[was man von galanten Kindern]

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Johann Christian Günther: [was man von galanten Kindern] (1709)

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Was man von galanten Kindern,
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Mit vergälltem Munde spricht,
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Kan die Sehnsucht nicht verhindern,
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Die der Werth ins Auge sticht,
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Daß sie dir bey stiller Ruh
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Ein geheimes Opfer thu.

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Als ich dich in unsern Gaßen
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Nur verstohlen angeblickt,
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Fing ich alles an zu haßen,
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Was sich hier mit Ehrgeiz schmückt;
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Die Verwundrung nahm mich ein,
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Dir ein stilles Lied zu weihn.

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Mir gefiel dein freyes Wesen,
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Welches Blick und Gang bewies,
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Und ich wüntschte dem den Beesen,
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Der es neulich Frechheit hies,
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Nach der Thorheit unsrer Stadt,
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Die viel falsche Meinung hat.

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Tadler- und Verleumdungsmeßer
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Biegen wie geschlifnes Bley,
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Scheint dein Bild doch schön und beßer
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Als das neidische Geschrey.
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Wer dich sieht und das nicht glaubt,
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Ist wohl des Geschmacks beraubt.

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Wendung, Gang, Person und Lachen
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Laßen mich zum Überfluß
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Bey mir selbst die Rechnung machen,
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Was wohl der genießen muß,
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Den der Stern vergnügter Nacht
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Deines Umgangs würdig macht.

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Auf dergleichen Marmor gleiten,
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Den man aus dem Busen gräbt,
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Ist ein Fall von großen Leuten,
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Der ins Paradies erhebt;
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Gift aus feuervoller Hand
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Wird ein süßer Tod genand.

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O wie zärtlich mag sichs küßen,
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Wenn man deine Zunge fühlt
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Und ihr Scherz mit sanften Bißen
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Um die heiße Lippen spielt;
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So ein küzlich Aus und Ein
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Mag des Himmels Vorschmack seyn.

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Wär auch zehnmahl deine Liebe
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Ein vor mich verbothner Baum,
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Gäb ich doch dem starcken Triebe
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Solcher süßen Sünden Raum,
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Weil die Schuld, so es verlezt,
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Aller Strafen Qual ersezt.

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Lieben achtet kein Geseze,
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Und die angenehme Spur
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So entzündter Liebesschäze
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Ist ein Antrieb der Natur,
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Die uns nicht zuwieder spricht;
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Das versteht der Pöbel nicht.

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Drum so lache, kluge Schöne,
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So vernünftig, als du thust,
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Wenn du irgend das Gehöhne
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Tummer Spötter hören must,
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Weil dein ungebundner Geist
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Hier und da mit Küßen speist.

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Jugend, Lust und schöne Wangen
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Stehn fast stündlich auf der Flucht,
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Sind die einmahl weggegangen,
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Werden sie umsonst gesucht;
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Wer die Bahn der Klugheit tritt,
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Nimmt sie fein bey Zeiten mit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christian Günther
(16951723)

* 08.04.1695 in Striegau, † 15.03.1723 in Jena

männlich, geb. Günther

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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