergiß auch nicht die Jagd,
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Die Liebe spürt die rechten Wege,
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Nur wache früher, als es tagt.
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Kein Wildpret kan wohl höher gelten,
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Als deines Herbstes Tugend gilt,
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Denn diese fängt man schwer und selten,
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Weil oft das Schaaf den Wolf verhüllt.

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Ich muß mich deutlicher erklären
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Und, werther Bräutigam, gestehn:
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Das, was dir Wuntsch und Gott gewähren,
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Muß über alle Wahren gehn,
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Die deiner Handlung Wiz und Glücke
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Auch noch so frisch und reich erhält;
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Denn du bekommst in diesem Stücke
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Das rechte Leben auf der Welt.

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Das rechte Leben steckt im Lieben
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Und in vertrauter Lustbarkeit,
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Der Kummer kan kein Paar betrüben,
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Dem Treu und Eintracht Trost verleiht.
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Ich darf die Lust nicht erst beschreiben,
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Du wirst sie selbst handgreiflich sehn
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Und bey dem neuen Zeitvertreiben
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Der Einsamkeit den Rücken drehn.

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Die Tadelsucht hängt auch dem Besten
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Gemeiniglich ein Kleckschen an,
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Vornehmlich bey den Hochzeitfesten,
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Wobey der Neid nicht schweigen kan;
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Da raisonnirt sie von der Scheitel
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Bis auf den Absaz an dem Schuh
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Und läst so wenig Tracht und Beuthel
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Als Mienen und Person zu Ruh.

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Ist gleich die Braut von guten Sitten,
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Doch nicht dabey, wie mancher spricht,
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Am Leibe lieblich zugeschnidten,
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So heist es ein Alltagsgesicht;
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Sind Mittel da, so heists: Der Drache
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Hat blos den Alp an Mann gebracht;
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Und liegt der Mammon nicht im Fache,
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So wird der nackte Specht verlacht.

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Und kurz: Ein Eckstein gleicht den Bräuten,
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Woran sich jedes Ferckel reibt.
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Wer kehrt sich an die klemmen Zeiten,
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Wo niemand ohne Richter bleibt!
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Man laße Neid und Pöbel höhnen,
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Gnung, wenn die Vorsicht und ihr Schluß
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Das Haupt mit Friedensmyrthen crönen,
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Die so ein Bliz verschonen muß.

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Der Bund, den deine Wahl getrofen,
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Wird dich, mein Bräutgam, nicht gereun;
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Das Glücksthor steht zwar allen ofen;
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Doch führt die Klugheit nur hinein,
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Und diese führt auch dich in Garthen,
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Wo Früchte der Zufriedenheit
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Den angenehmen Dieb erwarthen,
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Dem hier kein nächtlich Schröcken dräut.

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Man sagt zwar sonst: Bestohlne Bäume
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Verdorren ohne weitre Frucht;
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Dies sind nur abergläubsche Träume,
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Denn wenn man die Natur durchsucht,
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So findet man Leucojenstengel:
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Je mehr man pflückt, je mehr sie blühn;
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So wird dein Raub auch deinem Engel
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Mehr Wachsthum geben als entziehn.

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Du, holde Braut, wirst hier gemeinet;
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Denn ist ein kleiner Scherz erlaubt,
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So wird, was Jephtae Kind beweinet,
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Dir durch die Liebe bald geraubt.
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Doch schade vor das Bißchen Blüthe!
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Ihr Abfall giebt den Früchten Statt,
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An welchen ein vermehlt Gemüthe
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Des Paradieses Nachschmack hat.

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Herunter mit dem Freyheitskranze,
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Der schärfer als die Haube drückt!
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Wieso? Doch halt! Es reißt ins Ganze,
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Wofern mein Kiel die Antwort schickt.
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Dein Bräutgam kan dir auf dies Fragen
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Am besten ein Genügen thun
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Und deiner Brust nachdrücklich sagen,
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Daß Jungfern nicht so sanfte ruhn.

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Gieb Acht! Er winckt dir schon zum Scherzen
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Und ladet dich zur Herbstlust ein;
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Bey dieser wird er deinem Herzen
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Den grösten Vorwiz gern verzeihn.
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Du bist die Eva, deren Schmeicheln
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Ihn ohne Sünde schön verführt
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Und die ihm durch vernaschtes Heucheln
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Das Leben vor den Tod gebiehrt.

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Dies wird die Zeit mit Freuden lehren;
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Mein Phoebus hat sein Amt vollbracht
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Und wüntscht mit seinen Musenchören
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Das, was euch froh und glücklich macht.
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Kein Feldmann wird im Herbste feyren,
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Er sät mit Lust auf Hofnung zu
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Und kriegt dadurch gefüllte Scheuren:
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Mein Bräutgam, dies bedenck auch du!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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