[schönen Kindern Lieder singen]

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christian Günther: [schönen Kindern Lieder singen] (1709)

1
Schönen Kindern Lieder singen,
2
Ist das Amt der Poesie,
3
Und vor sie die Laute zwingen
4
Nichts als angenehme Müh;
5
Denn der Strahl von ihren Kerzen
6
Zündet Blut und Geister an,
7
Daß man bey galantem Scherzen
8
Desto netter spielen kan.

9
Jezt erweckstu meine Flöthen,
10
Du, o hofnungsvolles Kind.
11
Spötter sprechen, daß Poeten
12
Nur galante Lügner sind;
13
Diesen Saz zu widerlegen,
14
Braucht es nichts als dies mein Blat,
15
Welches blos der Warheit wegen
16
Seine Schönheit von dir hat.

17
Wie an schlancken Cederstämmen
18
Zweig und Gipfel munter stehn
19
Und, die Kiefern zu verdämmen,
20
Täglich stärck- und höher gehn,
21
So erhebt dich in der Menge
22
Vieler Schönen unsrer Zeit
23
Die so wohl gestallte Länge
24
Und der Glieder Artigkeit.

25
Wie der Sonnen frühes Blizen,
26
Wenn der Thau das Erdreich kühlt,
27
Auf den halbgebrochnen Spizen
28
Junger Rosenknöpfe spielt,
29
Also spielt auf Stirn und Wangen
30
Eine blumenreiche Pracht,
31
Die schon manchem ein Verlangen
32
Wie den Eltern Freude macht.

33
In der Augen Farb und Flammen
34
Spiegelt sich des Himmels Bild,
35
Milch und Blut fliest da zusammen,
36
Wo der Küße Nectar quillt.
37
Feßel an das Herz zu legen,
38
Brauchstu nur ein einzig Glied,
39
Das durch artiges Bewegen
40
Aller Neigung an sich zieht.

41
Bäume ziert so Laub als Blüthe,
42
Doch dies ist nur halber Schein,
43
Von der innerlichen Güte
44
Mußen Früchte Zeugen seyn:
45
Deines Leibes holde Gaben
46
Lehren in des Alters May,
47
Daß ein Geist, den wenig haben,
48
Seiner Schönheit Schönheit sey.

49
Sitten, Mienen, Wort und Blicke
50
Zeigen Sanftmuth, Wiz und Kunst,
51
Drum verspricht dir auch das Glücke
52
Den Bestand von seiner Gunst.
53
Las viel stolze Mägdgen höhnen
54
Und aus blinder Misgunst schmähn,
55
Dir verbleibt der Ruhm der Schönen,
56
Die auf guten Wandel sehn.

57
O welch zärtliches Entzücken,
58
O welch sanfter Keuschheitszoll
59
Wird einmahl den Mund erquicken,
60
Dem dein Erstling werden soll;
61
O was wird der Mutter Liebe
62
Vor vergnügte Stunden sehn,
63
Wenn so manches Freyers Triebe
64
Nach der liebsten Tochter flehn.

65
Dieser Tag, der dich der Erden
66
Als ein Kleinod erst geschenckt,
67
Soll so lang ein Festtag werden,
68
Als er auf dein Wohlseyn denckt;
69
Kummer, Unruh, Wolcken, Regen,
70
Schröcken, Baare, Bliz und Nacht
71
Schonen seiner deinetwegen,
72
Bis der lezte Morgen lacht.

73
Wachse nun an Glück und Jahren
74
So wie an Gefälligkeit!
75
Gott und Himmel wird nicht sparen,
76
Was dir Lob und Lust verleiht.
77
Der Genuß von diesem Lichte
78
Sey dir noch so oft bestimmt,
79
Als die Anmuth im Gesichte
80
Und im Herzen Tugend glimmt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.